Die Opas sind nicht zu stoppen

NEUHÜTTEN. Die Rentnerband packt wieder kräftig zu. Mit viel Erfahrung und ohne jeden Stress bauen die "Oldies" das Bürgerhaus um. Polier Hans Engel und seine Truppe liegen wie immer "voll im Soll".

Freiwillige Helfer für größere Projekte zu finden, bereitet sogar WM-Chef Franz Beckenbauer großes Kopfzerbrechen. In Neuhütten kennt man solche Probleme nicht. Wenn öffentliche Bauvorhaben anstehen und freiwillige Helfer zur Umsetzung benötigt werden, dann tritt die "Hüttener Rentnerband" auf den Plan. "Für den Umbau des Bürgerhauses wurden ehrenamtliche Helfer gesucht", erzählt Ortsbürgermeister Thomas Kolling. Nach einer Sitzung mit den Ortsvereinen war klar: Die Rentnerband rückt an. Der 74-jährige Polier Hans Engel kann sich dabei auf ein eingespieltes Team verlassen: Robert Jonas (70), Parkettleger, Helmut Düpre (71), Sägewerksfacharbeiter, Erich Malburg (71), Bergmann, Karl Kretz (71), Möbelschreiner, Hans-Josef Kräber (71), Waldarbeiter, Helmut Rosar (67), kaufmännischer Angestellter, Walter Rosar (65), Horst Horn (64), die beiden ehemaligen Polizisten Paul Düpre (62) und Albert Bier (58) sowie der Isolierer Hans-Werner Ganz, mit 56 Jahren auch der "Teenager im Team". Sie alle sind waschechte Neuhüttener. Einziger " geduldeter Gastarbeiter" ist der Züscher Eisenflechter Bela Papp (60). "Nach dem Bau der Leichenhalle haben wir eine neue Herausforderung. Das motiviert uns alle", sagt Hans Engel. Am Bürgerhaus entsteht ein Anbau mit zwei Kellerräumen. Darauf wird ein Pavillon mit geräumigem Vorplatz errichtet. Die Hackordnung auf der Baustelle ist klar: Hans Engel gibt die Kommandos, für die Sprüche ist Hans-Werner Ganz zuständig. Punkt Acht ist Schichtbeginn, alle sind gut drauf. Denn neben der knüppelharten Arbeit wird auch "jede Menge Dorfpolitik gemacht", die Niederlagen der SG Züsch/Neuhütten werden genau analysiert, oder es wird über das geredet, was in der Zeitung steht. Beton geschleppt und Steine von Hand zersägt

"Wenn einer mal den Speis zu dünn macht, der hat den ganzen Tag nichts mehr zu lachen", sagt Erich Malburg und schmunzelt spitzbübisch. Aber alle bilden ein Team, das um so besser funktioniert, wenn die Oldies richtig ranklotzen können. Da es weder einen Kran oder einen Lastenaufzug auf der Baustelle gibt, mussten 100 Zentner Beton per Muskelkraft befördert werden. "Danach konnte ich mir die Schuhe binden ohne mich zu bücken", berichtet Karl Kreuz. Gasbetonsteine wurden zentimetergenau mit einer über 80 Jahre alten Säge zurechtgeschnitten. "Damit hat mein Opa noch im Wald gearbeitet", erzählt Robert Jonas ganz stolz. Trotz teils konservativer Arbeitsweise ist die Rentnerband exakt im Zeitplan. Ein Sturz von neun Metern ist eingezogen worden, alles passt haargenau. Die Zimmerleute können mit ihrer Arbeit beginnen. Der Feierabend wird gemeinsam mit einem Fläschchen Bier begossen. "Ich freue mich dann schon auf den nächsten Tag", sagt Erich Malburg und fragt Hans Engel, ob auch bei Regen gearbeitet wird. "Was wollen wir denn den ganzen Tag zu Hause", antwortet Engel und prostet allen zu.