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Der Nussbaum ist gefällt, die Nachbarn sind sauer

Der Nussbaum ist gefällt, die Nachbarn sind sauer

Ein Hausbesitzer hat im historischen Ortskern von Konz einen 70 Jahre alten Nussbaum gefällt. Seine Nachbarn sind sauer und überrascht. Der städtische Bauausschuss hatte von einer Immobiliengesellschaft, die das Grundstück kaufen und neu bebauen wollte, gefordert, dass der Baum erhalten wird.

Konz. Rita Palone ist schockiert. Ihr Nachbar hat am Montag einen etwa 70 Jahre alten Nussbaum gefällt, der das Straßenbild im Tränkweg geprägt hat. Jetzt ist die Nachbarschaft in Aufruhr. "Da kommt man von der Arbeit heim und dann so etwas", sagt Rita Palone.
Gemeinsam mit ihrem Mann Marcello und ein paar Nachbarn beobachtet sie von ihrem Balkon aus, wie die Überreste des großen Baumes vom Tränkweg weggeräumt werden. "Wir sind extrem empört, dass der Baum hier in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach gefällt wird", sagt Rita Palone. Mit dem Baum geht für die Palones ein Stück Idylle verloren.
Die Palones sind so überrascht, weil sich zuvor der städtische Bauausschuss für die Erhaltung des Baumes ausgesprochen hatte.
Der Baum des Anstoßes stand im Garten eines ehemals denkmalgeschützten Bauernhauses, Baujahr 1840, in der Olkstraße 3. Der Denkmalschutz wurde 2010 aufgehoben, nachdem bei einer Besichtigung der schlechte Zustand des Gebäudes klar wurde. Das Gebäude darf jetzt abgerissen, das Grundstück neu bebaut werden. Für das Grundstück liegt der Verbandsgemeindeverwaltung auch eine Bauvoranfrage der Unternehmensgruppe Gilbers & Baasch aus Trier vor. Das bestätigte Guido Felten, der bei dem Unternehmen für den Wohnbaubereich zuständig ist.
Gilbers & Baasch habe in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung geplant, das alte Haus abzureißen und das Grundstück mit höchstens drei Wohnhäusern zu bebauen. Laut den Plänen sollte der Baum stehen bleiben, sagt Felten. So habe es der Bauausschuss gefordert. Das habe sein Unternehmen dem jetzigen Eigentümer mündlich mitgeteilt. Weil der Eigentümer mehr Geld für das Grundstück verlangt habe, als das Unternehmen zu zahlen bereit gewesen sei, seien die Pläne wieder verworfen worden, sagt Felten. Er habe von der Forderung, den Baum zu erhalten, nichts gewusst, sagt hingegen der Grundstückseigentümer. Der Baum sei krank gewesen, deswegen habe er ihn gefällt. Dazu hatte er als Eigentümer das Recht. Schließlich wurde nicht ihm, sondern Gilbers & Baasch die Auflage gemacht. Eine Strafe droht ihm nicht. Denn die Verbandsgemeinde Konz hat im Gegensatz zu anderen Kommunen keine Baumschutzsatzung, mit der geregelt wird, wann welche Bäume gefällt werden dürfen.
Allerdings beschweren sich die Nachbarn auch darüber, wie der Baum gefällt wurde. "Das war richtig gefährlich", sagt Anja Bartholome. Die Stelle sei nicht abgesichert gewesen. Beim Fällen ist die Dachrinne des Hauses, in dem Bartholome wohnt, beschädigt worden. Etwa 80 Zentimeter der Rinne hat der fallende Baum heruntergerissen. Bartholomes Vermieter, Karlhans Becker, ist darüber erbost: "Der Schaden muss jetzt ersetzt werden."
Das Konzer Wohnungsunternehmen Samok-Bau bestätigte auf TV-Anfrage, dass es ebenfalls mit dem Eigentümer Kontakt gehabt habe. Die Nachbarin Ellie Faber, Mutter von Rita Palone, befürchtet nun, dass ein modernes Miethaus auf dem Grundstück entsteht. "Die Olkstraße und der Tränkweg sind die letzten Reste von Alt-Konz", sagt die 79-Jährige. "Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig." Sie blickt traurig auf das Geschehen im Tränkweg. Mit dem Nussbaum sei ein weiterer Teil des historischen Konz zerstört worden. cmk