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Die Bahn ist weg, jetzt rollen die Räder

Was sind die Pluspunkte, was die Schwächen des neuen Ruwer-Hochwald-Radwegs? Der TV hat die 50 Kilometer lange Strecke auf Herz und Nieren geprüft und stellt sie in zwei Teilen vor. Den Anfang macht heute der Abschnitt zwischen Hermeskeil und Zerf. Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Hermeskeil/Zerf. Den Ruwer-Hochwald-Radweg (RHR) kennzeichnen zwei Gesichter. Das liegt zum einen an den landschaftlichen Kontrasten, die eine Tour auf der ehemaligen Eisenbahntrasse bietet, führt die Strecke doch von einem waldreichen Mittelgebirgszug bis hinunter zu den Weinbergen im unteren Ruwertal. Zum anderen hängt von der Frage, welche Richtung man einschlägt, auch der Schwierigkeitsgrad einer Fahrt auf dem RHR ab. Wer von Trier aus startet, muss bis nach Hermeskeil über 400 Höhenmeter überwinden. Verteilt auf die Gesamtstrecke bedeutet das zwar einen moderaten und immer noch familienfreundlichen Durchschnittsanstieg von circa einem Prozent. Andererseits geht es im Prinzip in dieser Fahrtrichtung konstant leicht bergan. Fast von selbst rollt es hingegen für alle, die umgekehrt vom Hochwald entlang der Ruwer gen Moseltal unterwegs sind. Für Freizeitradler, die den kompletten Radweg erkunden wollen, bietet sich daher Hermeskeil als Startpunkt an. Dorthin gelangt man mit dem neuen Radbus R 200, der seit dem 1. April an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sowie an schulfreien Wochentagen sechs Mal täglich pendelt. Auskünfte über Fahrplan und Haltestellen gibt es unter www.regioradler.de. Das dazugehörige Faltblatt ist zudem bei vielen Tourist-Informationen erhältlich.

Radeln entlang der plätschernden Ruwer



So weit die Vorbemerkungen: Wer am Hermeskeiler Bahnhofsvorplatz, der weiter auf seine Neugestaltung wartet, in den Sattel steigt, wird sich nur kurz über den wenig verheißungsvollen Auftakt einer Fahrt durch die Ausläufer eines Gewerbegebiets ärgern. Schon bald ist freies Terrain mit Wiesen und Wald erreicht. Es geht zunächst aber knapp vier Kilometer sanft bergan, bis am Rastplatz "Päards Boa" (unweit der B 52-Brücke) der höchste Punkt des kompletten Radwegs erreicht ist.

Danach folgt eine genüssliche Abfahrt mit schönem Blick auf den Rösterkopf und das zu seinen Füßen liegende Reinsfeld. Bei Kilometer sechs ist der Ort erreicht. Im Dorfkern muss nahe des Bahnhofs mit der L 148 erstmals eine etwas stärkere Straße überquert werden, bevor es nach Kell weitergeht. Auf der weitgehend ebenen Strecke flankiert meist dichter Wald die "Pedalritter". Am Keller Rathaus (Kilometer 13) geht es dann erneut über eine Straße.

Kurz danach wartet die einzige kleine Lücke, die der Radweg noch aufweist und seine Nutzer zum Absteigen und Schieben über Schotter zwingt. Über die L 143 soll bekanntlich eine Radwegbrücke gebaut werden, deren Fertigstellung Anfang Mai geplant ist.

Wieder im Sattel geht es meistens leicht bergab bis nach Niederkell (Kilometer 17). Nach Überquerung der K 71 - Vorsicht vor allem beim Schichtwechsel im Bilstein-Werk! - folgt bald die einzige, circa drei Kilometer lange Passage, auf der der Radweg die frühere Bahntrasse verlässt. Weil dort die Naturschutzbehörden ein FFH-Gebiet ausgemacht haben, musste der Radweg auf Forstwege verlagert werden, die für viel Geld ausgebaut wurden. Landschaftlich ist die Strecke direkt neben der plätschernden Ruwer sicherlich sehr reizvoll. Nachteile sind aber mehrere starke Steigungs- und Abfahrtsstücke mit einigen haarigen Kurven, die Ungeübte vor Probleme stellen können. Auch mit einer verschmutzten Fahrbahn durch Holztransporte muss gerechnet werden. Wieder zurück auf der Ursprungsstrecke ist schnell der Bahnhof Zerf (Kilometer 24) und damit das Ende der ersten Etappe erreicht.

Teil zwei der Serie folgt am kommenden Donnerstag.