Der Moselaufstieg und die Frage aller Fragen

Infrastruktur : Der Moselaufstieg und die Frage aller Fragen

Verkehrsminister Volker Wissing wünscht sich eine neue Verbindung von der Mosel zur A 64. Er setzt auf Transparenz bei Verkehrsprojekten, ist aber bei seinem Auftritt in Trier eine entscheidende Antwort schuldig geblieben.

Zwischenzeitlich platzt Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz (CDU) der Kragen. An Volker Wissing (FDP) gerichtet sagt er: „Sie sind jetzt der dritte Minister, bei dem ich das Thema Verbreiterung der Biewerbachtalbrücke anspreche.“ Gebaut seien die zusätzlichen Fahrspuren jedoch immer noch nicht. Und auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) berichtet bei der Veranstaltung „Minister-Talk: Infrastruktur und Mobilität Region Trier“ davon, dass es oft länger dauert als geplant. Ihm graue es vor Anrufen von Bahn und Eisenbahnbundesamt, deren Ergebnis eine weitere Verzögerung bei der Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Weststrecke bedeuteten.

Spätestens an diesem Punkt ist auch den Zuhörern im Tagungszentrum der Industrie- und Handelskammer klar, dass sie nicht allein mit dem Gefühl sind, dass Verkehrsprojekte einfach zu lange brauchen. Diese Wahrnehmung ist Verkehrsminister Volker Wissing durchaus bewusst. Doch er gibt die Parole aus, dass die Projekte gründlich geplant werden müssen, um möglichen Prozessen standzuhalten. In diesem Zusammenhang äußert er Unverständnis darüber, dass es Umweltverbände gebe, die sich nicht durch Anregungen im Planungsprozess einbrächten, sondern erst im Nachgang klagten. „Das müsste unterbunden werden“, sagt Wissing.

Für den Politiker geht es an diesem Abend darum, über den Sachstand bei Verkehrsprojekten zu berichten. Der Moselaufstieg ist an diesem Abend das Thema, das die meisten der rund 100 Zuhörer interessiert. Das ergibt die Umfrage von Moderator Thomas Vatheuer, der dann auch gleich vom Minister wissen möchte, wann denn die Verbindung zwischen der B 51 bei Konz und der A 64 bei Trierweiler gebaut wird. Wissing gibt die Frage an Edeltrud Bayer, Chefin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, weiter. Und die muss passen. Denn es könne aktuell seriös noch nicht gesagt werden, wann Baurecht vorliegt. Denn derzeit werden noch Gutachten erstellt und Unterlagen aktualisiert.

Dass die Straße besonders in Igel, Trierweiler und Trier-Zewen auf wenig Gegenliebe stößt, ist kein Geheimnis. Doch sind sich der Minister, der Oberbürgermeister und der Landrat einig, dass gebaut werden soll. Denn die Entscheidung dafür habe der Bundestag in einem demokratischen Prozess gefasst. Es sei nicht Aufgabe der Landespolitik, das Votum des Bundes, der für die Projekte auch zahlt, infrage zu stellen.

Landrat Schartz skizziert in diesem Zusammenhang eine Idee, die den Igelern, den Zewenern und auch den Wasserbilligern helfen könnte. „Man könnte nach der Fertigstellung des Moselaufstiegs die B 49 in Igel zu einer Kreisstraße herabstufen.“ Dann würde der Landkreis Trier-Saarburg die Ortsdurchfahrt so herrichten, dass der Durchgangsverkehr draußen bleibt.

Und wenn bei der neuen Straße von der B 51 zur A 64 noch keine Umsetzungsdaten genannt werden, so ist beim Projekt Biewerbachtalbrücke Land in Sicht. Referent Klaus Noll aus dem Verkehrsministerium rechnet mit Baurecht in zwei bis zweieinhalb Jahren. Anschließend könnte die Brücke verbreitert werden. Damit würde ein Zustand beseitigt, der Landrat Schartz „an die Autobahnen in der DDR kurz nach der Wende“ erinnert. Die Planungen für die Ortsumgehungen Trier-Zewen und Ayl sollen Ende 2019/Anfang 2020 beginnen. 2021 werde laut Minister Volker Wissing zudem der fehlende rheinland-pfälzische Teil der A 1 in der Eifel planfestgestellt sein. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt der Bund Planung und Bau von Autobahnen. Bisher ist dafür der Landesbetrieb Mobilität zuständig.

Ende 2021 – so der aktuelle Sachstand – sollen  zudem die ersten Personenzüge über die Weststrecke zwischen Trier-Ehrang und Zewen fahren. Derzeit laufen die Genehmigungsverfahren. Laut Oberbürgermeister Leibe seien die Züge schon gekauft. Er geht davon aus, dass vor allem die westlichen Stadtteile von den neuen Haltepunkten profitieren. „Nach der Weststrecke kommt dann die Oststrecke dran.“ Denn auch zwischen Trier-Nord und Feyen sollen mehrere Haltepunkte gebaut werden. Unter anderem im Bereich des neuen Energieparks in Trier-Kürenz. Wolfram Leibe spricht als mögliche Kunden von mehreren Hundert Mitarbeitern auf dem derzeit entstehenden Gelände und den zahlreichen Auszubildenden, die das Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer besuchen.

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