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Die ewige Baustelle am Kunohof - Neubau in Saarburger Denkmalzone geplant

Die ewige Baustelle am Kunohof - Neubau in Saarburger Denkmalzone geplant

Seit mehr als einem Jahr klafft in der Straße Kunohof in Saarburg eine Lücke an der Stelle, wo zwei Häuser widerrechtlich abgerissen wurden. Für die Nachbarn ein Ärgernis. Nach vielfachen Ankündigungen sollen die Arbeiten am Neubau nun tatsächlich starten.

Saarburg. An der Stelle am Kunohof, an der vor einem Jahr zwei Häuser abgerissen wurden (TV vom 12. Juni 2015), ist zum Ärger der Nachbarn bis heute nicht viel passiert. Die Lücke gibt den Blick frei auf die demolierte Wand des Nachbarhauses. Bis vor kurzem sicherten Holzstützen diese Wand. Schutt lag auf der Freifläche, auf der sich die ersten Grünpflanzen breitmachten. Nun ist die durch einen Bauzaun abgetrennte Fläche freigeräumt.

Anwohner und Passanten: Antonio Scollozzi, Inhaber des direkt gegenüberliegenden Restaurants Bella Vista, sagt: "Das ist immer noch kein schöner Anblick." Potenzielle Kunden, die aus Richtung Wasserfall kämen, würden abgeschreckt. Sie würden kurz vorher umdrehen. Sein Umsatz sei durch die Baustelle um die 20 Prozent zurückgegangen, schätzt Scollozzi. Dies sei bereits der zweite Sommer mit der Lücke. Immer wieder habe es geheißen, demnächst werde gebaut, doch passiert sei nichts. Auch Pierre Weber von der Auberge Laurentiushof unterhalb von Bella Vista beklagt Umsatzeinbußen. Etwa 40 Prozent weniger Leute besuchten sein Haus, sagt er. Weber ergänzt: "Und ständig werde ich gefragt, was dort passiert ist." Er wünsche sich, dass es wieder aussehe wie vorher.
Der Trierische Volksfreund hakt bei Passanten am Kunohof nach. Drei Mainzerinnen kommentieren die Ecke als "nicht einladend" und "etwas schockierend", wenn man von der Fußgängerzone hochkomme. Ein Sauerländer fragt prompt: "Was ist hier passiert? Hat es gebrannt?"
Die Vorgeschichte: Nein, es hat nicht gebrannt. Die Brüder Thomas und Daniel Bier hatten die beiden Häuser in der Denkmalschutzzone am Kunohof eigenen Angaben zufolge umbauen wollen, doch dann ist etwas schiefgelaufen. Bauunternehmer Daniel Bier sagt: "Wir hatten die Genehmigung für den Umbau und durften den oberen Teil der Gebäude abreißen." Doch dann seien die Gebäude während der Arbeiten zusammengebrochen. Bier versichert: "Das war kein böser Wille." Es brächte ihnen auch nur Nachteile, nämlich Mehrkosten von 40 000 Euro und eine Bauverzögerung. Nun werde ein Neubau errichtet.
Das Nachbargebäude wurde zudem beim Abriss beschädigt - laut Kreisverwaltung derart, dass es nicht mehr bewohnbar ist.

Die Folgen: Der ungeplante Abriss hatte rechtliche Konsequenzen. Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung, erklärte auf TV-Anfrage, die Behörde habe dem Bauherrn wegen des Verstoßes gegen den Denkmalschutz und das Baurecht zwei Bußgelder auferlegt. Thomas Bier hat die Summe von nicht ganz 6000 Euro eigenen Angaben zufolge auch gezahlt.
Wegen der Beschädigung des Nachbarhauses gab es ebenfalls Verwicklungen. Das Haus sei zuvor verkauft worden, allerdings habe der Eintrag ins Grundbuch noch gefehlt, heißt es von der Familie des Besitzers. Der neue Eigentümer habe dann wegen der Beschädigung wieder ausziehen müssen und sei vom Vertrag zurückgetreten. Der Verkaufserlös sei dafür bestimmt gewesen, die Seniorenheimkosten des Besitzers und einer Verwandten zu decken. Lange habe man mit den Biers verhandelt, nun laufe eine Schadensersatzklage.
Die Biers wollten eigenen Angaben zufolge das beschädigte Nachbarhaus kaufen, um ihr Projekt zu erweitern. Doch sei man sich bei den Kosten für das Haus und ein eingetragenes Wohnrecht nicht einig geworden, sagt Daniel Bier. "Ende Mai haben wir geklärt, dass wir das Haus nicht kaufen. Wir werden aber den Giebel neu mauern, den wir beschädigt haben. Das ist doch klar", versichert Bier. Die Baugenehmigung für den Neubau, für den denkmalpflegerische Auflagen gemacht wurden, liegt laut Kreisverwaltung seit Oktober 2015 vor. Die Schuld am Bauverzug gibt Bier dem Anwalt des Hausbesitzers, der blockiert und auch Gutachten beauftragt habe.

