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Die russische Seele erklingt in St. Laurentius

Die russische Seele erklingt in St. Laurentius

Sakrale Gesänge und Volkslieder aus dem alten Russland sprechen das Herz und das Gemüt an. Damit hat das St. Petersburger Kosaken-Ensemble "Russische Seele" überzeugt. Kirchenmusiker Edwin Fell holte die vier großen Stimmen erneut nach Saarburg.

Saarburg. "Das klingt so feierlich", sagt Musikfreund Horst Schooff aus Saarburg, während er mit weiteren 60 Zuhörern den Gesang des St. Petersburger Vocal-Ensembles Russische Seele genießt. Es mache gar nichts aus, wenn man das Russische nicht versteht.
Das ging wohl den meisten Zuhörern so. Zunächst einmal staunten sie wohl, weil vor dem Altar von St. Laurentius in Saarburg nur vier Menschen sangen: die Mezzo-Sopranistin Rimma Egaretina, Tenor und Dirigent Wladimir Mostowoy, Bariton Filipp Yewich und Bass Felix Zaretski. Diese ausgebildeten Stimmen füllten das gesamte Kirchenschiff ohne jegliche technischen Hilfsmittel.
"Wir waren schon häufiger hier und haben dabei den Organisten Edwin Fell als treuen Freund gewonnen", freut sich Felix Zaretski, der die Lieder und ihre Bedeutung in deutscher Sprache erklärte. Die feierlichen Kirchengesänge werden in der Orthodoxie von keinem Instrument, auch keiner Orgel begleitet. "An hohen Festtagen wie Ostern oder Weihnachten kann bei uns ein Gottesdienst bis zu sechs Stunden dauern", verrät der Sänger. Dabei steht die Gemeinde.
Die Volkslieder wie Abendglocken, Moskauer Abendlied oder die Legende von den zwölf Räubern sind weltweit bekannt. Mit diesen vier großen Stimmen kommen sie direkt in Herz und Seele an.
Das Ensemble, das vor rund 20 Jahren gegründet wurde, ist derzeit auf Europatournee. "Wir versuchen, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen", sagt der Bassist. Der Grund ist die Unterstützung eines St. Petersburger Waisenheimes, in dem 48 kleine Kinder mit psychisch-neurologischen Problemen leben. Nach der Tour durch die Schweiz habe man erst vor kurzem 37 000 Rubel, etwa 900 Euro, überwiesen.
Die geistliche Musik wurde auf Altslawisch gesungen, die Volkslieder auf Russisch. Heiter ging es teilweise bei den Liedern der Kosaken zu, und auch laut. Aber ganz zart und weich geht es auch. Die vier großen Stimmen verabschiedeten sich mit einem gesungenen Gebet: Ave Maria.
Extra

Der Name Kosak stammt aus den Turksprachen und bedeutet in etwa "freier Krieger". Kosaken waren Gemeinschaften freier Reiterverbände, zu denen sich flüchtige russische und ukrainische Leibeigene, manchmal auch nur Abenteurer oder anderweitig Abtrünnige zusammenschlossen. Bis zum 18. Jahrhundert waren sowohl russische als auch ukrainische Kosaken vom Zarenreich teilweise unabhängig. Danach wurden sie als freie Kavallerieverbände in die russische Armee integriert. doth