Der Rosen-Krieg kennt keine Kinder

Der Rosen-Krieg kennt keine Kinder

HERMESKEIL. Richter, Psychologen, Jugendpfleger und Anwälte arbeiten in Hermeskeil seit einem Jahr zusammen. Sie schaffen einen Rahmen, damit "Rosenkrieger" wieder miteinander ins Gespräch kommen, Entscheidungen selbstständig treffen und der Blick auf das Wohl der Kinder wieder frei wird.

Barbara (Kathleen Turner) will sich von Oliver (Michael Douglas) trennen. Keiner will nachgeben - das Ende ist tragisch. Der Film "Rosenkrieg" aus den 80er-Jahren verdeutlicht, was passieren kann, wenn Konflikte sich verhärten und Kommunikation nicht mehr möglich ist. Häufig geraten Kinder in das Feuer eines Rosenkrieges. Seit einigen Jahren gibt es den Arbeitskreis Trennung-Scheidung, der offen ist für alle Berufe, dem Psychologen ebenso wie Familienrichter angehören - kurz, alle, die mit diesem Bereich zu tun haben. "Wir lernen voneinander", sagt Helmut Mencher, Direktor des Amtsgerichts Hermeskeil. Die Treffen zeigen Wirkung: Seit einem Jahr bietet Helmut Mencher Eltern, die zur Anhörung ins Amtsgericht Hermeskeil kommen, einen Termin in der Erziehungs- und Lebensberatungsstelle Hermeskeil an. "Bei der Terminvereinbarung werden keine Details genannt, der Datenschutz bleibt gewahrt", betont Mencher. Ziel ist, dass nicht der Richter, sondern die Eltern die Entscheidungen treffen. "Wir schaffen den Rahmen, damit Eltern wieder miteinander ins Gespräch kommen und den Blick auf das Wohl des Kindes richten", sagt Marita Krist, Leiterin der Hermeskeiler Beratungsstelle. Krist und ihre Kollegen bringen die Kinderperspektive, "die häufig unter dem Eifer des Rosenkrieges aus den Augen verloren wird", wieder ins Blickfeld. Manchmal werden - je nach Alter - die Kinder mit in die Beratung genommen. Sie haben die Möglichkeit, zu erzählen, was gut läuft und was Probleme macht. "Wir fragen nicht, willst du lieber zu Mama oder zu Papa. Die Eltern entscheiden", sagt Marita Krist. Das Ergebnis der Beratungen ist in der Regel sehr zufrieden stellend: Am Ende gibt es keine "Sieger-Verlierer-Geschichte", sondern Eltern, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wie zerstritten die Eltern sind und wie viel Kränkung auf der Paarebene passiert ist, bestimmt die Dauer der Beratung. "Manchmal reichen fünf Gespräche, manchmal kommen Paare ein ganzes Jahr, um die Elternebene zu klären", sagt Marita Krist. Auch mit Anwälten arbeitet die Lebensberatungsstelle Hermeskeil zusammen. "Sie weisen ihre Mandanten schon in der ersten Beratung daraufhin, dass Väter und Mütter sich außergerichtlich einigen können", hat die Psychologin beobachtet. Die Einleitung von gerichtlichen Schritten sei immer der letzte Schritt. Was wenig bekannt ist, ist die Tatsache, dass kein Anwaltszwang besteht, sondern dass Entscheidungen, die Eltern treffen, immer Vorrang haben. "Selbst getroffene Vereinbarungen, die schriftlich festgehalten werden können, werden auch meist besser eingehalten", sagt Marita Krist. Der Direktor des Amtsgerichts Hermeskeil ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen, "integrierte Mediation ist eine sehr gute Sache. Mediationen werden wissenschaftlich begleitet, um festzustellen, ob es sich gegenüber dem klassischen Verfahren rentiert." Rentabel ist das ins Gespräch Kommen auf alle Fälle - in erster Linie für die Kinder, die ein Recht auf den Umgang mit beiden Eltern haben.