Der Luxus, den Kell sich gönnt

MANDERN/KELL AM SEE. Die Bilanz bleibt betrüblich: Mit dem Keller Schwimmbad haben die Werke einmal mehr tiefrote Zahlen geschrieben. Rund 265 000 Euro beträgt das Minus im Jahr 2005. Im Verbandsgemeinderat wurde daher über Wege aus der Krise diskutiert und dabei auch laut über Eintrittspreise und Öffnungszeiten nachgedacht.

Der Abschlussbericht der Werke im Betriebszweig "Freibad/Campingplatz" umfasst 28 Seiten und enthält hunderte von Zahlen. Doch um das ganze Dilemma deutlich zu machen, benötigte Engelbert Jücker von der CDU nur deren drei: "24 000 Badegäste und ein Defizit von 265 000 Euro bedeuten: Wir subventionieren jeden Besuch im Freibad mit elf Euro." In der Sitzung des VG-Rats in Mandern wurde zwar keine Grundsatz-Diskussion über den Fortbestand der Freizeiteinrichtung geführt. "Das ist der Luxus-Artikel, den wir uns leisten, und dazu stehen wir", betonte FWG-Sprecher Erwin Rommelfanger und wiederholte damit die Kernaussage seines SPD-Pendants Manfred Rommelfanger fast wörtlich. Auch für Dittmar Lauer (CDU) ist das Bad ein "wichtiges Element der kommunalen Daseinsfürsorge". Doch Jückers Rechenexempel gab Anlass, sich auf die Suche nach Wegen aus der Krise zu begeben.Campingplatz-Erweiterung steht auf der Kippe

Hinter der angenehmsten Variante, das Defizit der VG-Werke herunterzudrücken, steht allerdings ein großes Fragezeichen. Schon lange wird in Kell die Erweiterung des Campingplatzes ins Auge gefasst. Geplante 23 zusätzliche Stellplätze für Dauercamper sollten die Einnahme-Situation spürbar verbessern. Dieser Wunschvorstellung stehen aber brandschutzrechtliche Bestimmungen entgegen. "Um diese Bedingungen einzuhalten, müssten acht bis zehn Stellplätze entfallen. Deshalb müssen wir uns im Werksausschuss darüber unterhalten, ob sich die Investitionen dann noch lohnen und wir diesen Weg weiter beschreiten wollen", informierte Bürgermeister Werner Angsten (CDU). Also wurde im Rat zumindest laut über Alternativen nachgedacht, die nicht in die Kategorie "Populär" fallen dürften. CDU-Fraktionschef Klaus Marx wies darauf hin, dass man das Problem "von mehreren Seiten in die Zange nehmen muss". Als machbares Ziel forderte er ein jährliches Minus von unter 200 000 Euro. Einen Ansatzpunkt zum Handeln sah Marx darin, dass "es einen direkten Zusammenhang zwischen Personalkosten und Öffnungszeiten gibt". Beim Blick auf den Umsatz zeigt sich nach Auffassung von Marx nicht nur aufgrund der Erfahrungen im Jahr 2005: "Wenn die Sommerferien vorbei sind, kann man das Schwimmbad eigentlich zu machen." Großen Widerspruch erntete er dafür nicht. Im Gegenteil: Auch SPD-Fraktionschef Rommelfanger stellte die Frage: "Ist das rentabel, wenn wir im September 120 Besucher im Bad haben und dem ein Aufwand von 30 000 Euro gegenüber steht?" Doch auch die derzeit gültigen Eintrittspreise stehen auf dem Prüfstand. Zur Sprache kam dieses Thema im Rat allerdings erst nach einem Anstoß von Außen, als sich der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) zu Wort meldete. Er bezeichnete die aktuellen Tarife für Tageskarten, die für Kinder und Jugendliche 1,70 Euro, für Erwachsene 2,80 Euro kosten, als "nicht mehr der Zeit angepasst". Deshalb müsse man durchaus auch über eine "adäquate Anhebung" nachdenken. Noch in diesem Jahr werde sich der Werksausschuss auch mit dieser Frage beschäftigen müssen, nahm Angsten zu diesem Vorstoß Stellung, wobei deutlich wurde, dass Lehnen keineswegs nur eine Einzelmeinung artikulierte. Auch eine gewichtige Stimme in der SPD unterstützte dessen Forderung: "Wir dürfen unsere Sachen auch nicht zu billig verkaufen. Man muss doch die Relationen sehen. Momentan können Jugendliche für den Betrag, den eine Cola kostet, einen kompletten Tag im Bad verbringen. Ich denke, ein Tagesbesuch im Bad darf aber ruhig auch zwei Cola kosten", sagte Rommelfanger.