Der Schutzengel der ABC-Schützen
Nittel · Agathe Klassen aus Nittel hat unzählige Kinder mit ihren Familien durch die Grundschulzeit begleitet. Nach fast 30 Jahren Tätigkeit als Schulsekretärin und Betreuerin der ABC-Schützen geht die temperamentvolle Frau am 31. August in den Ruhestand.
Nittel. Nach den Sommerferien beginnt für die Grundschule St. Marien in Nittel in zweierlei Hinsicht eine neue Zeitrechnung: Zum einen nimmt die Grundschule den Ganztagsbetrieb auf, zum anderen ist es das Jahr eins nach Agathe Klassen. Die Nittelerin ist seit Dezember 1982 als Schulsekretärin tätig und kennt seitdem alle Kinder, die die ersten Schuljahre in Nittel erlebt haben.
"Im Dezember 1980 habe ich erstmals als Vertretung im Sekretariat gearbeitet", erzählt die energische Frau mit der randlosen Brille. "Der damalige Schulleiter Günter Kohns stellte mich zum 1. Dezember 1982 mit sechs Bürostunden pro Woche ein." Das lastete die tatendurstige Frau jedoch nicht aus, und so übernahm sie die Schulbibliothek und etablierte schon bald eine erste Kinderbetreuung, die über die reine Schulzeit hinausging.
"Auch wenn der Ruf nach der Ganztagsschule erst in den letzen Jahren laut wurde - auch früher gab es schon berufstätige Mütter, die es nicht schafften, ihre Kinder bis 12 Uhr in der Schule abzuholen", erinnert sich Klassen. Für die Erst- und Zweitklässler übernahm sie daraufhin eine Betreuung zunächst bis 13 Uhr. "Dann war auch Unterrichtsschluss für die dritte und vierte Klassenstufe, und die Schule wurde abgeschlossen", sagt die Nittelerin.
War es anfangs noch schwierig, die Mindestzahl von acht Kindern zusammenzubekommen, um eine Betreuung anzubieten, tummelten sich in den letzten Jahren mehr als 20 Kinder aus allen vier Jahrgängen bis 14 Uhr unter Klassens Obhut.
"Wir haben gespielt, gebastelt und gelesen. Einige Kinder haben auch schon ihre Hausaufgaben gemacht. Alle sind immer gern gekommen", freut sich die 64-Jährige über ihr gutes Verhältnis zu der jungen Generation. Höhepunkt der Betreuung war, dass Agathe Klassen mit Unterstützung einiger Eltern zum Schuljahresabschluss eine Übernachtung in der Schule für ihre Betreuungsgruppe organisierte. "Da wurde gekocht, wir haben Nachtwanderungen gemacht und hatten jede Menge Spaß zusammen", blickt die tatkräftige Frau mit Wehmut in der Stimme zurück.
Die Bürotätigkeit machte Klassen quasi "nebenbei". Sie war für alle Nitteler immer ansprechbar. "Oft haben mich die Leute auch abends angerufen, wenn es ein Problem in der Schule gab", erzählt sie. "Ich habe praktisch für die Schule gelebt, manchmal auch zum Leidwesen meiner Familie." Ihr Einsatz für die Kinder führte so weit, dass der Lebensrhythmus zu Hause umgestellt wurde.
In den nächsten Monaten nach der Verrentung will sich Agathe Klassen erst einmal erholen. Die letzten zwei Jahre waren sehr anstrengend, "und auch gesundheitlich lief nicht alles immer gut". Durchschnaufen, die "Wehwehchen" auskurieren, Zeit für Freunde und Familie - damit fühlt sich Klassen in den nächsten Monaten gut ausgelastet. "Und wenn es dann mal wieder in den Urlaub geht, dann zum ersten Mal nach 40 Jahren nicht mehr in den Schulferien", sagt Klassen lächelnd. jbo