Der Ritter aus Reinsfeld

REINSFELD. Im wirklichen Leben heißt er Herbert Pütz und wohnt in Reinsfeld. Bekannter ist er jedoch als Richard von Kimbelstein. Denn bei vielen Gelegenheiten mimt der 43-Jährige diesen Ritter ohne Furcht und Tadel, der hoch zu Ross über die Lande zieht.

Kim und Kimbelstein: Wo dieses Gespann auch auftaucht - bei der Sommerfreizeit des Trierer "Clubs Aktiv", beim Grundschulfest in Olewig oder zuletzt beim Jugendzeltlager des TuS Reinsfeld - neugierige Blicke sind ihm gewiss. Schließlich sieht man als Kind im Zeitalter von Computer und Co einen Ritter mit Streitross nicht alle Tage. Hinter der Rüstung steckt Richard von Kimbelstein, pardon Herbert Pütz aus Reinsfeld. "Ich mache das jetzt schon seit sieben Jahren. Wenn jemand um Hilfe ruft, dann eile ich hin", sagt der 43-Jährige. Pütz geht es wie vielen: Fasziniert hat ihn das Mittelalter schon als junger Bub, "nämlich als ich zum ersten Mal Prinz Eisenherz gelesen habe".Vom Motorrad aufs Streitross

Zunächst deutete allerdings noch nichts auf eine spätere Karriere als Ritter hin. Der auf der Schwäbischen Alb geborene Pütz arbeitete als Maurer und trieb in seiner Freizeit Kampfsport oder fuhr Motocross. Dann erlitt er aber einen Bandscheibenvorfall, er musste seinen Beruf und seine bisherigen Hobbies aufgeben. "Mein Arzt hat aber gesagt, dass ich noch Reiten könnte. Also habe ich mir Pferde angeschafft und gedacht: Jetzt könnte ich mich auch als Ritter verdingen", erinnert sich Pütz. Also wurde der Reinsfelder, der seit 1989 im Hochwaldort wohnt, Lehnsritter des Trierer Recken Gilbert Haufs-Brusberg, der seinerseits als Graf von Veldenz auftritt. Erst etwas später stellte sich jedoch heraus, dass Pütz' ursprünglicher Rittername "Anton von Fordern" nicht so recht passen wollte. Wenn seine Kollegen aus der Rittergilde nämlich Kontakt zu ihm aufnehmen wollten, war es immer wieder das Gleiche: Pütz war schwierig zu erreichen und kaum zu greifen. "Da sie meinten, ich sei ständig auf der Flucht, haben sie meinen Namen umgeändert", erzählt Richard von Kimbelstein - man beachte die Ähnlichkeiten zum Helden der bekannten Fernsehserie "Auf der Flucht" - lachend. Sicher, es gebe schon so manchen, der behaupte, er habe einen Spleen", räumt der Vater einer 15-jährigen Tochter unumwunden ein. Erstens mache es ihm aber "richtig Spaß", als unerschrockener Ritter über die Lande zu ziehen. Und zweitens stehen die alten Rittersleut für ihn noch für Tugenden, "die ich auch hochzuhalten versuche, wenn ich meine Rüstung ausgezogen habe". Treue, Glaube oder ein Versprechen einhalten - das sind Werte, die über seine Rolle hinaus für ihn auch im alltäglichen Leben sehr wichtig sind, "mittlerweile aber leider sehr oft untergehen", sagt Pütz, der derzeit am Trierer Balthasar-Neumann-Technikum an seinem Abschluss als Bautechniker bastelt. Deshalb kommt Richard von Kimbelstein nicht nur bei den vielen Mittelalter-Märkten, die es landauf, landab immer häufiger gibt, mit Kim angeritten. "Am liebsten arbeite ich mit Kindern zusammen und zeige ihnen, wie man selbst ein Kettenhemd flechtet oder Feuer macht. Wenn dann ihre Augen strahlen, ist das einfach toll." Weil Pütz sich selbst als "hilfsbereiten" Ritter bezeichnet, hat er sich für die Reinsfelder Kinder etwas Besonderes ausgedacht. Für sie will er den "Kimbel-Preis" aussetzen. Belohnt werden soll damit der Junge oder das Mädchen, das in der Hexennacht die beste Tat vollbringt und etwas wieder instand setzt anstatt - wie bei dieser Gelegenheit üblich - Dinge kaputt zu machen. "Schön wäre es, wenn mich die Gemeinde oder Geschäftsleute dabei unterstützen würden", wirbt Pütz für seine Idee. Allerdings: Bis zur Hexennacht ist es noch lange hin, während sein nächster Auftritt bereits unmittelbar bevorsteht. Denn wenn sich am Wochenende die Kinder aus der Verbandsgemeinde beim Ferienspaß treffen (siehe unten stehenden Bericht), dann wird sich auch Richard von Kimbelstein auf den Weg machen und die "kleinen Ritter auf der Grimburg" treffen.

Mehr von Volksfreund