Deutsch pauken für eine gute Zukunft

Deutsch pauken für eine gute Zukunft

Sie sind 16 bis 21 Jahre alt und als Flüchtlinge zunächst noch unter sich. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Kosovo oder Albanien. Im Saarburg sind es 17, in Hermeskeil 15 Schüler. Deutsch steht bislang als einziges Unterrichtsfach auf dem Stundenplan. Später sollen die jungen Leute in reguläre Berufsschulklassen integriert werden.

Saarburg/Hermeskeil. Die Interkulturelle Woche in Saarburg ist ein Projekt, das Menschen aus vielen Nationen einander näherbringen soll. Spontan boten sich mit der Bildung von Flüchtlingsklassen in der Berufsbildenden Schule in Beurig gemeinsame Aktionen mit dem Jugendzentrum an. "Dieser Auftakt ist diesmal besonders spannend", findet Sozialpädagogin Kerstin Knopp. Die 16- bis 21-Jährigen kickten zunächst in einem Fußballturnier gemeinsam. "Da haben wir die Mannschaften schon gemischt", sagt Knopp.
Diese Integration im Kleinen soll im Jugendtreff im Saarburger Bahnhof mit den deutschen Altersgenossen weiter wachsen. Auf Sport und Spiel fürs gegenseitige Kennenlernen setzt die Sozialpädagogin große Hoffnungen. Nett und höflich sind diese jungen Leute. "Und auch das mit der deutschen Pünktlichkeit wurde schon verinnerlicht", freut sich Maxi Danz, die Deutschlehrerin der Flüchtlinge.
Die stellvertretende Schulleiterin der Berufsbildenden Schule Saarburg/Hermeskeil, Jutta Pohl, musste spontan handeln: "Wir haben erst in der letzten Ferienwoche erfahren, dass ein Berufsvorbereitungsjahr mit jungen Flüchtlingen stattfinden soll."
Die Schüler kommen aus dem Schulbezirk Konz, wohnen in Konz, Irsch und Saarburg. Ihre Zahl werde tendenziell steigen, erwartet die Pädagogin. Es sind Syrer, Afghanen, Eritreer. Auch Kosovaren und Albaner wurden in die Klassen integriert. Danz beschreibt das Problem bei ihrem Unterricht in Deutsch als Fremdsprache: "Sie beherrschen unsere Sprache ganz unterschiedlich. Einige müssen noch alphabetisiert werden, weil sie nur die arabischen Schriftzeichen kennen."
Hoch motiviert seien sie jedoch alle, und man merke, wer in seinem Heimatland eine höhere Schule besucht habe: "Die lernen deutlich schneller." Im Deutschunterricht werden auch erste Fachbegriffe aus Berufen gelehrt. Ziel ist nach einem Hereinschnuppern in Betriebe die Integration in Regelklassen von Berufsschülern. Die Schule kann Praktika vermitteln, oder auch Linda Feger vom Jugendintegrationsdienst der Caritas in Konz: "Volvo Konz hat Interesse an diesen Schülern angemeldet. Wir werden die Firma demnächst besuchen."
Pohl sagt: "Auch für uns ist das alles Neuland. Nach den Herbstferien werden wir eine erste Zwischenbilanz ziehen." Man könne noch viel mehr anbieten. Aber dafür fehle derzeit das Personal.
Eine der Schülerinnen ist Eriola Koldashi aus Albanien. Die 19-Jährige hat ein festes Ziel im Auge: "Ich will Krankenschwester werden, damit ich kranken Menschen helfen kann." Sie wisse, dass dafür noch viel Lernen nötig sei. Eriola ist seit sechs Monaten in Deutschland und sicher, dass sie es schafft.
Nathnael Abera (21) aus Eritrea macht ein Praktikum in einer Fleischerei. Sein eigentlicher Berufswunsch ist Elektriker. Seine Erfahrung mit Deutschland: "Hier ist alles gut. Ich habe keine Probleme." Nach drei Monaten spricht er erstaunlich gut.
Zabit Koldashi ist der Bruder von Eriola. Der 21-Jährige sagt über seine Erfahrungen: "Die Deutschen, das sind nette Leute." Er ist seit sechs Monaten hier und hat ein ganz großes Ziel: Informatiker werden. "Ich mag Zahlen und bin gut in Mathematik", sagt er.