Die Schule als Berufs-Parkplatz

HERMESKEIL. Schulabgänger der Erich-Kästner-Realschule beklagen den Lehrstellenschwund im Vergleich zum Vorjahr. Die Folge ist ein Anmeldungsboom bei weiterführenden Schulen.

Immer weniger Betriebe stellen Auszubildende ein. Eine Umfrage der Klasse 10a in allen Abschlussklassen der Erich-Kästner-Realschule bestätigt dies. Fast 50 Prozent aller Schüler hatten im vergangenen Jahr um diese Zeit eine Lehrstelle, in diesem Jahr sind es gerade einmal 30 Prozent. Bis Anfang Mai wussten acht Prozent der diesjährigen 170 Abgänger noch nicht, was sie nach der Schule überhaupt anfangen sollen. Mehr als 60 Prozent besuchen eine weiterführende Schule, das sind zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Auf Anfrage bestätigte eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes, dass diese Situation sich auf die ganze Region Trier übertragen lasse. 25 Prozent aller Schulabgänger seien noch nicht versorgt, im Vorjahr waren es zehn Prozent. In handwerklichen Berufen sind knapp fünf Prozent der Lehrstellensuchenden untergekommen, im vergangenen Jahr waren es 13 Prozent. Erstaunlich, da es noch so viele offene Stellen geben soll. Die schlechte konjunkturelle Lage veranlasst sicher manche Betriebe zum Abwarten. Viele handwerkliche Berufe werden aber auch von Realschülern nicht angestrebt. 75 Prozent der glücklichen Lehrstelleninhaber fanden ihre Stelle durch Eigeninitiative, nur 17 Prozent über das Arbeitsamt, acht Prozent durch Zeitungsanzeigen. 38 Prozent der Abgänger geben an, eine weiterführende Schule zu besuchen, weil sie keinen Ausbildungsplatz fanden - und das bei bis zu 30 Bewerbungen und entsprechend vielen Absagen! - oder weil sie überhaupt nicht wissen, was sie werden sollen. Die Schule als Berufs-Parkplatz. Das Technische Gymnasium in Trier hat wegen des Anmeldungsbooms (170 Anmeldungen bei 84 Schulplätzen) den Notendurchschnitt erheblich angehoben. Er liegt bei 2,6. Das Wirtschaftsgymnasium meldet ähnliche Zahlen. Auch die Höhere Handelsschule boomt. Wie viele Jugendliche werden im August auf der Straße stehen, weil auch die weiterführenden Schulen nicht mehr aufnahmefähig sind? Wie sieht die Lehrstellensituation in zwei oder drei Jahren aus, wenn die nachfolgenden immer noch starken Jahrgänge mit den Abgängern der Höheren Handelsschule und den Abiturienten konkurrieren und alle auf den Arbeitsmarkt drängen? Jeder weiß, wie wichtig es ist, dass Schulabgänger ein Berufsziel haben. Es muss etwas geschehen. Wir appellieren an alle Verantwortlichen, uns nicht im Regen stehen zu lassen. Steffi Engelke, Christin Lange, Lisa Schmitt, Klasse 10a

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