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Die Chance, Heimat selbst zu gestalten

Die Chance, Heimat selbst zu gestalten

Die Bürger von Waldweiler sind gefordert: Die Ortsgemeinde will ihre Wünsche dazu erfahren, wie sich das Dorf in den nächsten sechs Jahren entwickeln soll. Gebündelt werden die Ideen von der Architektin Rosa Vollmuth, die den Prozess als Dorfmoderatorin begleitet. Auftakt ist am 25. Oktober im Gasthaus Zender.

 Wie 2011 in Mertesdorf könnte es am 25. Oktober auch in Waldweiler aussehen: Notiert auf Zetteln will Dorfmoderatorin Rosa Vollmuth die Wünsche der Bürger abfragen. TV-Foto: Archiv/Friedhelm Knopp
Wie 2011 in Mertesdorf könnte es am 25. Oktober auch in Waldweiler aussehen: Notiert auf Zetteln will Dorfmoderatorin Rosa Vollmuth die Wünsche der Bürger abfragen. TV-Foto: Archiv/Friedhelm Knopp Foto: (h_tl )

Waldweiler. Der Hochwaldort Waldweiler ist Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung. Das bedeutet: Für Projekte, die die Versorgung verbessern oder die Dorfgemeinschaft fördern, gibt es in den kommenden sechs Jahren großzügige finanzielle Unterstützung vom Land. Was genau die Bürger in ihrer Heimat anpacken wollen, soll ab dem 25. Oktober in einer sogenannten Dorfmoderation herausgefunden werden. Architektin Rosa Vollmuth aus Kanzem, deren Büro solche Moderationen seit vielen Jahren begleitet, erklärt im TV-Interview, was bei der Auftaktveranstaltung passiert, wie die Dorfbewohner Ideen einbringen können und welche Vorteile der Gemeinde winken.

Wenn sich ein Ort für eine Dorfmoderation entscheidet: Welche Chancen eröffnet das?
Rosa Vollmuth: Die Bürger haben die Chance, sich über ihre Vorstellungen gemeinsam klar zu werden, ihre Heimat intensiver zu erleben und sie unter vielfältiger Mitarbeit weiterzuentwickeln. Eine Dorfmoderation unterstützt die Identität in der Gemeinde und fördert die Fantasie. Wir hatten Orte, in denen danach viel stärker über den Wert von Sanierungen nachgedacht wurde. Der Verfall von Gebäuden schadet allen, der Erhalt kommt allen zugute. In meinem Heimatort Kanzem haben sich aufgrund umfassender Sanierungen die Bodenpreise und die Nachfrage nach Ortskern-Grundstücken in 15 Jahren fast verdoppelt.

Was passiert nun in Waldweiler und wie sieht Ihre Rolle dabei aus?
Vollmuth: Was passieren wird, entscheiden die Bürger selbst. Ich moderiere die Veranstaltungen und bereite die Themenvermittlung vor. Wir dokumentieren alle Bürgerwünsche und Projektvorschläge und übergeben sie nach einem Jahr an den Gemeinderat. Er entscheidet dann, was umgesetzt wird. Weil im Anschluss auch das Dorfentwicklungskonzept erneuert werden soll, kann man einen Teil der Ideen konkreter ausarbeiten.

Wie können sich die Bürger einbringen?
Vollmuth: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, auch über die Zeit der Dorfmoderation hinaus. In Wasserliesch haben Bürger ein internationales Fest mit Informations- und Essensständen, Umzug, Flohmarkt und Musik veranstaltet, um die 43 Nationen im Ort einander näherzubringen. Ein anderes Dorf gab seinen Kindern eine Wiese und Baumaterial, bezog die Eltern als Stifter mit ein und ermöglichte so ein Hüttendorf, an dem Acht- bis 13-Jährige den ganzen Sommer lang bauen durften. Daraus wurde ein Dorftreffpunkt im Freien für alle teilnehmenden Familien. Jugendliche und Erwachsene aus dem Konzer Tälchen haben eine kommunale Mitfahrerplattform im Internet ausgearbeitet, damit die Eltern von vielen Fahrten entlastet werden.

Am 25. Oktober gibt es in Waldweiler die erste Informationsveranstaltung zur Dorfmoderation (19 Uhr, Gasthaus Zender). Was erhoffen Sie sich davon?
Vollmuth: Dass möglichst viele diese Chance wahrnehmen und ihre Ideen einfließen lassen.

Wie wird der Abend ablaufen?
Vollmuth: Oft stellen wir in einem Vortrag alle wichtigen Themen der Dorferneuerung vor. Dann verteilen wir Karten und befragen die Teilnehmer anonym dazu, was ihnen an ihrer Gemeinde gefällt und was verbessert werden könnte. Die Themen reichen von Versorgung, Verkehr, Arbeitsmöglichkeiten, Sanierung historischer Gebäude und Siedlungsentwicklung bis zu Wander- und Fußwegen, Ortsbegrünung, Freizeiteinrichtungen, Jugendarbeit und der Förderung sozialer Kontakte. Am Ende des Abends werden daraus die fünf wichtigsten Themen herausgesucht, die wir dann in Gruppen separat ausarbeiten.

Der Umbau der alten Schule zum Dorfcafé mit Wohnungen im Obergeschoss ist bereits beschlossen. Was halten Sie von dem Projekt?
Vollmuth: Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, solche besonderen Denkmäler in den Ortskernen zu erhalten. Sie prägen eine Gemeinde und verleihen ihr einen gewachsenen Charakter. Offene Treffpunkte werden in der Zukunft immer wichtiger werden, um die Kommunikation in einer Gemeinde aufrechtzuerhalten. Ich werde dieses Projekt daher gerne durch eine Arbeitsgruppe unterstützen, wenn dies von den Bürgern gewünscht wird.

Ortsbürgermeister Manfred Rauber sieht den Umbau der Schule als möglichen Auftakt für die Entwicklung eines "historischen Ortskerns". Wie sagen Sie?
Vollmuth: Die Gemeinde öffnet dieses wertvolle Kulturdenkmal für die Bevölkerung, damit es jeder miterleben kann. Wenn man diesen Weg beginnt, kann man damit eine Initialzündung setzen und eine Ortskernsanierung einleiten. Das ist in meinen Augen ein sehr wichtiges Ziel, für das ich mich seit 20 Jahren in vielen Dörfern der Region Trier eingesetzt habe. Die Erfolge dieser Strategie konnte ich in allen Gemeinden beobachten. cweb