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Der Wellener Gemeinderat schweigt

Der Wellener Gemeinderat schweigt

Die Wellener Gemeinderatsmitglieder weigern sich, zum Sonderbetriebsplan der Trie rer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) zur Einlagerung von Produktionsrückständen im Josef-Stollen Stellung zu beziehen. Ihr Vorwurf: In dem Schriftstück seien falsche Zahlen genannt worden.

Wellen. Sieben der zwölf anwesenden Mitglieder des Wellener Ortsgemeinderates wollten am Montag nicht, dass der Rat zum Antrag für den Sonderbetriebsplan der TKDZ eine Stellungnahme abgibt. Die TKDZ hatten zuvor beim Landesamt für Geologie und Bergbau beantragt, 50 000 Tonnen Produktionsüberhang pro Jahr im Josef-Stollen zwischenlagern zu dürfen. So könne das Material, bei dem es sich laut TKDZ-Geschäftsführer Winfried Meseke um Sand handelt, längere Zeit gelagert werden, ohne dass es wie bei den Staubhalden über Tage zu Immissionen kommt. Die TKDZ geht im Rahmen der Einlagerung von täglich 20 zusätzlichen LKW-Fahrten durch den Ort aus.

Prinzipiell ist laut dem scheidenden Ortsbürgermeister Herbert Huber (SPD) der Ortsgemeinderat für die Einlagerung der Rückstände in den Stollen, weil so die Staub-Immissionen reduziert werden können. Er sieht jedoch einen Haken: "Der Antrag muss für eine Stellungnahme wahrheitsgemäß sein." Die Zahlen stimmten nicht. Sonst habe die TKDZ immer von bis zu 30 Prozent Produktionsüberhang gesprochen. Das seien bei einer Jahresproduktion von 650 000 Tonnen Gestein mehr als 200 000 Tonnen Sand und Feinstaub - das Vierfache des im Antrag genannten Wertes. Daraus resultierten etwa doppelt so viele LKW-Fahrten, wie im Antrag beschrieben.

Meseke weist den Vorwurf, falsche Zahlen genannt zu haben, vehement zurück: "Wir decken die Karten auf. Nur die Produktion ist variabel." Hunderprozentig genaue Zahlen könne er nicht nennen. Ein Großteil des Überhangs - das seien zurzeit etwa 20 Prozent des abgebauten Materials - werde verkauft für den Wegebau, die Waldkalkung und Düngemittel. Sein Unternehmen habe gar kein Interesse daran, viel davon in den Stollen einzulagern. Pro Tonne koste das 3,50 Euro.

Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, zeigte sich enttäuscht über die Haltung des Rates: "Ich sehe eine verpasste Chance, wenn die Gemeinde nicht dafür sorgt, dass die Staubhalden über Tage abgebaut werden." Der Rat habe verpasst, die offenen Fragen in die Stellungnahme aufzunehmen.

Ein weiteres Problem für den Rat sei die Frist für die Stellungnahme gewesen, sagt Huber. Die läuft schon am 3. Juli aus. Deswegen hat er die VG darum gebeten, sich um die Verlängerung zu kümmern. Sollte das gelingen, müsste der Anfang Juni neu gewählte Rat unter Bürgermeister Hans Dostert von der Wählergemeinschaft Dostert in seiner ersten Sitzung eine Stellungnahme ausarbeiten. Hintergrund Bergversatz: Unabhängig von dem Antrag zur Einlagerung von Produktionsrückständen dauert in Wellen der Streit um die Einlagerung von Abfällen in Teilen des Josef Stollens seit Monaten an. In der Bevölkerung herrscht großes Misstrauen gegenüber der TKDZ, die im April eine erste Genehmigung für den sogenannten Bergversatz bekommen hat. Zurzeit sammelt der Verein "Sauberes Wellen" Unterschriften für eine Resolution gegen den Bergversatz. Den Gegnern ist die Notwendigkeit des Bergversatzes nicht ersichtlich. Sie sorgen sich um das Grundwasser und rechnen mit Auswirkungen auf den Tourismus, mit zusätzlicher Staub- und Verkehrsbelastung, mit dem Wertverlust ihrer Immobilien und gesundheitlichen Belastungen. (cmk)