Der Schuh als Datenzentrum

Ob Internet, Datenübermittlungen oder Speichermedien: Rainer O. Lange hatte in der modernen Entwicklung oft die Nase vorn. Seine Visionen weisen einen Weg zu einem noch umfassenderen Einsatz von Computern.

 Rainer O. Lange am Rednerpult in seinem Element. Foto: privat

Rainer O. Lange am Rednerpult in seinem Element. Foto: privat

Trier/Konz. 25 Jahre E-Mails in Deutschland: Dieser Tage feierte die Bundesrepublik das Jubiläum rund um den ersten Nachrichten-Versand von einem zum anderen Computer (der TV berichtete). "Jahre zuvor haben wir bei Hewlett Packard in Deutschland innerhalb des Konzerns schon E-Mails verschickt", erzählt der Rainer O. Lange, Internet-Pionier aus Konz mit Trierer Wurzeln. Dieser Versand allerdings habe in einem Netz stattgefunden, das anders funktionierte als die heutige Internet-Technologie.

Seit den 70er Jahren beschäftigt sich der Physiker mit der Faszination Computer und Datenübermittlung. Schon während des Studiums arbeitet er bei der Firma Hewlett-Packard, ist später ein Teil des Teams, das die Software und Dokumentation für die ersten programmierbaren Taschenrechner entwickelt.

"1979 brachte ich den Apple-Computer nach Europa", erzählt der 61-Jährige. Damals hatte er seine Firma Novocomp in Trier gegründet, nach eigenen Angaben "das erste europäische Unternehmen, das sich dem Thema Personal Computer gewidmet hat". Weitere Unternehmen in Saarbrücken und Kalifornien folgen.

Auch in anderen Bereichen sei Lange bei den ersten Entwicklungen dabei gewesen. Zum Beispiel beim Thema "LAN, Local Area Network". Damals, 1984, gehörte Lange zu den Hauptakteuren, als erstmals die Vernetzung von Personal Computern mit unterschiedlichen Betriebssystemen an der Universität von San Diego vorgestellt worden ist. Auch bei der Entwicklung von Massenspeichermedien in Form von Disketten und Festplatten sowie Netzwerkkameras war er ein Trendsetter und stets "an vorderster Front".

Das Thema Vernetzung begleitete Lange über Jahre hinweg. 1994 sorgte er für den Anschluss der Trierer Hochschulen ans Internet - per Richtfunk. 1996 stellte er dem Apple-Gründer und alten Bekannten aus Hewlett-Packard-Zeiten, Steve Wozniak, die erste Internet-Seite der Stadt Trier "trier-online.de" vor. Es waren und es bleiben Visionen, die Rainer O. Lange im Leben begleiten. Und wie sehen seine Zukunftsvisionen aus? "Der Schuh ist ein Datenzentrum der Zukunft", sagt er. Im Absatz gebe es ein Totvolumen, das für einen integrierten Mikroprozessor Platz biete. Durch die Bewegung des Fußes könne benötigter Strom erzeugt werden. Und weil ein Schuh in aller Regel nicht weiter als zwei Meter von den Geräten entfernt sei, die der Benutzer in der Hand hält, wäre auch eine Datenübertragung per Bluetooth und Nachfolgern möglich. Das "PAN, Personal Area Network" wäre auf dem Vormarsch.

Im Jahre 2025 etwa entstünden neue Formen der Intelligenz und der Kommunikation. Das Autoradio gebe beispielsweise einen Hinweis, dass der Fahrer in 300 Metern rechts abfahren müsse, um zum Supermarkt zu gelangen, der die Kaffeesahne im Angebot hat, die derzeit im Kühlschrank zu Hause zur Neige geht. "Es wird eine Riesen-Menge an einfachen Informationen in Drahtlos-Netzwerken ausgetauscht", fasst Lange zusammen. Kleidung und unzählige Gegenstände des alltäglichen Lebens würden mit Chips ausgestattet sein, die die Umgebungswerte drahtlos untereinander weitergeben werden.

Und die Entwicklung gehe so weit, dass der Mensch die Nutzung von Computern als so selbstverständlich annimmt, dass er sie gar nicht mehr bewusst erkennt. Und doch, an eines glaubt Lange nicht: "Das haptische Erleben wird nicht substituiert werden können." Der Mensch müsse immer noch Dinge anfassen, riechen, mit den Sinnen wahrnehmen und sich mit anderen Menschen austauschen sowie soziale Kontakte pflegen.