Der Herbstmarkt auf dem Roscheider Hof hat trotz Regenwetters wieder viele Besucher angelockt.

Konz-Roscheid : Selbstgemachtes und Historisches im besonderen Ambiente

Der Herbstmarkt auf dem Roscheider Hof hat trotz Regenwetters wieder viele Besucher angelockt.

Zum zweiten Mal fand unter dem Obertitel „Leckeres und Kreatives aus der Region“ der Herbstmarkt „Selbstgemacht“ im Freilichtmuseum Roscheider Hof statt. Für Geschichtsinteressierte war erstmals eine wiederaufgebaute Baracke des Reicharbeitsdienstes zu besichtigen.

 Anders als bei der Premiere im vergangenen Jahr spielte das Wetter nicht mit. Immer wieder zogen Regenschauer über das Gelände des Freilichtmuseums. Das hielt viele Besucher aber nicht davon ab, vorbeizukommen. „Das Ambiente ist einmalig“, sagte Rainer Blazejewicz aus Trier und lobte das vielfältige Angebot. An den 14 Ständen, die im ehemaligen Gutshof aufgebaut waren, gab es ausschließlich Selbstgemachtes. Zum Angebot zählte einerseits Handwerkliches wie Schmuck, Dekoartikel oder selbstgenähte Taschen und auf der anderen Seite regionale Leckereien wie Flammkuchen und Fischbrötchen. Regionale Weine, Federweißen und Viez rundeten das kulinarische Angebot ab. Hinter dem Konzept steckt der Saarburger Veranstaltungsprofi Christof Kramp, der mit seiner Eventagentur den Markt organisiert hat. Bis vor zwei Jahren fand die Veranstaltung noch in Ockfen statt. Als es dort nicht weiterging, erfolgte der Umzug nach Roscheid. Auch wenn es aufgrund des Wetters dieses Mal ein paar Absagen von Händlern gab, schätzt Kramp, dass fast 1000 Besucher gekommen sind. Auch die Händler sind zufrieden. Christopher und Julia Franzen verkaufen personalisierte Geschenkartikel. „Das Geschäft läuft ganz gut. Es ist super gemütlich hier“, freut sich Julia Franzen, die im Internet von der Veranstaltung erfahren hat und sich direkt angemeldet hat. „Trotz des schlechten Wetters ist die Stimmung gut. Und die Handwerkskunst ist beeindruckend“, sagen Werner und Beate van Ooyen, die mit einer Gruppe von Saarburg nach Konz gewandert sind. Für Unterhaltung sorgt der Trierer Singer/Songwriter Achim Weinzen. Im Museumsdorf wartet nachmittags ein Highlight für alle Geschichtsinteressierten. Dort steht seit kurzem eine originale Baracke des Reicharbeitsdienstes (RAD-Baracke), die von Museumsmitarbeitern wiederaufgebaut wurde. Da die Größe unbekannt war, musste es auf dem Gelände einer Konzer Firma zur Probe aufgebaut werden. Die Baracke ist eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare und wurde von einem Westwallmuseum in der Eifel erworben, wo sie eingelagert war. Sie soll Teil einer neuen Baugruppe mit Gebäuden aus dieser Epoche werden. Vermutlich handelt es sich um ein Gebäude, das bei verschiedenen Abschusseinrichtungen der V1 Rakete in der Eifel genutzt wurde, um sensible Dokumente zu schützen. Davon zeugen die vergitterten Fenster und eine Alarmanlage. Die Baracken wurden für vielfältige Zwecke genutzt, wie die Unterbringung von Kriegsgefangenen, in Wehrmachtseinrichtungen oder Konzentrationslagern. „Wir haben jetzt ein recht simples Stück Architektur, aber auch jede Menge Verantwortung“, sagt Museumshistoriker Markus Berberich im Bezug auf den Umgang mit einem Gebäude des dritten Reiches in Zeiten, in denen fremdenfeindliche Taten stattfinden und das menschenverachtende Denken der Nationalsozialisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Aber auch das harte und entbehrungsreiche Alltagsleben der Menschen in dieser Zeit sei heute kaum mehr vorstellbar.

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