Die klingende Schiffsfahrt

Bei bestem Ausflugswetter haben rund 120 Zuschauer Boogie-Woogie und Jazzbands auf dem Wasser erlebt: Die Fahrt mit einem ehemaligen Postschiff von Saarburg nach Grevenmacher war Teil des Mosel Musikfestivals. Trotz des Erfolgs ist eine Wiederholung ungewiss.

Saarburg/Grevenmacher. Nachdem der Sommer pünktlich zum Wochenende einen kurzen Rückfall ins Nasse erlitten hatte, findet er am Sonntag wieder zur optimalen Form zurück. Darüber freuen sich nicht zuletzt die rund 120 Leute, die in Saarburg an Bord des Veranstaltungsschiffs Telegraaf IV gehen: Es sind die Zuschauer und Musiker des zweiten Teils des Dixieland-Festivals, das im Rahmen des Mosel Musikfestivals statt findet.
Tanzen auf dem Sonnendeck


Bereits am Samstagabend hatte Steve Clayton in der Glockengießerei Mabilon den Anfang gemacht. Etwa 100 Zuhörer waren gekommen. Clayton hat nicht nur eine fantastische Stimme. Er ist auch ein ausnehmend guter Pianist. Am Sonntag, also Teil zwei des Festivals - in Form der "Delux-Tour", einer von Livemusik untermalten Fahrt auf Saar und Mosel. Nach Grevenmacher und zurück mit Boogie Woogie, Swing und Blues, dazu Essen und Wein und alles weitere kühle Nass, bitte schön, nur von unten.
Die Wettergötter sind jedenfalls offenbar selbst begeisterte Jazzer und lassen sich nicht lumpen: So verbringen manche Gäste keinen geringen Teil der Fahrt auf dem Freideck am Heck des ehemaligen Postschiffs Baujahr 1928, um neben der Musik die herrliche Aussicht zu genießen.
Ein Glas Wein in der Hand lassen sie die dazugehörigen Anbauflächen an sich vorbeiziehen, während direkt nebenan die Lux Onions, The Down Home Percolators und Boogielicious den beschwingten und doch ganz lässigen Sound dazu liefern.
"Ich finde es einfach nur toll", freut sich etwa Christel Geltz, die gerade wieder nach draußen an die Reling gekommen, ach was, getanzt ist. Auch Udo Riedesel aus Rheinsfeld ist ganz angetan: "Ich hätte nicht gedacht, dass sich die typischen Riverboat-Shuffles, von denen ich einige mitgemacht habe, so gut auf Saar und Mosel umsetzen lassen!"
In Grevenmacher ist dann Zeit für einen kurzen Landgang. Praktischerweise endet gerade das örtliche Sommerfest und somit ist auch die Fußgängerzone der Festungsstadt von Musik und quirligem Leben erfüllt.
Wieder auf dem Schiff, zurück Richtung Saarburg, wird auf dem Sonnendeck jetzt auch das ein oder andere Tänzchen gewagt.
Auch wenn sich die Organisatorin Annette Barth mit ihrem Team vom Verein Spiegelbilder natürlich über den gelungenen Tag freut, muss sie sich doch bemühen, ihn sich nicht eintrüben zu lassen: Die musikalische Bootsfahrt wird, genau wie die Premiere letztes Jahr, wegen ihres grenzüberschreitenden Charakters mit Mitteln aus dem EU-Programm Interreg gefördert: Das hat sehr moderate Ticketpreise ermöglicht. Allerdings läuft die Förderung dieses Jahr aus. Soll noch einmal eine so lange und schöne Fahrt gemacht werden, müsste entweder ein spendierfreudiger Sponsor her - oder die Tickets müssten deutlich teurer werden.
Doch dann verschiebt auch Barth die drögen Sorgen lieber auf den nächsten Tag und feiert stattdessen noch einmal mit Boogielicious: Die werden begeistert beklatscht, bepfiffen und bejohlt und dürfen nicht ohne Zugabe von Bord. Dem schmissigen Sweet Home Chicago - das dann auch hätte heißen können: Sweet Home Saarburg. fgg
Video ab 16 Uhr unter
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