Die unauffälligen Wächter an der Urne

Die unauffälligen Wächter an der Urne

KONZ. Sie wirken wie Statisten und sind doch wichtige Säulen einer Wahl: die Wahlvorstände. Zum Beispiel im Wahllokal St. Helena, Konz-Roscheid. Mittlerweile leidet das Ehrenamt des Wahlvorstands unter schmerzlichem Nachwuchsmangel.

Wenn am ersten Sommerzeit-Tag der frühe Morgen graut und sich Kandidaten wie Wähler noch mal rasch aufs andere Ohr wälzen, dann hat sich eine Gruppe schon längst zur Arbeit aufgemacht: Mindestens 30 Minuten, bevor die Wahllokale um 8 Uhr öffnen, versammeln sich die Wahlvorstände in den Wahllokalen und bereiten die Stimmabgabe vor. Im Konz-Roscheider Pfarrzentrum und Bürgerhaus St. Helena verpflichten Wahlleiter Peter Lauterborn und sein Stellvertreter Wulf Zschauer ihre sieben Beisitzer auf Unparteilichkeit und Verschwiegenheit. Die Mannschaft wurde von den Parteien benannt. Je drei stehen auf den Tickets von SPD und CDU, je einer wurde von FWG und den Grünen in den Wahlvorstand delegiert, und ein Mitglied ist parteilos. Jetzt stellen sie die fünf Wahlkabinen auf, platzieren Wahlzettel und Umschläge, versiegeln die Urne und überprüfen, ob alles seine Richtigkeit hat. Die Arbeit des Wohlvorstands beginnt weit vor der Wahl. Auf 100 eng bedruckten Seiten schreibt die Landeswahlordnung den Ablauf der Abstimmung bis ins kleinste Detail vor. Die muss penibel beachtet werden. Das Ehrenamt des Wahlvorstands steht nicht gerade im öffentlichen Rampenlicht. Dabei würde ein Blick in fernere Länder mit den dort üblichen Wahlmanipulationen genügen, um die Bedeutung dieses Amts zu belegen. Ohne korrekte Wahlvorstände ist keine korrekte Wahl möglich. Und ohne deren Glaubwürdigkeit nähme auch die Glaubwürdigkeit des Resultats irreparabel Schaden - und mit ihr die Demokratie. Die Wahl läuft nach einem exakt festgelegten Ritual ab. Wahlunterlagen, Wahlkabine, die Vorlage von Berechtigungsschein oder Personalausweis, das Okay des Schriftführers, dann öffnet sich der kleine, bedeutungsvolle Zugang zur Urne, und der Wahlvorgang ist erledigt. Für den blinden Wähler, der regelmäßig im Roscheider Bürgerhaus auftaucht, hat der Vorstand sogar eine Schablone parat, und Aktionsunfähige dürfen eine Vertrauensperson benennen, die beim Ausfüllen und Einwerfen der Stimmzettel hilft. Nach 18 Uhr wird das Lokal erst geschlossen und dann zur öffentlichen Auszählung wieder geöffnet. Die erfolgt doppelt. Damit sich kein Fehler einschleicht. Dann schickt Peter Lauterborn eine Eilmeldung an die Verbandsgemeindeverwaltung los, und schließlich unterzeichnen alle vom Wahlvorstand die Niederschrift. Parteipolitische Konkurrenz? Sicherlich nicht im Wahllokal. "Wulf Zschauer von der CDU und ich sind eine funktionierende Mannschaft", sagt Peter Lauterborn. Und politische Diskussionen? Nicht während der Wahl. "Das kann man hinterher beim Bier tun." Was treibt einen Bürger, sich im Wahlvorstand zu engagieren? "Wenn ich schon in eine Partei gehe, stehe ich auch für staatsbürgerliche Aufgaben zur Verfügung", sagt Peter Lauterborn, SPD-Mitglied, Vertreter des Fraktionsvorsitzenden im Verbandsgemeinderat Konz und bis zu seiner Pensionierung Abteilungsleiter bei der Deutschen Bundesbank. Lauterborn ist schon 15 Jahre dabei. "Gott sei Dank hat es bis jetzt noch nie Komplikationen gegeben", sagt er mit hörbarer Erleichterung. Etwas anderes trübt seine Stimmung sichtlich: der ausbleibende Nachwuchs. In Roscheid mit 3500 Einwohnern hat sich diesmal nicht die erforderliche Beisitzer-Zahl gefunden, so dass andere Ortsteile einspringen mussten. Diesen Missstand schreibt Lauterborn der allgemeinen Unlust an ehrenamtlicher Tätigkeit zu, nicht einer speziellen Politikverdrossenheit. Eine Idee, wie sich der Trend umkehren ließe, hat er allerdings auch nicht.

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