Die siebte Auflage des Viktorianischen Weihnachtsmarktes in der Saarburger Kulturgießerei zieht mehr als 3000 Besucher magisch an.

Kostenpflichtiger Inhalt: Viktorianischer Weihnachtsmarkt : Zeitreisende in einer Fantasiewelt

Die siebte Auflage des Viktorianischen Weihnachtsmarktes in der Saarburger Kulturgießerei zog mehr als 3000 Besucher. Es gab einen besonderen Wettbewerb.

Maxwell Zacharias van Kingsdale-Schnait sitzt in der Saarburger Kulturgießerei beim Viktorianischen Weihnachtsmarkt vor einer Cola. Doch dieser dürfte er selbst als Zeitreisender nicht ohne Weiteres begegnet sein, denn er kommt aus England und  dem Zeitalter der Britischen Queen Viktoria (1819-1901). „Die Cola habe ich mir von meiner Reise mitgebracht“, erklärt Mirko Schlotter aus Stuttgart, wie er mit bürgerlichem Namen heißt.

Mirko ist Mitarbeiter des Amtes für Ätheranlegenheiten, das auch in Saarburg eine Zweigstelle betreibt, wo Zeitreisepässe ausgestellt werden. Es ist bereits die siebte Auflage dieses besonderen Weihnachtsmarktes, und er war der bislang erfolgreichste. „Mehr als 3000 Besucher sind gekommen“, freut sich Organisatorin Barbara Becker von Ars et Cultura, die diesen Treff der Steam-Punker in Saarburg als eine Art Weihnachtsfeier und Jahresabschluss der Szene versteht.

Viktorianischer Weihnachtsmarkt in Saarburg. Foto: TV/Herbert Thormeyer

Steam-Punk  (von englisch steam „Dampf“ und amerikanisch punk „mies“, „wertlos“) bedeutet: Dampf aus der industriellen Revolution. Die Anhänger verknüpfen technische Spielereien mit dem Kleidungsstil des 19. Jahrhunderts.

Fantasievoll Gewandete konnten sich an rund 30 Ständen weiter mit Zubehör eindecken. Alle Besucher schauten nach Weihnachtsgeschenken, wie sie vor mehr als 100 Jahren unterm Weihnachtsbaum lagen.

„Wir haben vor sieben Jahren mit 15 Ständen angefangen und jetzt sind es doppelt so viele“, freut sich die Geschäftsführerin des Lokalen Bündnisses für Familie, Dr. Anette Barth. Jetzt sei allerdings die Kapazitätsgrenze erreicht. Sie selbst zwängte sich in ein Korsett dieser Zeit und sagt mit einem Augenzwinkern: „Das gibt auch eine gute Haltung.“

Immer aufwendiger und fantasievoller wird die Kleidung. Maria Glaz aus Polch bei Koblenz erscheint als wandelnde Zeitung: „Ich habe den Stoff im Internet gefunden und dann ein Kleid daraus genäht.“ Im Bistro sitzen Serge Manrissen und Guy Dettweiler aus Luxemburg. Der Zeppelinkommandant und der Stahlbaron sehen richtig echt aus.

Normalerweise ist Martin Müller in Saarlouis Dachdecker und seine Frau, Iris Both, Altenpflegerin. In Saarburg mutieren sie zum General a.D. und zur Flugbegleiterin im Zeppelin. „Es ist eine Flucht in eine andere Zeit“, sagt Iris.

Immer wieder interessant ist, aus welchen Teilen sich die Ausstattung der Besucher aus einer anderen Zeit zusammensetzt. Während sich die Darsteller aus dem Viktorianischen Zeitalter auf die damalige Mode konzentrieren können, haben es die Steam-Punker ungleich schwerer. Da muss schon mal ein altes Staubsaugerrohr dran glauben oder es werden blecherne Pastillendosen umfunktioniert. Bei manchen blinken bunte Lämpchen und zahlreiche kleine Zahnräder greifen ineinander –  oder doch nicht? Man muss die Konstruktionen nicht verstehen.

Es wurde viel fotografiert, denn wer hier gewandet hinkommt, ist nicht kamerascheu.