Der neue Bahnsteig kommt - und dann?

Der neue Bahnsteig kommt - und dann?

Die Sanierung des Haltepunkts Konz-Karthaus soll 2019 beginnen. Eine entscheidende Frage ist aber noch offen.

Konz-Karthaus/Wiltingen Das Konzer Bahnhofsgebäude wird endlich saniert, um darin einen Gastronomiebetrieb anzusiedeln. Im Anschluss an die Projektvorstellung vor zwei Wochen kam vermehrt die Frage auf, was mit manch anderem Bahnhof in der Verbandsgemeinde (VG) passieren wird. Sowohl die Standorte in Karthaus als auch in Wiltingen sind - zusammen mit 50 anderen Bahnhöfen in Rheinland-Pfalz - für einen Ausbau vorgesehen. Dies ist in einer Rahmenvereinbarung der Bahn mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr und der Landesregierung festgehalten. Der aktuelle Förderzeitraum endet 2019 - noch ist allerdings nichts passiert. Der TV hat nachgehakt.

Bahnhof Wiltingen In Wiltingen sollen die Arbeiten im Frühjahr 2018 beginnen, wie Michael Naunheim, Sprecher der Stadt und VG Konz, auf TV-Anfrage mitteilt. Sowohl die Bahnsteige selbst als auch die Zugangswege sollen saniert werden. Die jeweiligen Förderanträge seien für den Haltepunkt von der Deutschen Bahn und für das Bahnhofsumfeld von der VG Konz gestellt worden. Die Bahnsteige sollen laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn neu gebaut und mit behindertengerechten Rampen versehen werden. Außerdem wird eine neue Beleuchtung installiert. Investiert werden insgesamt zwei Millionen Euro. Der Abschluss der Maßnahmen werde voraussichtlich Anfang 2019 erfolgen.Was mit dem Bahnhofsgebäude selbst passieren soll, ist weder der Deutschen Bahn noch der Verwaltung bekannt. Denn die Immobilien in Wiltingen und Karthaus sind Eigentum von Privatinvestoren. "Über deren Absichten in Bezug auf Nutzungskonzept, Sanierungszeiträume et cetera haben wir keine Informationen vorliegen", so Naunheim.

Bahnhof Karthaus Der Karthäuser Bahnhof ging bereits 2012 bei einer Auktion für ein Mindestgebot von 15 000 Euro an einen Luxemburger. Dieser hatte gemeinsam mit dem Architekturbüro Weltzel, Hardt und Partner angefangen zu planen, was mit dem Gebäude passieren soll. Verschiedene Nutzungskonzepte - vom Studentenwohnheim bis hin zum Handwerkerzentrum oder zu Büroflächen - waren bereits im Gespräch. Außerdem befand sich der Luxemburger, der das Gebäude ersteigert hatte, in Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und hatte einen Antrag zum Kauf eines Nebengebäudes gestellt. Es sollte noch geprüft werden, ob die Bahn das Gebäude verkaufen wollte. Darin war noch Technik untergebracht. "Zum Nebengebäude laufen derzeit keine konkreten Aktivitäten", teilt die Deutsche Bahn nun mit. Auch das beauftragte Architekturbüro hat keine Neuigkeiten in Bezug auf das Bahnhofsgebäude: "Das Thema schlummert bei uns in der Schublade", sagt Jörg Cartus, Partner des Trierer Architekturbüros. "Wir warten auf einen Zuruf des Bauherrn." Wer dieser Bauherr ist, will das Architekturbüro nicht preisgeben.Nach dem letzten Stand, über den die Verwaltung informiert ist, können die Architekten auf einen Zuruf noch länger waren. "Solange der Haltepunkt nicht hergestellt ist, wird der Investor vermutlich nicht tätig werden", sagt Naunheim. Die Station soll ab Sommer 2019 modernisiert werden. Laut Auskunft der Deutschen Bahn werden die Bahnsteige neu gebaut und ein Haus errichtet, das Fahrgäste und Wartende vor Wind und Wetter schützen soll. Dafür wird die jetzige Bahnsteigüberdachung entfernt. Auch eine neue Beleuchtungsanlage und eine moderne Bahnsteigausstattung stehen auf dem Plan. Die größte Veränderung betrifft den Zugang zu den hinteren Gleisen. Statt wie bisher über eine Unterführung sollen die Bahnfahrer in Zukunft über eine Fußgängerüberführung inklusive Treppen zu den Zügen gelangen. Ein barrierefreier Zugang mit Aufzügen oder Rampen wie in Wiltingen ist nicht vorgesehen. "Im näheren Umkreis sind die Bahnhöfe Kreuz-Konz und Konz barrierefrei zugänglich", sagt eine Bahnsprecherin auf TV-Anfrage. Wenn es nach dem Unternehmen geht, sollen gehbehinderte Menschen also auf die nächstgelegenen Bahnhöfe ausweichen. Diese Planungen stießen bereits auf Kritik. Quartiersmanager Dominik Schnith machte deutlich, dass es im Bahnhofsumfeld durchaus Menschen gebe, die auf Barrierefreiheit angewiesen seien. Denn in direkter Nachbarschaft befindet sich zum Beispiel das DRK-Altenzentrum. Trotz des Protests seitens der Bürger und einer Unterschriftenaktion wurden die Pläne bislang nicht geändert. "Die Nachrüstung der Station Karthaus mit Aufzügen ist aber jederzeit möglich", heißt es vonseiten des Konzerns.Knapp sechs Millionen Euro sollen in die Sanierung des Karthäuser Bahnhofs fließen. Die Arbeiten werden nach aktuellem Planungsstand der Deutschen Bahn voraussichtlich 2020 abgeschlossen. Die mit Graffitis zugesprühten Bahnsteige und die schummerige Unterführung werden dann der Vergangenheit angehören. Und vielleicht gibt es bis dahin auch ein Konzept zur Nutzung des denkmalgeschützten Gründerzeitbaus, der langsam verfällt.KommentarMeinung

Barrierefreiheit FehlanzeigeDie Sanierung der beiden Bahnhöfe verzögert sich massiv. Anfang 2016 hieß es, dass die Arbeiten in Karthaus 2017 beginnen würden. Passiert ist bisher nichts. Das ist aber gar nicht das Hauptproblem. Viel tragischer ist, dass keine Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den Bahnhof barrierefrei zu gestalten. Gerade körperlich behinderte Menschen sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Diese an weiter entfernte Stationen zu verweisen, widerspricht dem Inklusionsgedanken. Ein weiteres Problem: Nach der Erneuerung sind zwar die Bahnsteige schön hergerichtet, nicht aber die Fassaden, hinter denen sie verborgen sind. Hier sind die Investoren gefragt. n.hartl@volksfreund.de