Die Scorpions für 2000 Mark Gage

Wenn am Montag beim Konzer Heimat- und Weinfest die Bands Deep Water und Reminders auf der Bühne stehen, werden Erinnerungen wach an eine Zeit, in der Konz die Rock-Hauptstadt der Region war. Heute kaum zu glauben: Hier spielten Weltstars wie die Scorpions, Uriah Heep und Bob Geldof oder deutsche Top-Acts wie Grönemeyer und die Toten Hosen.

 40 Jahre nach dieser Aufnahme auf der Saar und 26 Jahre nach dem letzten öffentlichen Auftritt spielt Deep Water am Montag. Foto: privat

40 Jahre nach dieser Aufnahme auf der Saar und 26 Jahre nach dem letzten öffentlichen Auftritt spielt Deep Water am Montag. Foto: privat

Konz. (DiL) Mit Edmund Schmidt-Lieblang hat alles angefangen. Globetrotter, Handballer, gelernter Bäcker: Als der heute 72-Jährige in einen Konzer Gastronomiebetrieb einheiratete, konnte er nicht ahnen, dass er bald zum größten Rock-Promoter der Region werden würde. Doch als er im Keller der damals noch existenten Beethovenhalle die Diskothek "Countdown" eröffnete, erbte er die Veranstaltungshalle quasi mit. Und die Stadt Konz signalisierte, dass sie auch die Nutzung der gerade eröffneten Saar-Mosel-Halle gerne sehen würde.

Schmidt-Lieblang holte gleich zum Start einen Kracher: Die Rocker von Golden Earring ("Radar Love") schlugen dermaßen ein, dass gleich im Folgejahr die Weltstars Uriah Heep mit ihrer "Lady in Black" folgten. Dieses Konzert am 26. September 1971 in der "Saar-Mosel-Halle Trier-Konz" ist übrigens bis heute als Raubkopie über östliche Internet-Portale käuflich zu erwerben.

Im beschaulichen Konz machten freilich danach Gerüchte über exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum die Runde, und statt der unübersichtlichen Sporthalle verlagerte sich das Geschehen in die Beethovenhalle mit ihren rund 500 Plätzen. Schmidt-Lieblang war inzwischen Partner der Agentur "Lippmann und Rau", und die bot ihm 1975 eine aufstrebende junge Band aus Hannover an, die gerade auf Tour mit ihrem Album "In Trance" war. Trotz der relativ hohen Gage von 2000 Mark (!) wurden die Scorpions verpflichtet, aber dann gab es Ärger über die Frage, ob das Geld vor oder nach dem Auftritt zu zahlen sei. "Wir haben uns dann geeinigt: 1000 vorher, 1000 nachher und zwei Flaschen Whisky extra", amüsiert sich Schmidt-Lieblang. Der Auftritt wurde legendär.

Vorband Deep Water wird zur Zugnummer

 Deep Water anno dazumal. Foto: privat

Deep Water anno dazumal. Foto: privat



Das galt für viele in den 70ern. In Konz gaben alle großen deutschen Bands ihre Visitenkarte ab, von Birth Control und Kin Ping Meh bis Guru Guru und Grobschnitt - damals alles klangvolle Namen. Ebenso wie die "Les Humphries Singers, aber auch die Urväter des Progressive Rock, Nektar, oder "Pop meets Classic"-Papst Rick van der Linden (Ekseption). Dessen Konzer Gastspiel blieb auch deshalb im Gedächtnis, weil sein erster Auftrittsversuch nach eineinhalbstündiger Wartezeit wegen "technischer Probleme" abgesagt wurde. Möglicherweise schaffte er aber auch alkoholbedingt den 500-Meter-Weg vom Lieblang'schen Hotel in der Bahnhofstraße zur Halle nicht mehr. Es sei manchmal schon "ziemlich heftig zur Sache gegangen", erinnert sich der Veranstalter.

Viel Geld war mit Konzerten nicht zu verdienen, nicht immer wurde der Saal voll. Aber der größte Publikumsrenner über die Jahre dürfte die Konzer Band Deep Water um den Sänger Bernd Fischer und den Keyboarder Erich Fahl gewesen sein. Er habe seine Hausband bei vielen Gastverträgen "einfach als Vorband reingeschrieben", erzählt Schmidt-Lieblang. So wurde Deep Water mit der Zeit eine Zugnummer - und für eine ganze Generation Jugendlicher aus Konz und Umgebung der erste Kontakt mit der großen weiten Welt des Rock.

Mit Beginn der 80er Jahre endete diese Blütezeit. Schmidt-Lieblang gab die Beethovenhalle auf und widmete sich seiner neuen Diskothek "Tropical". Teile von Deep Water setzten als Reminders ihre Erfolge fort, und andere Veranstalter versuchten, an die Konzer Tradition anzuknüpfen. Die zunehmend bröckeligen Mauern der Beethovenhalle sahen 1985 die Toten Hosen auf ihrer "Unter falscher Flagge"-Tour oder 1989 die Metal-Band Sepultura. Die US-Rocklegenden John Cipollina und Nick Gravenites spielten am Vorabend eines Rockpalast-Auftrittes und setzten ihre Devise "One song, one beer" einen mehrstündigen Konzertabend lang um.

Anfang der 90er Jahre war dann endgültig Schluss, die Halle wurde abgerissen. Der großangelegte Versuch, das Konzer Fußballstadion als Open-Air-Kulisse zu etablieren, trieb 1992 und 1994 mit Herbert Grönemeyer, Bob Geldof, Fury in the slaughterhouse oder Marla Glen zwar Topstars nach Konz, aber auch einen Veranstalter in die Pleite.

Seither ist die "Rockstadt Konz" nur noch Legende - vielleicht gelingt ja mit dem Open Air auf dem Roscheider Hof eine neue Tradition. Beim Heimatfest darf aber am Montagabend mit Deep Water, den Reminders und der Unplugged Gang nach Herzenslust in Nostalgie gebadet werden.

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