So soll's weitergehen: Daniel Bier sagt: "Wir sind daran interessiert, dass die Bauarbeiten nun zügig vonstattengehen. Bis September soll der Rohbau stehen." Zwei der drei Wohnungen darin seien schon verkauft. Das eigentliche Haus aus Fertigteilen könne innerhalb von ein bis zwei Wochen errichtet werden. Die Fertigteile seien in Arbeit, noch gebe es keinen Liefertermin.
Die Baustelle sei so weit hergerichtet, dass die Erdarbeiten für den Keller beginnen könnten. Dies könne etwas länger dauern, da es am Kunohof sehr eng sei. Nachbar Antonio Scollozzi lacht, als er hört, dass die Arbeiten nun tatsächlich bald losgehen sollen. Er kann es nicht glauben, befürchtet aber gleichzeitig, dass ihm die "aktive" Baustelle nun die restliche Sommersaison noch ganz verhageln könnte.Extra

Die "Denkmalzone Burg und Altstadt Saarburg" erstreckt sich über weite Teile der Saarburger Innenstadt. Der Kunohof liegt in dieser Denkmalzone. Bei einem Objekt in einer Denkmalzone steht die äußere Gebäudehülle (Außenputz, Fassadenfarbe, Fenster, Klappläden, Außentüren und das Dach mit Eindeckung und Entwässerung) unter Schutz. Im Gegensatz dazu steht bei einem Einzeldenkmal neben der äußeren Hülle auch das Innere des Gebäudes unter Schutz. Ein (Kultur-)Denkmal ist generell ein Zeugnis aus vergangener Zeit, an dessen Erhaltung aus vielfältigen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Diese Gründe sind vor allem geschichtlicher, wissenschaftlicher, künstlerischer oder städtebaulicher Natur. maiExtra

Der Saarburger Kunohof in der Panoramaaufnahme: Links ist die St.-Laurentius-Kirche zu sehen. Rechts davon folgen die beiden leerstehenden Häuser der Pfarrgemeinde , dann die Auberge St. Laurentius. Am Straßenende liegt die ruhende Baustelle, über die sich die Menschen ärgern. TV-Fotos (2): Marion Maier Foto: (h_sab )

Nicht nur die Baustelle, auf der sich lange nichts getan hat, ärgert Anwohner des Kunohofs. Auch die drei leerstehenden Häuser zwischen der Kirche und der Auberge St. Laurentius, von denen zwei zusammengehören, treffen auf Missfallen. Pierre Weber kritisiert, dass an den Gebäuden seit Jahren nichts getan werde und sie baufällig seien. Die Häuser gehören der Kirchengemeinde St. Laurentius Saarburg. Christine Wendel von der Bischöflichen Pressestelle erklärt auf TV-Anfrage, dass die Bauten seit mehr als zehn Jahren leer stünden, weil sie nicht mehr bewohnbar seien. Sie stehen ebenfalls in der Denkmalschutzzone. Auf die Frage, was mit den Häusern passieren soll, sagt Wendel: "Über die Zukunft der Gebäude ist die Kirchengemeinde im Gespräch mit dem Landesdenkmalamt. Deswegen kann ich noch nichts abschließend sagen." Laut TV-Informationen möchte die Kirchengemeinde die Häuser abreißen und den Platz vor der Kirche so vergrößern. mai