Der Mann für alle Fälle

KANZEM. Außer zu Kriegszeiten hat Adolf Reinert immer in Kanzem gewohnt. Er war im Vereinsleben des Ortes und im Gemeinderat aktiv und hat miterlebt, wie im Dorf nach dem Krieg das Leben wieder begann und wie es sich bis heute entwickelt hat.

 In vielen Vereinen und Gremien und als Sankt Martin war Adolf Reinert ehrenamtlich tätig. Foto: Julia Kalck

In vielen Vereinen und Gremien und als Sankt Martin war Adolf Reinert ehrenamtlich tätig. Foto: Julia Kalck

"Ich bin 1926 hier in Kanzem geboren", beginnt Adolf Reinert zu erzählen, "und ich habe auch immer hier gewohnt." Dort habe er zusammen mit seiner Familie und mit anderen etwas aufgebaut. "Ich war überall mit dabei, in jedem Verein." Die Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Handwerker, die er vor dem Krieg begonnen hatte, setzte er fort, nachdem er aus kurzer Gefangenschaft im Oktober 1945 wieder nach Hause kam. 1959 wurde er zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt, war ab 1964 Zweiter Beigeordneter, ab 1969 Erster Beigeordneter. Ohne Parteien mehr Zusammenhalt

"Damals gab es noch keine Parteien im Ortsgemeinderat, erst 1974 haben Parteien kandidiert", erinnert er sich. "Und da haben wir, die älteren Gemeinderatsmitglieder, eine freie Liste gegründet." Auch wenn er bei der jüngsten Kommunalwahl nicht mehr kandidierte, kann er auf 35 Jahre Gemeindepolitik zurückblicken. Eines vermisst er ganz besonders und bedauert, dass es heute nicht mehr so ist: die Zeit, als es in den Ortsgemeinden noch keine Parteien gab, sondern einzelne Bürger kandidierten. "Durch die Parteien ist ein bisschen der Zusammenhalt verloren gegangen", bedauert er. Deshalb halte er es für besser, wenn auf Ortsebene so wie vor 1974 keine Parteien vorhanden wären. Doch es ist nicht nur die Politik, die ihn über die Jahre beschäftigte. "Ich war auch Gründungsmitglied des Heimat- und Verkehrsvereins", erzählt er. Außerdem wurde er 1968 in den Kirchenvorstand gewählt, war im Pfarrgemeinderat, später nur noch im Kirchenvorstand und Pfarrverwaltungsrat. Der Vater von vier Kindern - drei Söhnen und einer Tochter, die mit im Haus in Kanzem lebt - war auch in anderen Vereinen tätig. "Als 1946 die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, war ich dabei", erinnert er sich, "ich habe schon als 16-Jähriger die Feuerwehr-Spritze an die Saar gefahren, damit geübt werden konnte." Im Sportverein war Adolf Reinert ebenfalls tätig, "zeitweise auch im Vorstand". Sportverein, Feuerwehr, Gemeindepolitik, Heimat- und Verkehrsverein - so manchem würde das an Beschäftigung "so nebenbei" reichen. Nicht jedoch Adolf Reinert. "Ich singe auch noch im Männergesangverein. Freitags um 20 Uhr geht's zur Probe. Und wir wären froh, wenn wir noch Nachwuchs hätten." Doch warum das Engagement in zahlreichen Gremien, Vorständen und Vereinen, für das ihm 1981 zum Beispiel auch die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz für ehrenamtliche Tätigkeiten verliehen wurde? "Ich bin immer sehr interessiert und hatte das Gefühl, ich war angenommen von den Bürgern. Ich habe mich verpflichtet gefühlt mitzugestalten", so der 79-Jährige. Auch wenn er heute nur noch im Heimat- und Verkehrsverein, im Männergesangverein und im Pfarrverwaltungsrat aktiv ist - langweilig wird ihm so schnell nicht. "Meine Tiere sind mein größtes Hobby", erzählt er. Die Tiere, das sind zwei Pferde, ein Hund und eine Katze. "Und der Garten hinterm Haus - in dem bin ich auch gerne", fügt er hinzu. Die Liebe zu Pferden und zum Reiten hat ihm ein paar Jahre lang auch noch ein weiteres wichtiges "Amt" beschert. Adolf Reinert: "Ich habe lange Jahre den Sankt Martin gemacht, mein ältestes Pferd war sehr ruhig, da ging das gut." Der damalige Bürgermeister habe ihn gefragt, ob er das mache, und so habe er zugesagt, ein Kostüm genäht, Helm und Schwert besorgt. "Das war schön, die Kinder haben sich sehr gefreut", sagt er. Heute ist ihm die eigene Familie sehr wichtig - seine Kinder und Enkelkinder kommen oft vorbei. Auch wenn er immer engagiert war, für andere da war, "die Familie hat doch manchmal darunter gelitten, dass ich so viel gemacht habe im Dorf", weiß er heute, "und man muss ja dann auch irgendwann einmal Schluss machen".

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