"Detektiv" und Hochwälder aus Leidenschaft

"Detektiv" und Hochwälder aus Leidenschaft

Heimatforscher, Publizist, Pädagoge. Vor allem aber ein geselliger Mensch mit einem gesunden Schuss Humor. Es gibt viele Attribute, die auf Kurt Bach zutreffen. Heute wird der in Hermeskeil lebende "Hochwälder aus Leidenschaft" 80 Jahre alt.

Hermeskeil/Malborn. Heimat? Was ihm das Wort Heimat bedeute, wollen wir von dem Mann wissen, der seine Nase seit Jahrzehnten in der Geschichte und den Geschichten des Hochwalds stecken hat. Mal aus purem, eigenem Interesse, aber auch im Auftrag handelnd. Erst nach längerer Pause kommt die (sehr bedachte) Antwort. "Heimat, das ist für mich der Ort, an dem man die sozialen Grundwerte erfährt, die einen das ganze Leben lang begleiten. Das sind die Werte, die das Fundament unserer Gesellschaft bilden. Dinge wie Respekt Toleranz, Bewahrung."
Dorfschul-Lehrer in Malborn


Am 19. Januar 1937 in Geisfeld geboren, besuchte Bach, eines von sieben Kindern, Anfang der 1950er Jahre ein Internat in Holland, machte später am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG) in Trier sein Abitur und ergriff den Beruf des Lehrers. Zunächst in Gräfendhron, später über Jahrzehnte hinweg in Malborn. "Ich war, wie viele andere meiner Kollegen auch, das, was man den klassischen Dorfschul-Lehrer nennt. Im besten Sinne. Es ging nicht nur darum, den Schülern lesen, schreiben und rechnen beizubringen, sondern ihnen ein Wertegerüst und konkrete Vorbereitung auf das Leben zu vermitteln."
Die Voraussetzungen, diese Vorbereitung in die Tat umzusetzen, waren geradezu archaischer Natur: "In einem einzigen Raum wurden etwa 30 bis 35 Schülerinnen und Schüler, vom ersten bis zum achten Schuljahr, gemeinschaftlich unterrichtet. An größeren Schulen gab es vielleicht noch eine zusätzliche Lehrerin in einem zweiten Klassenraum. Aber das war die Ausnahme."
Was ihn heute noch "fuchst", ist die Art und Weise, wie der zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf dem Land sehr dominante Klerus sich in den Schulbetrieb einmischte. "Vielen Lehrpersonen", sagt er rückblickend, habe damals "das Selbstbewusstsein gefehlt, um der geistlichen Obrigkeit klarzumachen, wo die Grenzlinien verlaufen." Bach führt ein markantes Beispiel an: "Wir hatten zweimal pro Woche morgens um sieben Uhr Schulmesse. Die Kinder kamen zum Teil zu Fuß von den Dörfern und waren völlig durchnässt. Da kamen halt auch mal ein paar zu spät zur Schulmesse. Wenn der Pastor diese Kinder in die Ecke schicken wollte, um sich zu schämen, habe ich ihm klargemacht: Das sind meine Kinder und nicht Ihre. Die haben Sie nicht in die Ecke zu schicken."
Das Interesse an seiner Herkunft, der Herkunft der Familie, am Festhalten und Niederschreiben von aktuellen und historischen Begebenheiten, stellte sich bei Kurt Bach sehr früh ein. Das Leben etwa 600 eigener Vorfahren aus seiner Familie und deren zahlreiche Verästelungen habe er im Lauf der Jahrzehnte bis in das Jahr 1640 lückenlos zurückverfolgt. "In vielen Stunden in Archiven und Bibliotheken. Internet gab es ja nicht."
Als die Gemeinden Malborn und Geisfeld zu Beginn der 1980er Jahre auf ihn zukamen, zu ihrer 1000- beziehungsweise 1110-Jahrfeier eine Chronik zu schreiben, nahm seine "detektivische Spurensuche in der Vergangenheit" konkrete Züge an.
1988 erschien das erste Exemplar des "Schellemann", ein jährlich erscheinendes Kompendium historischer Begebenheiten, Anekdoten, Daten, Entwicklungen der Dörfer auf dem Hochwald und der Menschen, die diese Dörfer mit Leben erfüllen. Der "Schellemann" geht 2017 ins 29. Jahr. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Edmund Schömer, Josef Breit und Diethelm Prümm gründete Kurt Bach den "Kulturgeschichtlichen Verein Hochwald", dessen riesiges Archiv derzeit in einem Gebäude der ehemaligen Hermeskeiler Hochwald-Kaserne untergebracht ist. Viele Entscheidungs- und zugleich Bedenkenträger, vor allem in Behörden und Verwaltungen, hätten diese Arbeit mit Argwohn verfolgt. Und sie zum Teil sogar massiv behindert.
Wandern und Fitness-Studio


"Aber uns interessierten keine Grenzen zwischen Landkreisen, Verbandsgemeinden oder Dörfern. Uns ging es nicht um kommunale Pfründe oder Verwaltungseinheiten, sondern um den Hochwald als historische Einheit." Als Heimat eben. Deshalb ist auch heute noch das Schloss Dhronecken zwischen Hermeskeil und Thalfang der Sitz des Vereins.
Die "Fundgrube Heimat" wird für Bach auch mit dem Beginn des neuen Jahrzehnts Lebenselixier bleiben. Gemäß der Erkenntnis, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist lebe, wandert er und geht regelmäßig ins Fitness-Studio.
Und für heute hat er dem TV noch einen Auftrag mitgegeben: "Schreibt, dass niemand anzurufen braucht, um zu gratulieren. Es ist keiner zu Hause."

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