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Geschichte: Der Ort, an dem in Konz die Kaiser residierten

Geschichte : Der Ort, an dem in Konz die Kaiser residierten

In der römischen Kaiservilla verbrachten Machthaber vor rund 1700 Jahren die Sommermonate. Sogar Gesetze wurden im Prachtbau unterzeichnet.

Eine prächtige Residenz auf einer Anhöhe beherrschte im vierten Jahrhundert das Landschaftsbild, wo heute die Stadt Konz liegt. In den Sommermonaten residierten dort von 364 bis 388 die römischen Kaiser Valentinian I., Valentinian II., Gratian und Magnus Maximus. Aus ihrer Villa hinaus konnten sie den Blick auf die Saarmündung schweifen lassen. Diese Sicht wäre ihnen heute verwehrt: Erst kommen der inzwischen selbst denkmalgeschützte Bahnhof und dahinter ein Häusermeer.

Das Anwesen der römischen Regenten präsentierte sich standesgemäß mit großem marmorgetäfeltem Empfangssaal, Wandelhalle, Innenhof, zahlreichen Nebenräumen mit bunten Wandmalereien sowie einem Kalt- und einem Warmwasserbad. Zumindest in den zentralen Räumen sorgte an kalten Tagen eine Fußbodenheizung für angenehme Temperaturen. Auch der römische Dichter Ausonius war hier im Jahr 379 zu Gast. In seiner „Mosella“ beschreibt er den Bau als Kaiserresidenz, „an deren Fuße sich die Saar in die Mosel entwindet“. Und ein Name wird für das Anwesen genannt: „Contionacum“.

Nicht nur wegen dieser Aufzeichnung ist es erwiesen, dass in Contionacum – alias Konz – vor rund 1700 Jahren die römischen Kaiser residierten. Auch die administrative Arbeit von Valentinian I. hinterließ Spuren. In den alten Aufzeichnungen befinden sich fünf von ihm im Jahr 371 erlassene Kaisergesetze, die nach römischem Amtsbrauch alle mit Ort und Datum gekennzeichnet wurden. Drei Edikte unterzeichnete Valentinian I. am nahen Hauptsitz in Trier, zweimal setzte er 371 in Contionacum die Unterschrift unter ein Pergament.

Dies und noch viel mehr kann man bei einer Ortsbegehung mit dem Trierer Historiker Lothar Schwinden erfahren. Der pensionierte Wissenschaftler des Rheinischen Landesmuseums führt eine Gruppe von rund 30 Interessierten durch die Reste der Villa, die rund um die heute Pfarrkirche St. Nikolaus zu finden sind.

Die meisten Teilnehmer des Rundgangs verfügen über ein profundes Fachwissen. Daher erwarten sie hier keine großartigen Reste der Antike. Tatsächlich ist nicht viel von der alten Kaiserresidenz erhalten geblieben. Bis 1959 erinnerten noch Fundamente und Mauern an die zentralen Haupträume des Anwesens. Dann wurden sie beim Bau der Kirche freigelegt und den Rest besorgte der Bagger. Zuvor musste auch die alte Kirche aus dem Jahr 1873 weichen, die sich in der Architektur an die Trierer Basilika anlehnte.

Sie lag seitlich zur heutigen Kirche und hatte laut Schwinden „auf die Römerbauten Rücksicht genommen“. Immerhin konnten die Funde vor Beginn der Bauarbeiten genau dokumentiert und analysiert werden. „Die große Vorarbeit hat damals der bekannte Trierer Bauhistoriker Adolf Neyses geleistet“, sagt Schwinden und meint mit ironischem Blick auf die Architektur von St. Nikolaus: „Sünden sind hier viele begangen worden. Aber dafür ist da ja auch ein Beichtstuhl vorhanden.“ Einwurf einer Teilnehmerin: „Ich bin aber evangelisch...“

Noch vorhanden sind unterhalb der Westseite der Kirche Grundmauerreste des zentralen Empfangsbereichs. Die Mauern sind mit 1,10 Metern Breite ungewöhnlich massiv, was Schwinden als Hinweis auf einen hohen Bau darüber deutet. Auch unter den Fundamenten der Kirche sind noch begehbare Relikte der einstigen Heizungsanlage zu sehen. Der Zutritt ist aber nur mit angemeldeten Führungen möglich. Die Räume sind eng, nur das Feuerloch an der Stirnseite erinnert an ihren Zweck. Früh gerettet wurden die Reste des Kaltwasserbades, die unterhalb des Kirchturms unübersehbar in den benachbarten Friedhof ragen. Im Jahr 1840, so ist zu erfahren, hatte die Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen die Gebäudereste erworben und vor dem weiteren Verfall gerettet. Heute sorgt das Landesmuseum für den Erhalt. Für Schwinden spielte dieser Verein eine wesentliche Rolle bei der Entdeckung und Sicherung der antiken Hinterlassenschaften. „Ohne die Gesellschaft wären heute die meisten römischen Denkmäler in Trier und Umgebung verschwunden. Man hätte sie einfach abgebaut“, sagt der Experte.