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"Die Kinder sind so dankbar"

 Anika Biwer mit einem Poster von ihrem letzten Besuch im Waisenhaus. Darauf ist sie mit der Gründerin Claudia Namises und den Kindern Nancy, Dorien, Marion und Innocent (von links) zu sehen. TV- Foto: Herbert Thormeyer
Anika Biwer mit einem Poster von ihrem letzten Besuch im Waisenhaus. Darauf ist sie mit der Gründerin Claudia Namises und den Kindern Nancy, Dorien, Marion und Innocent (von links) zu sehen. TV- Foto: Herbert Thormeyer
Vor zwei Jahren führte Anika Biwer ein Urlaubsflug nach Namibia. Sie wollte die wilde Natur erleben. Gleichzeitig wollte die Erzieherin mit einem Praktikum in einem Kindergarten in der Hauptstadt Windhuk ihren Horizont erweitern. Doch dann kam es zu einer Begegnung, die sie seitdem nicht mehr loslässt: Das Waisenhaus von Claudia Namises.

Reinsfeld. (doth) Löwen, Elefanten und Antilopen waren der eigentliche Grund zu der Reise nach ehemals "Deutsch-Südwest-Afrika".

Der Kindergarten in der namibischen Hauptstadt Windhuk, in dem Anika Biwer ein Praktikum absolvierte, unterschied sich in seinem Angebot kaum von einem deutschen, aber nur für Leute, die Geld haben.

Doch dann nahm sie eine Freundin mit in eine andere Welt. "Nur wenige Kilometer vom Stadtkern beginnen die Ghettos und Elendsviertel", erklärt die 23-Jährige. Mitten in diesem Elend lernt Anika Biwer eine bemerkenswerte Frau kennen: Claudia Namises. Gemeinsam mit drei Helferinnen betreibt sie ein Waisenhaus für bis zu 40 Kinder vom Babyalter bis zu 17 Jahren. "Ich kam durch die Tür, alle Kinder kamen auf mich zugerannt und umarmten mich sofort", erinnert sich die Kindergärtnerin und fügt hinzu: "Die Kleinen sind so dankbar für alles und dabei so fröhlich". Die Einrichtung, die inzwischen aus allen Nähten platzt, lebt fast ausschließlich von Spenden. "Da es kein staatliches Waisenhaus ist, hilft der Staat Namibia auch kaum", erklärt Biwer das Problem. Der Entschluss stand fest: Ich will helfen. Denn ein größeres Haus muss her, damit alle genügend Platz finden.

Nach einer Schuhputzaktion mit der St. Martinus Schule in Reinsfeld sammelte Anika Biwer auch Geld, Kleidung und Spielsachen auf dem Weihnachtsmarkt. "Ich habe gerade 870 Euro überwiesen", sagt sie stolz. Zahlreiche Firmen hat sie bereits angeschrieben und um Spenden gebeten. "Mein größter Wunsch wäre ein Benefizkonzert, aber das hat bislang noch nicht geklappt."

Kaum vorstellbare Schicksale verstecken die Kinder hinter ihrer Fröhlichkeit. "Die große Seuche Aids, Gewalt und Armut sind die Probleme", erklärt Anika Biwer und zeigt schockierende Beispiele auf: "Der sechsjährige Innocent musste mit ansehen, wie sich seine Mutter umbrachte. Andere Kinder sind stark vernachlässigt, ja sogar vergewaltigt worden". Es gibt kaum ein Entrinnen aus dem Ghetto. "Nur wer von wohlhabenden Leuten adoptiert wird, hat eine Chance auf ein normales Leben", sagt die Erzieherin aus Reinsfeld, die vor allem mit einer Bildungsinitiative nachhaltig helfen will. 30 Euro kostet ein Schuljahr pro Kind. Im Juli fliegt sie wieder nach Namibia, hoffentlich mit viel Hilfe im Gepäck.

Extra: Ein Spendenkonto wurde eingerichtet Betreff: Anika wg. Waisenhaus Orlindi/ Namibia Volksbank Hochwald eG Kontonummer 101154730 BLZ: 585 647 88 Fragen zu ihren Hilfsaktionen für das Waisenhaus beantwortet Anika Biwer per E-Mail unter anika.mail@web.de In einer Radiosendung auf SWR 4 am Mittwoch, 4. Februar um 10.10 Uhr und am Samstag, 7. Februar, um 18.30 Uhr berichtet sie über ihr Engagement für die Waisenkinder von Katutura.