Die flinken Finger des Flechters

MEHRING. Er ist einer der letzten Handwerker seiner Sparte in der Region. Josef Heimfarth fertigt handgemachte Weidenartikel ganz nach dem Motto "Made in Mehring". Seine Produkte sind nicht nur an der Mosel, sondern auch bei vielen Touristen aus ganz Deutschland beliebt.

Das Produktionsspektrum des rüstigen Rentners enthält alles, was man eben aus den dünnen Weiden herstellen kann. Er fertigt Körbe, Hotten und viele dekorativ ansprechende Haushaltsgegenstände. Josef Heimfarth erklärt: "Gerne mache ich die Produkte auf besonderen Wunsch und in verschiedenen Größen." Alle Artikel sind Unikate - keines sieht aus wie das andere. Der fast 80-Jährige nutzt für seine Produktion ausschließlich heimische Weiden der besten Qualität, die aus ökologischer Sicht als "gesunde" Materialien eingestuft sind. In seinem Hof und der Garage hat Heimfarth sich einen großen Bestand an Weiden angelegt. "Oft bringen mir die Winzer unseres Ortes im Weinberg übrig gebliebene Weiden vorbei und bestellen dann wieder ein neues Zierkörbchen oder eine Weidenhotte." Die Weiden lagert er zum Trocknen ein. Vor dem Verarbeiten weicht er sie in einem Bottich rund drei Wochen in Wasser ein, damit sie sich besser verarbeiten lassen. Danach seien sie so geschmeidig, als ob sie frisch geschnitten und noch grün seien. Seit etwa 25 Jahren flechtet der frühere Hobbywinzer vor seinem Haus. Spaziergänger bleiben oft stehen und bewundern die Fingerfertigkeit des Flechters. "Die Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten waren kürzlich hier," erzählt er, "die waren ganz begeistert." Begeistert über ihren Opa ist auch die elfjährige Christina Horst. Sie schaut ihm gerne bei der Arbeit zu und reicht ihm gelegentlich das Arbeitsmaterial. Neben einer guten Weinbergs-Schere verwendet Josef Heimfarth für sein Hobby nur noch einen feststehenden Dorn. Auf einer hölzernen Bodenplatte hat er die ersten Weiden mit kleinen Nägeln befestigt. Mit großem Geschick flechtet er eine Weide nach der anderen um die "Aufrechten", so bezeichnet er die senkrecht nach oben stehenden Weiden. Neben Können und Wissen ist von Josef Heimfarth bei seinem Hobby auch Kraft gefragt. "Meine Erzeugnisse sollen ja nicht nur schön aussehen, sondern auch viele Jahre halten," sagt er. Dabei zieht er das Ende einer Weide kräftig durch eine zuvor mit dem Dorn geschaffene Öffnung im Geflecht. Das überflüssige Ende schneidet er geschickt mit der Schere ab. Um einen Tragegriff am Korb zu befestigen, natürlich auch aus Weiden, hat er sich eine besondere Technik angeeignet. Der Hobbyflechter erklärt: "Er muss richtig befestigt sein, damit man den Korb mit seinem Inhalt sicher transportieren kann." Flechten ist nicht das einzige Hobby des Mehringers. Denn auch für die Pflege und Bewirtschaftung seines großen Blumen- und Nutzgartens benötigt er Zeit. Wanderer bewundern die Blumenpracht und natürlich auch das angrenzende kleine Privatmuseum. Dort hat Josef Heimfarth ältere Geräte aus der Landwirtschaft und dem Weinbau ausgestellt.

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