Der Traktor-Papst

NITTEL. (LH) Sammeln kann man die unmöglichsten Sachen: Der eine jagt ausgefallenen Telefonapparaten hinterher, andere können nicht genug Bierdeckel bekommen. Die Sammelstücke von Manfred Greif passen noch nicht mal in einen Hobbykeller. Um die vielen Exponate unterzustellen, musste er eine Halle bauen: Er sammelt Eicher-Traktoren.

Den "Puma" bändigte Manfred Greif (49) ebenso wie den "Leoparden". Und auch dem "Tiger" ging der Mann aus Nittel nicht aus dem Weg. Bei so vielen Raubtieren könnte man meinen, Manfred Greif sei Großwildjäger. Zwar stimmt es, dass sich Manfred Greif mit Leoparden beschäftigte, doch gemeint sind nicht vierbeinige Raubkatzen, sondern die Traktoren der "Raubtier-Reihe" der Firma Eicher. Das 1995 untergegangene Unternehmen aus der Nähe von München gab in den 60-er-Jahren seinen Traktoren Raubtiernamen. Später wurden weniger einfallsreiche Ziffern daraus. Traktoren bestimmten schon immer Manfred Greifs Leben. "Hier stehen die Buben", sagt Greif liebevoll und zeigt auf die guten Stücke. Bei so viel Enthusiasmus wundert es nicht, dass Greif bereits mit 16 einen Traktor sein Eigen nennen durfte: Der hatte 16 PS - "für jedes Lebensalter ein PS", scherzt er. Ein Teil des Kaufpreises von 1000 DM habe er von seinem Kommuniongeld beigesteuert, erzählt Greif stolz. Schon als Kind durfte er im elterlichen Betrieb einen Wesseler-Traktor "fahren", erzählt Greif. Verantwortung zu übernehmen ließ nicht lange auf sich warten im Leben des Vollerwerbs-Landwirts. "Mit 19 war ich mein eigener Herr" im landwirtschaftlichen Betrieb, den er von den Eltern übernommen hatte. Die Eicher-Traktoren faszinieren ihn wegen ihres eigentümlichen Klangs und auch weil es sich um einfache aber robuste Maschinen handelt. Der "Eicher Manni", so sein Spitzname unter Szene-Kennern, ist heute ein Begriff in der Trierer Region und darüber hinaus. Zum Traktortreffen in Kreuzweiler brachte der leidenschaftliche Sammler sage und schreibe 14 Trecker mit. Jeder war ein Eicher. Sonst sei er nicht so "verrückt" und verlade pro Treffen nur ein Gefährt auf den Tieflader. Dabei hat er die Qual der Wahl. Ehefrau Adelheid unterstützt ihn, und auch die Kinder Markus (21) und Marion (18) interessieren sich für das Hobby des Vaters. Beide haben schon eigene Traktoren. Mit der Zeit wurde Greif ein anerkannter Fachmann für Eicher-Trecker, so etwas wie ein "Eicher-Papst". Haben Sammler Probleme, hilft Greif schon mal aus. Lädierte Maschinen zerlegt er bis auf die letzte Schraube. Schadhafte Teile tauscht er aus. Entsprechend groß sein Ersatzteillager. Wieder gereinigt wird alles fein säuberlich zusammengebaut. Wie aus dem Ei gepellt sehen die Exponate aus. Hätten sie nicht den unverkennbaren Touch aus den 60-er Jahren, könnte man meinen, sie hätten gerade das Fabriktor verlassen.

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