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Der Politische Salon in Konz hat sich mit der Zukunft der Altersvorsorge beschäftigt.

Politisches Salon Konz : Von wegen Schlaraffenland

Der Politische Salon in Konz hat sich mit der Zukunft der Altersvorsorge beschäftigt. Der Referent hat dabei auch das deutsche Rentensystem mit dem der Nachbarn verglichen.

Seit der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) 1986 den Satz „Die Rente ist sicher!“ plakatieren ließ, wird über die Zukunft der Rentenversicherung diskutiert. Auch heute, nach zahlreichen Reformen, Ergänzungen und politischen Debatten, stellt sich die Frage nach der Zukunft der deutschen Sozialversicherung mit dem Kernstück Rente immer wieder neu.

Die Rente und ihre Zukunft hatte sich deshalb der Politische Salon Konz als Thema ausgesucht. Zum Thema Rente hatte er eine kompetente Auskunftsperson eingeladen. Armin Kistemann ist Leiter der Leistungsabteilung bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz in Speyer und damit für die Beratung, Bearbeitung der Rentenanträge und die Auszahlung der Renten zuständig. Der Mann vom Fach stellte in einem kurzweiligen Vortrag die drei Prinzipien Versicherung, Äquivalenz und Solidarität vor, auf denen die staatliche Rentenversicherung fußt. Darüber hinaus erläuterte er, wie mittels der „Stellschrauben“ Beitragssatz, Rentenbezugsdauer und Rentenniveau auf demografische Entwicklungen, politische Vorgaben und Zukunftssicherung reagiert wird.

Man erfuhr, dass die durchschnittliche Altersrente im Kreis Trier-Saarburg bei rund 790 Euro liegt, dass Männer im Schnitt 1111 Euro und Frauen 554 Euro Rente erhalten, und dass die deutlich niedrigere Renten der Frauen in der Regel durch die geringere Erwerbstätigkeit und ihre oft auch niedrigeren Einkünfte begründet sind.

Und obwohl die Renten für rund 75 Prozent der Einkünfte im Alter sorgen, gibt es doch zahlreiche weitere Quellen, aus denen Senioren weitere Erträge haben. Dazu gehören Beamtenpensionen, Erbschaften, Betriebsrenten und Einkünfte aus Kapitalvermögen.

Die demografische Entwicklung, also der steigende Anteil der Rentenbezieher an der Gesamtbevölkerung, aber auch die erhebliche Verlängerung der Rentenbezugszeit durch eine längere Lebenserwartung, würden eine ständige Nachjustierung notwendig machen, erläuterte Rentenversicherungsexperte Kistemann. So hätten im Jahr 1960 die Rentner durchschnittlich zehn Jahre lang eine Altersrente bezogen. Im Jahr 2000 sei dieser Zeitraum schon auf rund 15 Jahre angestiegen. Heute könnten Rentner mit 20 Jahren Rentenbezug rechnen. Bezahlten 1980 vier Beitragszahler die Rente eines einzelnen Altersrentners, wären dies heute nur noch drei Personen. Und, so die Prognose, im Jahr 2050 müssten sogar nur zwei sozialversicherungspflichtig Beschäftigte die Rente eines Senioren aufbringen.

In der auf den Vortrag folgenden Diskussion kamen die Beteiligten  schnell auf den Punkt, dass Vollbeschäftigung und hohe Gehälter die beste Voraussetzung wären, die Zukunft der Rentenversicherung zu sichern.

Man verglich die verschiedenen Rentensysteme in Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden und stellte fest, dass im vermeintlichen „Schlaraffenland“ Luxemburg die höheren Renten mit deutlich höheren staatlichen Zuschüssen (Steuergeldern) zur Rentenversicherung „erkauft“ würden. Zudem wurde deutlich, dass der Beitragssatz in Österreich bei mehr als 22 Prozent liegen würde, in Deutschland dagegen bei knapp 19 Prozent.

Selina Dahler, unter den 15 Besuchern der Diskussionsveranstaltung die einzige junge Teilnehmerin, freute sich, dass sie dank der Veranstaltung in den Dialog mit Fachleuten und Senioren kam. „Wen betrifft denn die Zukunft der Rentenversicherung?“, fragte sie – und gab die Antwort gleich selbst: „Meine Generation.“

Die nächste Diskussionsrunde im Rahmen des Politischen Salons Konz findet Mitte Mai statt, dann zum Thema „Fake News“, also gefälschten Nachrichten. Die Gruppe will weiterhin im Drei-Monats-Rhythmus Veranstaltungen anbieten.