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Ausstellung
Fotos vergessener Orte im Saarburger Amüseum

 Zeugnisse der Zeitgeschichte: Uli Schmidt zeigt Motive, die die Vergänglichkeit symbolisieren.
Zeugnisse der Zeitgeschichte: Uli Schmidt zeigt Motive, die die Vergänglichkeit symbolisieren. FOTO: Herbert Thormeyer
Saarburg. Der Trierer Uli Schmidt zeigt bis zum 9. Juni Fotos vergessener Orte im Saarburger Amüseum. Die einstige französische Kaserne in Beurig ist eins seiner Motive. Von Herbert Thormeyer

Für Uli Schmidt ist es eine Umstellung. „Auf meinen Bildern sind sonst immer Menschen zu sehen“, sagt der leidenschaftliche Fotograf, der dieser Kunstform seit seinem 14. Lebensjahr frönt. Aber Orte des Verfalls, die es teilweise schon jetzt nicht mehr gibt, hat er für die Ewigkeit festgehalten.Es sind keine Menschen auf den Bildern, aber es ist gut zu erkennen, dass hier einmal Menschen lebten.

Der 61-jährige studierte Biologe und Organisationsentwickler in großen Konzernen kann sich heute ganz dieser Kunstform widmen. 30 großformatige Fotos entstanden in der Region, darunter eines der ehemaligen Kasernen der Franzosen in Saarburg. Das Amüseum Saarburg präsentiert dieses besondere Werk des Trierers.

„Ich benutze gerne Festbrennweiten, denn Zoomobjektive machen faul“, sagt er dem TV. Einfach auf den Auslöser drücken und schauen, was dabei rauskommt, ist nicht sein Ding. Schmidt „atmet“ erst mal den Raum ein, in dem er steht. „Es riecht oft nach Schimmel, manchmal gibt es sogar Algen. Die Natur kommt durch Fensterritzen in den Raum gekrochen“, erzählt er.

 Welcher Blickwinkel der beste ist, wird durch Umhergehen erst deutlich. Die Ästhetik zu fühlen, manchmal mit erstaunlichen Farben, das muss erst ins Bewusstsein gerückt werden, bevor die Kamera aufgebaut und entschieden wird, wie das Licht „geführt“ wird. Ein respektloser Umgang oder gar Vandalismus geht gar nicht. Oft blättert Farbe von der Wand und gibt frühere Schichten des Daseins frei. Nicht nur das inzwischen marode Gebäude entschwindet dem kollektiven Gedächtnis. Auch Gegenstände wurden einfach liegen gelassen. Nichts wird vom Fotografen verändert. Die Bilder sind immer authentisch.

„Es ist manchmal nicht leicht, Zugang zu bekommen“, erklärt Schmidt. Manche Objekte gehören dem Staat, und der Fotograf muss einen vielseitigen Vertrag unterschreiben, ja bekommt sogar Aufpasser an die Seite gestellt.

„Diese Dokumente sind hochinteressant“, sagt der Saarburger Architekt Conny Bausch bei der Vernissage. Er erkennt in vielen Bildern Bauhaus-Architektur, die im Falle der Kasernen von seinen französischen Kollegen übernommen wurde: „Das ist die Farbigkeit und Formensprache einer ganzen Epoche.“ Das umzusetzen sei heute einfach nicht mehr möglich.

Eine besondere Freude machte der Fotokünstler dem ersten Beigeordneten Franz-Josef Reiter, der im Auftrag von Bürgermeister Jürgen Dixius zwei Grafiken in Empfang nahm. Ein französischer Soldat hatte 1640 eine Saarburger Stadtansicht an die Wand gezeichnet. Schmidt fotografierte sie ab.  „Diese Zeichnung bekommt einen Ehrenplatz“, versichert Reiter.

Das Amüseum am Wasserfall (Am Markt 9) ist telefonisch unter 06581/994642 erreichbar und präsentiert sich im Internet  unter www.amueseum-saarburg.de; geöffnet ist es montags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr.