Die Balance finden

KONZ. Für viele Jugendliche ist der Jugendtreff in Roscheid ein unverzichtbarer Treffpunkt, für die Kinder eine nahe Spielstätte – für einige Anwohner auch ein Problemfall.

"Ein Dorf hat gewachsene Strukturen, doch dieses Neubaugebiet hat solche gewachsenen Strukturen nicht", erklärt Dietmar Grundheber, Pädagogischer Leiter des Hauses der Jugend und des Jugendnetzwerks Konz. Für die Jugendlichen in Roscheid gab es keinen Treffpunkt mit Tradition, sondern es bildeten sich mehrere "informelle Treffpunkte" aus. Die Folge: Die Anwohner klagten über Lärm und Beschädigungen, und so wurde die Forderung laut, dass in Sachen Jugendarbeit etwas passieren müsse. Vorwurf: Dreck, Flaschen und Scherben

Und es passierte etwas: Vor einigen Jahren wurde der Jugendtreff gebaut, für den zunächst keine pädagogische Begleitung vorgesehen war. Eltern haben sich vorerst dort engagiert, was sie auch heute noch - mit dem Schwerpunkt der Arbeit für Kinder - im Kinder- und Jugendförderverein Konz-Roscheid tun. Die aktiven Eltern aus dem Förderverein um die Vorsitzende Kerstin Röhlich-Pause organisieren regelmäßig Aktionen für die Kleinen, von der Kinderdisko über Bastelspaß und Kochen bis hin zu Theateraufführungen. Im Wechsel mit diesen Veranstaltungen wird der Jugendtreff unter der pädagogischen Begleitung durch das Jugendnetzwerk Konz regelmäßig von einer offenen Jugendgruppe besucht. "Es hat sich schnell abgezeichnet, dass der Jugendtreff angenommen wird, aber er wird auch als informeller Treffpunkt genutzt", berichtet Grundheber. Besonders die Treffen außerhalb der Öffnungszeiten sind nach seiner Ansicht Grund für die Kritik aus der Bevölkerung. Gerade in den Sommermonaten blieben dann oft Dreck, Flaschen und Scherben beim Treff liegen, es wirke vermüllt, so Grundheber. Auch für die Kindergruppen ist das alles andere als angenehm: "Wenn man draußen was mit den Kindern macht, muss man vorher nach Scherben gucken", sagt Röhlich-Pause. Frust baut sich deshalb nach Aussage des Pädagogen Christian Winthang auf: "Das wird dann an der eigentlichen Jugendgruppe festgemacht." Schwierig sei seine pädagogische Arbeit auch, weil die Anlage von anderen genutzt werde, "die man nie sieht, und mit denen man deshalb nicht arbeiten kann". Gearbeitet wird bei den bis zu 35 Jugendlichen mittwochs (15 bis 21 Uhr) und freitags (17 bis 23 Uhr) derzeit viel. Kürzlich haben sie die Außenfassade des Treffs grundiert, damit er wieder mit neuen Graffiti hergerichtet werden kann. In der Küche haben die Jugendlichen der aktuellen offenen Gruppe die Wände mit Comics gestaltet. Außerdem sind sie dabei, eine Theke zu bauen. "Einige nehmen die Verantwortung gerne in die Hand. Dem stehen aber auch andere gegenüber, die das nicht wollen oder das nicht von zu Hause mitbringen", schildert Winthang seine Erfahrungen. "Hier kann man wenigstens was machen", erzählen Sebastian Hoffmann und Philipp Ulrich, für die der Jugendtreff eine wichtige Anlaufstelle geworden ist. Auch Hardi Waibel, der zu den ersten Jugendtrefflern gehörte, kommt oft aus Trier zu Besuch. "Die älteren Semester treffen sich manchmal hier und kommen mit den Jüngeren gut klar", erzählt er. Ein Zeichen dafür, dass der Treffpunkt in Roscheid wichtig für die Jugendlichen ist, wo es sonst kaum einen Treffpunkt gibt. Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Schreiben Sie uns. Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à 30 Anschläge lang sein und bis heute, 14 Uhr, vorliegen. Fax: 7199439; E-Mail: echo@volksfreund.de