Der Pennäler, der als Pauker wiederkam

Der Pennäler, der als Pauker wiederkam

Ein komplettes Schüler- und Lehrerleben am gleichen Bildungsinstitut. Es gibt nicht viele Menschen, die diesen Weg am Gymnasium Hermeskeil, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, gegangen sind. Einer von ihnen ist Thomas Helebrant. Der Angehörige des ersten Abitur-Jahrgangs (1965) ist quasi der "Vorsitzende des Ältestenrats" einer ganz besonderen Spezies von Schülern, die an ihrer Schule zu Lehrpersonen mutierten. Helebrant tat dies bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren.

Hermeskeil. Als Thomas Helebrant als junger Steppke 1957 am neusprachlichen Gymnasium Hermeskeil seine Schüler-Lehrer-Karriere begann, hieß der Bundeskanzler noch Konrad Adenauer. Die Russen hatten gerade die Hündin Laika als erstes Lebewesen im Sputnik in den Weltraum geschossen und die junge Wirtschaftswunder-Republik versank in einer Subkultur aus Nierentischen, Petticoats und Toast Hawaii à la Clemens Wilmenrod.
Keine Kumpanei


Als er - unterbrochen von ein paar Studiensemestern in Saarbrücken - 53 Jahre später die Tür in der Borwiesenstraße zum letzten Mal hinter sich zuzog, war der Ur-Grüne Joschka Fischer bereits Polit-Rentner.
Betuchte Milliardäre sonnten sich im exklusiven Glanz des Weltraum-Tourismus und im TV-Küchenfernsehen schlugen uns Lichter, Lafer und Konsorten auf den Magen.
Länger als ein halbes Jahrhundert an der gleichen Schule! Von der prä-pubertären Trotzphase bis zum in Amt und Würde entlassenen Oberstudienrat. Wie haben beide das ausgehalten? Die Bildungsanstalt und der Pennäler, der zum Pauker im gleichen Haus wurde?
"Ich wollte von Anfang an diese Schule zurückkommen. Das war damals auch kein so großes Problem, weil ich Fürsprecher hatte", erzählt der heute 67-Jährige, als er sich dieser Tage mit dem TV zum Gespräch trifft.
Geografie und Biologie hatte er in Saarbrücken studiert, in beiden Fächern unterrichtete er später in Hermeskeil auch Hochwälder Schulklassen. Wie viele Schüler es in dieser langen Zeit wohl gewesen sein mögen? Helebrant überlegt lange. "Einigen wir uns einfach auf Tausende." Nicht aus jedem Absolventen des Gymnasiums Hermeskeil ist eben ein Mathematik-Genie geworden.
Der "Döschewo" gehörte dazu


Das Einvernehmen des jungen Lehrers Thomas Helebrant mit seinen neuen, alten Kollegen, die ihn teilweise noch selbst unterrichtet hatten, war von Beginn an einvernehmlich. Keine Kumpanei, aber pädagogisch und als Gleichberechtigter auf Augenhöhe." Was ihm wichtig war in all diesen langen Jahren? "Ich wollte immer Begleiter und Ansprechperson für die Schüler, aber auch für ihre Eltern sein." Eine Art älterer Partner mit Lebenserfahrung, aber kein Pauker im klassischen Sinne. Wissen eintrichtern, Erdzeitalter oder die Geheimnisse der Fotosynthese in die Synapsen der Jungen und Mädchen hineinquetschen, das war nicht sein Ding.
An ganz persönlichem "Draht" mangelte es ihm auch deshalb nicht, weil er eine öffentliche Person war, zum Stadtbild gehörte. "Hele" spielte Fußball beim SV Hermeskeil, war auf den Dörfern bekannt. So manchem Schüler war es vergönnt, mit seinem "Bio-Lehrer" abends im Training oder im Punktespiel noch gemeinsam auf dem Fußballplatz zu stehen. Sein legendärer "Döschewo" (Citroën 2CV) mit phänomenalen 16,5 PS war zu beider Glanzzeit ein fester Bestandteil des hiesigen Straßenverkehrs.
Lose Kontakte


Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist nach diesem halben Jahrhundert? "Bei allen Lösungen, die in so vielen verschiedenartigen Fällen gefunden werden mussten, war unser Gymnasium doch nie eine Problemschule im heutigen Sinne. Es war ein Miteinander und kein Gegeneinander. " Vielleicht auch eine "Gnade des Standortes".
Auch drei Jahre nach seinem Abschied hat Thomas Helebrant noch lose Kontakte zu "seiner" Schule. "Wenn die Schulband spielt, oder bei ähnlichen Anlässen". Ansonsten hält er es lieber mit seiner eigenen Maxime: "Es hat mir früher schon nicht gepasst, wenn die Pensionäre dauernd in der Tür standen."Extra

Folgende Personen haben ebenfalls ihre komplette Gymnasialzeit bis zum Abitur in Hermeskeil verbracht und wirken oder wirkten dort heute noch als Lehrer/innen: Annette Becker, Désirée Düpre, Stefan Butterbach, Ulrich Jansen, Mario Düpre, Hermann Schrenk, Konrad Webel. jüb

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