Die andere Sicht der Dinge

KONZ-KÖNEN. Das Thema Mobilfunk nimmt in Könen stetig mehr Raum ein. Nachdem die Pfarrgemeinde vergangene Woche einen Info-Abend zu der im Kirchturm installierten Mobilfunkanlage veranstaltet hatte ( TV vom 15. Januar), zog die Bürgerinitiative (BI) gegen Mobilfunkanlagen nach. Ein von ihr beauftragter Referent zeichnete ein düsteres Szenario für die im Umfeld dieser Antennen lebenden Menschen.

"In Könen sind die Menschen Opfer eines Massenversuchs." Mathias Engelbrecht, Umweltbeauftragter des Dekanates Alzey, redete Tacheles beim Info-Abend der Bürgerinitiative gegen die Mobilfunkanlagen in Könen. Die hatte den leidenschaftlich argumentierenden Referenten an die Saar geholt, nachdem ihrer Meinung nach bislang im Ort zu wenig Infos zum Thema geflossen seien. In einem Umkreis von rund 30 Metern befinden sich an der Saarburger Straße drei Antennen-Masten: Zwei hat Martin Weber vor etwa vier Jahren auf dem Dach seines Hauses anbringen lassen. Eine weitere wurde am 20. Oktober 2003 in Betrieb genommen: Der Pfarrverwaltungsrat hat im Kirchturm eine Antenne installieren lassen. Betreiber e-plus zahlt dafür eine jährliche Pacht von rund 4600 Euro. Gegen diese Anlage und die geballte Antennen-Präsenz im Ort wehrt sich die BI. Engelbrecht führte in seinem Vortrag aus warum und stellte klar: "Auch wenn Sie ein Handy haben, steht Ihnen zu, gegen Antennen zu sein. Denn bei ihrem Handy können Sie entscheiden, wann es aus ist, der Antenne sind Sie ausgeliefert.""Es gibt eine Wechselwirkung"

Das System des gepulsten, also digitalen Mobilfunks sei gefährlich. Die Strahlung der Antennen erreiche wie über konzentrische Kreise das unmittelbare Umfeld. "Es gibt eine Wechselwirkung - und nicht allein eine thermische - zwischen dieser Strahlung und dem menschlichen Organismus." Etwa 5000 nationale wie internationale wissenschaftliche Studien zu Handys lägen vor. Manche Ergebnisse würden bewusst unter Verschluss gehalten. So sei das unabhängige "Ecolog"-Institut, das sozial-ökologische Forschung betreibt, von der Telekom-Tochter T-Mobil mit einer Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung beauftragt worden. Dem Computermagazin "c't" zufolge habe das Unternehmen nach Bekanntwerden der Ergebnisse das "Ecolog"-Institut gebeten, die Studie unter Verschluss zu halten. Die Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED) definiert in ihrem "Freiburger Appell" an Politiker und die Bevölkerung einen Zusammenhang zwischen dem "dramatischen Anstieg schwerer und chronischer Erkrankungen" und der "Installation einer Mobilfunkanlage im näheren Umkreis der Patienten" sowie "intensiver Handynutzung". Unter anderem nennt die IGUMED als Folgen: Herz-Rhythmusstörungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle immer jüngerer Menschen und Krebserkrankungen wie Leukämie und Hirntumore. Vor rund 40 Zuhörern zitierte Mathias Engelbrecht aus zahlreichen (Presse-) Veröffentlichungen und führte Film-Ausschnitte unterschiedlicher Dokumentationen vor. Angesprochen auf die spezielle Antennen-Standort-Situation in Könen - mitten im Ort sowie in der Nähe von Schule und Kindergarten - antwortete er: "Das ist eindeutig zu viel. Die Antennen gehören nicht in den Ort." Auf den Hinweis von Ortsvorsteher Peter Wincheringer, man habe sich an die gesetzlichen Regelungen gehalten und e-plus garantiere die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte (nach der 26. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz, Anmerkung der Redaktion ) konterte Engelbrecht: "Weil die Grenzwerte so hoch sind, erreichen alle Anbieter sie mühelos." BI-Mitglied Müller-Greis meinte: "Die Einhaltung der Grenzwerte heißt nicht, dass nicht doch gesundheitliche Bedenken bestehen. Wir gehen zu sorglos mit dieser Problematik um."