Post Seltsame DHL-Benachrichtigung: Ein Leser wollte genauer wissen, was dahinter steckt

Ayl · Paketzustellungen laufen häufiger nicht nach Plan, das erleben viele Kunden. Leser Manfred Louis hat sich nun über einen besonders kuriosen Fall gewundert.

 Im Briefkasten hat Manfred Louis einen Paket-Abholzettel mit einer sonderbaren Uhrzeitangabe entdeckt.

Im Briefkasten hat Manfred Louis einen Paket-Abholzettel mit einer sonderbaren Uhrzeitangabe entdeckt.

Foto: Recktenwald Martin

In dieser Situation hat sicher schon so mancher geseufzt: Sie warten zu Hause auf ein Paket, wissen aber nicht genau, wann es ankommt. Nur mal kurz zum Einkaufen fahren – und schon wartet bei der Rückkehr im Briefkasten der Zettel „Eine persönliche Zustellung war heute leider nicht möglich…“.

Nervig ist das schon. Richtig ärgerlich wird es aber, wenn so ein Zettel ohne zu klingeln eingeworfen wird, obwohl man zu Hause war. Im Fall von Manfred Louis lief es sogar noch kurioser.

Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter war er nach eigener Aussage den ganzen Morgen zu Hause, erst um 13.15 Uhr verließen sie das Haus. Bis dahin war kein Postauto in Sicht, der Briefkasten noch leer. Von Nachbarn erfuhren sie später, dass gegen 13.20 Uhr der DHL-Wagen in die Wohnstraße in Ayl (Kreis Trier-Saarburg) einfuhr. Bei seiner Rückkehr fand Louis seltsamerweise einen Zettel im Briefkasten: Die persönliche Zustellung sei heute um 10.15 Uhr nicht möglich gewesen, er möge sein Paket doch bitte in der Postfiliale abholen. „Hier stellt sich doch die Frage, ob diese Mitteilungen vielleicht bereits am Vortag gedruckt werden und dann nur noch eingeworfen werden“, wundert sich Louis.

Nachfrage bei DHL verrät, was hinter der Benachrichtigung steckt

Ohne weitere Informationen wäre dies tatsächlich die nachvollziehbare Schlussfolgerung. Erst durch Rückfrage beim DHL-Kundenservice bekam Louis etwas Aufklärung. Auf den ersten Blick ist das hier zugrundeliegende Missverständnis für die Kunden aber nicht ersichtlich. Es handelte sich nämlich beim betroffenen Paket um eines, das zollpflichtig aus dem Ausland importiert wurde. Entsprechend wäre hier eine Barzahlung beim Empfang notwendig.

Hier wendet die Deutsche Post DHL Group jedoch mit Blick auf die Corona-Hygiene zurzeit ein besonders Verfahren an. Die Pressestelle schreibt hierzu auf Anfrage des TV: „Aufgrund unserer Bestimmungen werden aktuell keine Sendungen, die einen direkten Kundenkontakt erfordern, händisch ausgeliefert. Das heißt, wenn Sendungen mit Einzug von Entgelten, Nachnahmen oder Ähnlichem versendet werden, sind diese auf eine Postagentur-/Shop zu benachrichtigen.“

Bedeutet also: In diesen Fällen werden schon morgens nach Beladen des Zustellerfahrzeugs die entsprechenden Pakete, die mit Bargeldverkehr verbunden wären, ausgesondert. Und es wird ein Ausdruck erstellt, der um Abholung in der Filiale bittet. Auf dem Zettel im Briefkasten steht das aber nirgends – das muss der Kunde schlicht wissen oder sich über die scheinbar willkürliche Zeitangabe wundern.

„Ein entsprechender Hinweis wäre hier wirklich sinnvoll“, meint Louis. Nun betrifft dieser Sonderfall vergleichsweise wenige Kunden. Laut Post werden im Gebiet des Verteilerzentrums Trier täglich rund 23.000 Sendungen zugestellt, circa 60 davon gehören in die betroffene Gruppe. Aber diese Thematik ist nur kleiner Teil der Probleme rund um Paketzustellung.

Warum häufen sich Probleme bei DHL und anderen Paktzustellern

Wer sich im Bekanntenkreis umhört, wird meist rasch auf passende Erzählungen treffen. Pakete werden ohne zu klingeln einfach vor der Tür abgestellt. In einem Mehrfamilienhaus wird grundsätzlich alles bei einem Mieter im Erdgeschoss zugestellt, ohne überhaupt zu prüfen, ob die tatsächlichen Empfänger zuhause sind. Die Liste ließe sich beliebig ergänzen. Und das Gefühl trügt nicht, dass es mit dem Lieferboom durch die Corona-Pandemie schlimmer geworden ist. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat jedenfalls eine deutliche Zunahme der Beschwerden über Unregelmäßigkeiten beobachtet. „Das betrifft alle Zusteller-Unternehmen“, sagt Jennifer Kaiser von der Verbraucherzentrale. Als Ursache wird ein Mangel an qualifiziertem Personal gesehen.

Auch bei der Deutsche Post DHL Group hat man diese Herausforderung erkannt: „Ein erhöhtes Paket­aufkommen können Sie nur durch mehr Personal bewältigen.“ Die Corona-Pandemie habe einen außerplanmäßigen Zusatzbedarf geschaffen, den man durch innerbetriebliche Umstrukturierungen und verstärkte Personalwerbung kompensiere. Allerdings sei gerade in der Region Trier der Arbeitsmarkt schwierig, unter anderem durch die Nähe zu Luxemburg mit seinen vielen gut bezahlten Varianten für Jobsuchende. Es könnte also noch dauern, bis sich die Personallage in der Zustellung auf den von den Bestellern geschaffenen Bedarf eingependelt hat.

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