Des einen Freud...
Während sich viele freuen, dass das ehemalige Kuag-Gelände in Konz keine stillgelegte Industriebrache ist und sich dort zahlreiche Betriebe angesiedelt haben, macht dies anderen zu schaffen. Anwohner der Weinbergstraße haben kaum mehr ruhige Nächte.
Konz. "Es ist eine Katastrophe", sagt Rudolf Mai. "Manchmal ist hier ein Gepolter, da steht man kerzengerade im Bett." Was einige Anwohner der Weinbergstraße nahe der Roscheiderstraße häufig aus dem Schlaf hochschreckt, sind laute Geräusche, die vom ehemaligen Kuag-Gelände zu ihren Häusern dringen. Und das - so schildern sie es - zu jeder Tages- und Nachtzeit.Gewerbeaufsicht kündigt Gespräche an
An den Lärm durch den mit dem Baugebiet Roscheid ständig wachsenden Autoverkehr habe er sich bereits fast gewöhnt, sagt Andreas Baum. Er wohnt seit 33 Jahren in der Weinbergstraße, Schlaf- und Wohnzimmer der Familie liegen auf der der Kuag zugewandten Seite. Immer hätten er und seine Familie mit der Kuag gelebt, nachts aber habe es keinen Radau gegeben, erzählt er. Das habe sich allerdings in den vergangenen Jahren geändert: "Nachts um elf, morgens um vier oder um sechs Uhr" - durchaus auch an den Wochenenden - werde seine Familie immer wieder aus dem Schlaf geschreckt. Beispielsweise durch Gepolter vom Abladen oder Presslufthammergeräusche in den frühen Morgenstunden. Nicht nur die Polizei hat er bereits mehrfach verständigt, auch das Gewerbeaufsichtsamt wurde alarmiert. "Die Angelegenheit ist hier bekannt. Beschwerdegründe waren Geräusche durch die Neuansiedlung eines Lebensmittelmarkts (zeitweise Baulärm frühmorgens, Belieferungsverkehr nach Eröffnung) sowie Nachfolgenutzungen in einem vorübergehend still gelegten großen Werksgelände", bestätigt Sandra Hansen-Spurzem, Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord), die für die Gewerbeaufsicht zuständig ist. In diesem Mischgebiet seien mehr als 15 Kleinbetriebe oder Lager angesiedelt, die zum Teil noch in der Umbauphase stecken, erklärt sie. Auf Grund der Beschwerden seien bereits "mehrere Gespräche geführt" und "Frühanlieferungen beobachtet" worden. Auch Orientierungsmessungen hat das Gewerbeaufsichtsamt gemacht. Das Ergebnis: "Überschreitungen wurden bisher nicht festgestellt, Geräusche aber wahrgenommen", erklärt die Pressesprecherin. Nach einer Lärmschutzvorschrift haben die Anwohner "Anspruch auf Einhaltung der Immissionsrichtwerte von 60 Dezibel tagsüber" (6 bis 22 Uhr) und in der Nacht (22 bis 6 Uhr) von 45 Dezibel.Bis aus behördlicher Sicht eine Störung für die gesamte Nacht vorliegt, müssen Überschreitungen eine Stunde dauern. Außerdem besagen die Vorschriften, dass Einzelgeräusche tagsüber bis zu 30 Dezibel, nachts bis zu 20 Dezibel über diesen Werten liegen dürfen. Dass bisher keine Überschreitungen vorlagen, dürfte den Anwohnern, die regelmäßig aus dem Schlaf schrecken, wohl kaum weiterhelfen. Künftig müssen sie noch mit weiteren Geräuschquellen leben: Die Bauarbeiten für den Kreisel nach Roscheid haben begonnen, außerdem wurden die Roscheider Glascontainer in die Kuag-Ersatzstraße umgestellt. Weitere Kontrollen sind vorgesehen
Vielleicht gibt es für sie einen Trost. Die SGD Nord verspricht auf TV-Anfrage: "Weitere Gespräche sind vorgesehen sowie unbemerkte Beobachtungen der Anlieferung frühmorgens." Auch wenn derzeit nicht von einer unzulässigen Belästigung ausgegangen werde. Außerdem kündigen sie "eine Überprüfung aller neu angesiedelten Betriebe im alten Werksgelände" an.