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Der Igeler, der übers Wasser radelt

Der Igeler, der übers Wasser radelt

Alwin Bösen hat sein eigenes Wasserfahrrad erfunden und zusammengebaut. Jetzt ist der Seniorchef einer Baumschule in Trier damit öfter auf der Mosel zwischen Konz und Igel unterwegs. So zieht er die Blicke der Radfahrer und Wanderer auf den Wegen am Ufer auf sich.

Konz/Igel/Trier. Es plätschert, dann knackt es. Doch Alwin Bösens Gefährt gleitet langsam über die Mosel zwischen Igel und Konz, wenn er in die Pedale des hellgrün lackierten Fahrrads tritt. Das knallrote Schaufelrad, das den Hinterreifen des Rads ersetzt, treibt das Gerät auf dem Fluss an. Es schwimmt auf dicken grünen Rohren, hinten spritzt in hohem Bogen Wasser hoch.In großem Bogen über den Fluss


Drahtseile verbinden den Lenker mit einem Ruder. Sobald der 73-Jährige eine Richtung einschlägt, fährt das Rad in großem Bogen über die Mosel. Gekonnt steuert Bösen zwischen den Pfeilern der Eisenbahnbrücke zwischen Igel und Konz hindurch.
Auf dem Rückweg zum Igeler Ufer trinkt er einen Schluck Wasser: Ganz schön schweißtreibend so eine Tour! Und aufmerksamkeitserregend: Auf der Eisenbahnbrücke und dem Moselradweg halten etliche Radfahrer an. Einige machen ein Foto oder ein Video von dem Igeler mit dem Wasserrad, andere schauen staunend zu. "Wer schert sich heutzutage noch über Radwege, wir nutzen den Wasserradweg", sagt ein Tourist im Vorbeifahren.
Doch Achtung: Die Tour auf dem Fluss ist anstrengender als die Fahrt an Land. Bei der Drehbewegung wird die Kraft nicht so ideal von den Pedalen auf die Antriebsschaufel wie auf ein normales Hinterrad übertragen.
Der Erfinder des Igeler Wasserrads ist Seniorchef der Baumschule Bösen in Trier-Euren. Der gebürtige Zewener und Wahl-Igeler ist stolz auf seinen Eigenbau, bleibt aber sehr bescheiden. Das Wasserrad habe er zusammen mit seinen Enkelkindern in der Werkstatt der Baumschule gebaut - aus einem gebrauchten Fahrrad, Bewässerungsrohren und Stahlseilen. "Da sind nicht unendlich viele Stunden draufgegangen", sagt er. Vorab habe er einen Plan erstellt, für den er alles genau berechnen musste (siehe Extra). Mit seinen 73 Jahren habe er sich sportlich betätigen wollen, sagt Bösen. "Radfahren wäre das Ideale gewesen. Aber ich habe von Kindheit an eine intensive Beziehung zur Mosel." Auf dem Radweg sei ein bisschen viel Betrieb gewesen. "Deshalb dachte ich: Man müsste mit dem Rad auf der Mosel fahren", sagt er und lacht. Er sei schon mit acht Jahren das erste Mal durch den Fluss bis nach Karthaus geschwommen. Damals sei das einfacher gewesen. Die Mosel war noch nicht so breit, weil sie noch nicht kanalisiert war. Später habe er seine erste Erfindung in der Mosel ausprobiert, erzählt Bösen. Er habe einen Viezschlauch mit einem Schwimmer präpariert. Zusammen mit einer Taucherbrille sei das eine perfekte Ausrüstung gewesen. So habe er die Bomben trichter in der Mosel unterhalb der Eisenbahnbrücke zwischen Igel und Konz erkundet.
Heute führen ihn seine Ambitionen eher an die Wasseroberfläche. "Der Grundgedanke beim Bau des Wasserrads war, dass nur das Rad auf dem Wasser zu sehen ist", sagt Bösen. So zieht er die staunenden Blicke der Vorbeifahrenden auf sich, wenn er auf der Mosel unterwegs ist.
Bisher hat der Igeler noch keine kommerziellen Pläne für seine Erfindung. Er könne sich aber vorstellen, das Wasserrad für einen guten Zweck zu vermieten, sagt er, als eine Passantin ihn fragt, wie viel eine Fahrt auf der Mosel kostet.
Ein Video gibt es unter:
volksfreund.de/video
Extra

"Das ist meine ureigene Idee", sagt Alwin Bösen. Entwickelt hat er sie beim Fernsehgucken im Winter. Das Tüfteln liege ihm, sagt er. So habe er auch schon einiges für seine Baumschule entwickelt. Als Material für den schwimmfähigen Rahmen dienen dem findigen Rentner Bewässerungsrohre mit 150 Millimeter und mit 120 Millimeter Durchmesser. Die kleineren Rohre dienen als Ausgleich, damit das Rad nicht kippt oder nach vorne untergeht. Die Rohre hat Bösen zusammengeschweißt. Die Größe des Rahmens musste Bösen im Vorfeld genau berechnen. Da reiche physikalisches Grundlagenwissen, sagt er. Das Gewicht des Gerätes und seines Fahrers müsse dem Volumen des verdrängten Wassers entsprechen, erklärt Bösen. "Da kam dann eine Länge von 5,20 Meter raus." Den Schwimmkörper hat er zusammen mit seinen Enkelkindern in der Werkstatt seiner Baumschule zusammengeschweißt. Im Beregnungsteich der Firma hat er die erste Konstruktion getestet. Und das habe auf Anhieb geklappt. So habe er seinen Enkeln auch zeigen können, wie sie Mathe und Physik in der Praxis anwenden können, sagt der 73-Jährige. cmkExtra

Wasserfahrräder (englisch: Hydrobikes) werden andernorts als Tourismusattraktion vermarktet. In Deutschland vermarktet zum Beispiel die Erlebnisbahn Ratzeburg Touren mit Hydrobikes am Ratzeburger See, der in Schleswig-Holstein an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegt. Infos dazu gibt es im Internet unter www.erlebnisbahn-ratzeburg.de Eine Internetrecherche ergibt, dass die Viktor GmbH in Deutschland Hydrobikes verkauft. Ein Wasserfahrrad kostet 1796 Euro. Als Erfinder des Wasserrads gilt der US-Amerikaner Ray Buresch, der es 1989 erstmals gebaut hat. Während die Schwimmkörper der anderen Räder an der Wasseroberfläche zu sehen sind, sollen sie bei Alwin Bösens Rad größtenteils unter Wasser sein. cmk