Die Gefahr lauert am Straßenrand

Die Gefahr lauert am Straßenrand

Schrecken im Herbstnebel: Derzeit drohen besonders oft Unfälle mit Rehen und Wildschweinen. Bis Ende September hat es im Kreis Trier-Saarburg bisher mehr Zusammenstöße gegeben als im Vorjahreszeitraum. Besonders während der Morgen- und Abenddämmerung ist Vorsicht geboten.

Schweich/Trier. Wenn sich die Blätter rot färben und in den Morgenstunden dichter Nebel über den Straßen steht, kommt es dort immer wieder zu unheilvollen Begegnungen. Denn im Herbst kommen sich Autofahrer und Wildtiere besonders oft in die Quere. 968 Wildunfälle hat die Polizei im Kreis Trier-Saarburg bis Ende September bereits gezählt - 76 mehr als im Vorjahreszeitraum. Zwei Menschen verletzten sich dabei schwer.
Polizei und Allgemeiner Deutscher Automobil-Club (ADAC) geben Tipps, wie sich Autofahrer schützen können (siehe Extra). Sie empfehlen besonders, nicht schneller als 70 bis 80 Kilometer pro Stunde zu fahren. Der Lichtkegel der meisten Autos leuchtet mit dem Abblendlicht etwa 60 Meter aus. So können Autofahrer noch rechtzeitig bremsen, wenn sie ein Tier bemerken (siehe Grafik). Warum es besonders im Herbst viele Zusammenstöße gibt? Das hat verschiedene Gründe, sagt Günther Klein, Sprecher des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) Rheinland-Pfalz. Mit der Zeitumstellung verlagert sich der Berufsverkehr noch mehr in die Dämmerungszeit. Das ist die Zeit, in der das Wild am Morgen seine Schlafplätze oder am Abend seine Tagesstandorte in guter Deckung verlässt, um auf Nahrungssuche zu gehen. Auf ihrem Weg queren die Tiere dann häufig Straßen. Die Tiere legen bei der Futtersuche weitere Strecken als im Sommer zurück, weil die Felder abgeerntet sind.
Laub macht Fahrbahn rutschig


Während der Brunftzeit ist das Wild außerdem besonders aktiv. Damwild etwa paart sich im Oktober. Und die sogenannte Rausche, die Paarungszeit der Wildschweine, dauert bis Dezember. Ein weiterer Grund: Die Straßen sind oft feucht und das Laub macht die Fahrbahn besonders rutschig. "Trotz Vollbremsung können Fahrer einen Zusammenstoß oft nicht vermeiden", sagt Klein. Unfallschwerpunkte im Kreis Trier-Saarburg sind nach Auskunft der Polizei die B 407 (Hunsrückhöhenstraße), die B 52 zwischen Kenn und Hermeskeil und die L 148 zwischen Reinsfeld und Bescheid. 2010 hat es im Kreis Trier-Saarburg insgesamt 1232 Unfälle mit Wildtieren gegeben, das ist etwa ein Sechstel aller registrierten Unfälle. Die Bilanz: zwei Schwer- und elf Leichtverletzte. Tote waren glücklicherweise nicht zu beklagen. Den Sachschaden im Kreis schätzt die Polizei auf etwa 1,6 Millionen Euro.
Viele Unfälle nicht gemeldet



In den meisten Fällen laufen Rehe vor die Autos. An zweiter Stelle stehen die Wildschweine. Landesweit sind es nach Schätzungen des DJV insgesamt etwa 19 000 Tiere, bundesweit etwa 235 000, die in Unfälle verwickelt werden. Die Dunkelziffer ist aber wesentlich höher, denn viele Unfälle ohne nennenswerte Schäden werden nicht gemeldet.
Nach Angaben des ADAC hat sich die Zahl der Unfälle seit den Siebzigerjahren bundesweit etwa verfünffacht. Zum einen hat die Verkehrsdichte deutlich zugenommen. Außerdem gibt es deutlich mehr Straßen, die den Lebensraum der Wildtiere durchschneiden. Die Polizei in Hermeskeil vermutet auch, dass die Populationen im Hochwald wachsen - so sind immer mehr Tiere unterwegs.Extra

Runter vom Gas: Ein verhaltenes Tempo von 70 bis maximal 80 Stundenkilometern sollte im Herbst auf der freien Strecke das Limit sein. Das empfiehlt sich auch wegen der Witterungsverhältnisse mit Nässe und Nebel. Augen auf: Auf Schilder "Wildwechsel" achten. In der Morgen- und Abenddämmerung besonders wachsam sein. Straßenränder, angrenzende Felder und Wälder sollten Fahrer wegen Wildwechsel im Blick behalten. Einem Tier, das die Straße quert, folgen oft weitere. Schnell reagieren: Fahrer, die Wild entdecken, sollten bremsen, abblenden und hupen. Ist ein Zusammenstoß mit dem Wild nicht mehr zu vermeiden, empfiehlt die Polizei: Vollbremsung und Lenkrad festhalten, keine Ausweichmanöver riskieren. Achtung: Fernlicht blendet die Tiere, sie bleiben oft einfach auf der Straße stehen. Versicherung: Autofahrer sollten nach einem Wildunfall die Gefahrenstelle absichern und danach umgehend die Polizei rufen. Fahrzeugschäden nach Wildunfällen werden zwar meist über die Teilkaskoversicherung abgedeckt, jedoch verlangen die Versicherer eine Wildunfallbescheinigung. Diese wird von der Polizei nach Besichtigung des Wagens ausgestellt - auch dann, wenn die Schäden am Auto keine Spuren von Tieren haben. Sollte die Polizei solche Spuren nicht finden, wird das auf der Bescheinigung vermerkt. Ob und in welchem Umfang der Schaden über die Teilkasko abgedeckt wird, liegt im Ermessen der Versicherung. uhe/scho/thie

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