Die lieben Gewohnheiten

Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Riesenspaß daran habe, kleine Sozialstudien zu erstellen? Natürlich nichts mit Zahlen, Fakten, Tabellen oder so. Ich spreche von den Beobachtungen, die ich in meinem Umfeld so mache.

Da musste ich vor kurzem wieder mal feststellen: Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier. Und ein Herden-Tier. Und das endet auch nicht in der Tonne - oder im gelben Sack.

Bei uns - wie wohl überall sonst - wird die Mülltonne immer am gleichen Tag alle 14 Tage geleert. Dem gelben Sack geht es auch an einem festen Wochentag an den Kragen - einmal im Monat. So weit, so gut. Nach Ostern plötzlich scherte meine "Lieblings"-Nachbarin in unserer Straße aus. Als ich von meinem Spätdienst im Baumarkt nach Hause kam, sah ich vor ihrer Haustür am Straßenrand drei gelbe Säcke stehen - vermutlich alle prall gefüllt mit Schokoladen-Verpackungen - so, wie die zugenommen hat.

"Die hat ja wohl nicht nur ihr Gewicht, sondern auch den Abfuhrkalender nicht mehr im Griff. Das ist doch wegen Ostern alles verschoben", schimpfte ich bei Martin los. Den interessierte das überhaupt nicht. Er meinte nur, ich sollte meinen Zickenkrieg nicht bei uns zu Hause austragen.

Aber was soll ich sagen? Noch am selben Abend reihte sich in unserer Straße ein gelber Sack an den nächsten. Und da blieb das Müll-Stillleben auch erstmal hübsch stehen. Drei Tage hat es gedauert, bis auch die letzte gemerkt hat, dass "meine liebe Freundin" von gegenüber mit ihrem Abfuhrplan auf dem Holzweg war. Jetzt bin ich schon in Wartestellung für mein nächstes Experiment: Zwei Feiertage im Mai bringen das System wieder zum Rotieren. Vielleicht spiel' ich ja diesmal die Nachbarin und teste den Herdentrieb in unserer Straße - rein zu Versuchs-Zwecken, versteht sich.