Die Küchenfeen von Hermeskeil

Das Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus Johanneshaus lebt vom Engagement Einzelner, zum Beispiel von Küchenfee Christel Roder und ihrem Team. Ob Frühschoppen, Frühstück, Mittagstisch oder Familienessen: Die drei Frauen wissen, wo es in der Küche langgeht. Mahlzeiten für bis zu 100 Personen sind für sie kein Problem.

Hermeskeil. Ehrenämter werden möglichen Kandidaten oft aus heiterem Himmel angetragen. Bei Christel Roder, die seit 24 Jahren oft mehrmals die Woche im Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus herumwirbelt, war das nicht anders. Der vor zwei Jahren verstorbene Pfarrer Otfried Stertenbrink habe sie mal gefragt, ob sie nicht bei einem Beerdigungskaffee aushelfen könnte. Roder sagte zu. Schließlich war sie nicht berufstätig und engagierte sich ohnehin ehrenamtlich für das DRK und im Pfarrgemeinderat.Johanneshaus mit Leben füllen


Allerdings hätte sie nicht gedacht, dass sie ein Vierteljahrhundert dabei bleiben würde. Als entscheidenden Antrieb nennt sie den Herzenswunsch, das Johanneshaus (siehe Extra) mit Leben zu füllen: "Es wäre schade, wenn es schließen würde."
Vor allem aber mache es ihr nach wie vor Spaß, sich dort zu engagieren: "Ich komme gern hier hin - sonst würde ich das nicht machen." Denn seit ihrem ersten Einsatz bewegt sich das Leben der heute 67-Jährigen in anderen als den bis dahin gewohnten Bahnen.
Anders ist vor allem, dass ihr die Arbeit praktisch nie ausgeht. Anfangs half sie nur bei Beerdigungen. Sie schmierte Brote, schnitt Kuchen auf und deckte im Johanneshaus Tische ein. Doch mit der Zeit kamen weitere Aufgaben dazu. So schwingt sie seit etwa anderthalb Jahren jeden Dienstag den Kochlöffel für den anfangs monatlichen Mittagstisch.
Allerdings nicht allein. Zu "Christels Team" gehören auch Helga Weiler und Renate Stüber, zwei gleichermaßen motivierte Hermeskeilerinnen. Sie kochen für alle, die nicht alleine zu Hause essen möchten und auch für viele andere. Laut Roder nutzen das Angebot nicht nur Ältere, sondern auch Kursteilnehmer des MGH. Dem Köchinnen-Team sind sie alle willkommen: "Wir kochen immer für ein paar Leute mehr."
Im Schnitt sind es 25 Personen, die sie dienstags bewirten, wofür sie in aller Regel von 9 Uhr bis 15 Uhr in der Küche stehen. Etwas weniger zeitintensiv sind die Vorbereitungen für das einmal monatlich an gleicher Stelle angebotene kostenlose Frühstück, obschon dann meist an die 50 Gäste zu versorgen sind. Roder freut sich über die positive Resonanz.Bis zu 100 Gäste


Beim alle zwei oder drei Monate im Anschluss an einen Gottesdienst angebotenen Familienessen sind es sogar bis zu 100 Gäste. Auch der sonntägliche Frühschoppen kommt nicht aus ohne Roder, die auch bei Ferienfreizeiten der Pfarreiengemeinschaft kocht.
Seit 15 Jahren wechselt sie sich am Tresen der MGH-Gaststätte mit Stüber und Hausmeister Hans-Peter Göddemeyer ab. Weiler belässt es beim Küchendienst. Auch sie packt schon seit zehn Jahren bei allem, was die Pfarrei anbietet, ehrenamtlich mit an. Beim Eindecken der Tische hilft den Hermeskeilerinnen Frank Speichert, der wie Hausmeister Göddemeyer eine Art Mädchen für alles im Mehrgenerationenhaus ist.Extra

2008 hat die Katholische Kirchengemeinde Hermeskeil das Mehrgenerationenhaus Johanneshaus aus der Taufe gehoben. Sie ist Träger des 1967 erbauten Bildungshauses und Bürgertreffpunkts, der auch als Pfarrheim genutzt wird. Das Hochhaus beherbergt neben Büros für Mitarbeiter des Dekanats Hermeskeil-Waldrach Räume für unterschiedlichste Seminar- und Kursangebote sowie das gemütliche Café Don Camillo. Eine der ersten Gruppen, die es nutzten, war die inzwischen ins Erdgeschoss umgezogene Demenz-Initiative. Im eingeschossigen Flachdachbau befinden sich großer Saal, Besprechungsraum und Gaststätte mit Küche. Das MGH ist Treffpunkt für Jung und Alt und Menschen aller Konfessionen und Kulturen und wird als Teil des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser vom Bundesfamilienministerium finanziell unterstützt. urs

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