Die Miniaturwelt bröckelt

SAARBURG. Weitgehend unzufriedene Händler trotz zahlreicher Besucher – die Spielwarenbörse in der Saarburger Stadthalle war aus Sicht der Organisatoren bestenfalls ein Teilerfolg. Nicht zuletzt die technische Revolution im Kinderzimmer trage die Schuld, lautete der Tenor.

Die Zeit, da Kinderaugen beim Anblick einer elektrisch betriebenen Modelleisenbahn leuchteten, ist so gut wie vorbei. Computerspielkonsole, Laptop, DVD-Player und ähnliches haben die gute, alte "Märklin H0" aus dem Kinderzimmer weitgehend verdrängt. Heutzutage beschäftigt sich allenfalls Papa mit der Welt im Kleinformat - wohl auch deshalb, weil er den dickeren Geldbeutel hat, denn billig ist das Hobby nicht. Das weiß auch Hans-Jürgen Thiel aus dem Eifelstädtchen Neuerburg, den die kleinen, meist bis ins Detail nachgebauten und funktionstüchtigen Waggons und Lokomotiven seit langem faszinieren. Regelmäßig ist Thiel inzwischen auf der fast schon traditionellen Börse für Modelleisenbahnen und -autos sowie andere Spielwaren zu finden, die am zweiten Weihnachtstag in der Stadthalle Saarburg stattfindet. Das Resümee des Hobby-Händlers aus der Eifel nach fünf Stunden: "Das Geschäft ist schlecht gelaufen, kaum einer hat etwas gekauft." Das bestätigte auch Guido von Zabern, der einen Stand mit Plastikbausätzen, Modellautos und -eisenbahnwaggons aufgebaut hatte. "Es waren hauptsächlich ‚Seh-Männer' unterwegs", berichtete der Mann aus Worms und meinte damit jene, die "nur mal gucken" wollten, statt zu kaufen. In den Schwanengesang stimmten weitere der 34 haupt- und nebenberuflichen Spielwarenhändler aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern ein. Wo aber lagen die Gründe? War es möglicherweise der eher ungünstige Zeitpunkt kurz nach der Bescherung oder trugen tatsächlich die Auswirkungen der technischen Revolution im Kinderzimmer die Schuld? Dazu Hans-Jürgen Thiel: "Der Modellbauer gehört zu einer aussterbenden Gattung, denn der Nachwuchs fehlt. Heute interessieren sich junge Leute mehr für Dinge aus dem multimedialen Bereich." Thiels Prognose: "In den vergangenen Jahren ist der Modellbaumarkt stark geschrumpft, und auch künftig dürfte sich die Entwicklung fortsetzen." Verantwortlich für die Organisation der Spielwarenbörse in der Saarburger Stadthalle war Hans-Günther Wenner aus Trier. Gemessen an der schwierigen Situation seien die Besucherzahlen in Saarburg - mehrere hundert sollen es gewesen sein - jedoch als zufriedenstellend zu bezeichnen, erklärte er. "Das lag wohl auch daran, dass die Veranstaltung in der Fachwelt weit über die Region hinaus einen guten Ruf genießt." Vor allem kurz nach der Eröffnung am späten Vormittag seien viele Schnäppchenjäger unterwegs gewesen. Wenner vermutete: "Dass insgesamt wenig gekauft wurde, liegt auch daran, dass die Leute immer weniger dazu bereit sind, Geld in ein mitunter kostspieliges Hobby zu investieren." Trotz des unter dem Strich eher mäßigen Erfolgs will Hans-Günther Wenner auch künftig an der Spielwarenbörse in Saarburg festhalten.