Die Verbandsgemeinde (VG) Konz will bis 2019 ein Konzept für den Hochwasserschutz erarbeiten und setzt auf die aktive Mitwirkung der Bevölkerung.

Hochwasserschutz : Konz setzt auf neues Konzept für Hochwasserschutz

Konz will bis 2019 ein Konzept für den Hochwasserschutz erarbeiten und setzt auf die aktive Mitwirkung der Bevölkerung.

„Hochwasser sind nicht zu vermeiden, und Starkregenereignisse werden aufgrund des spürbaren Klimawandels zunehmen. Die Verbandsgemeinde (VG) Konz will daher die Hochwasservorsorge intensivieren und dabei auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern setzen“, sagt der zweite VG-Beigeordnete Heinz Wößner vor rund 80 Zuhörern, darunter die Ortsbürgermeister oder Beigeordneten aus den Gemeinden. Wößner appelliert an die Zuhörer, sich an den Folgeveranstaltungen in den Ortsgemeinden zu beteiligen und auch Nachbarn zur Mitwirkung anzuregen.

Mit der düsteren Prognose „Leben im Tal der Ahnungslosen“ überschreibt der Hochwasserexperte Ralf Schernikau vom Mainzer Ministerium für Umwelt sein Einführungsreferat. Der Mann aus Mainz wird im Folgenden nichts beschönigen, aber warnen und Wege zur Vorsorge zeigen. Schernikau sieht ein Hauptproblem in der menschlichen Vergesslichkeit. Das letzte große Hochwasser von Mosel und Saar liege rund 16 Jahre zurück. Schernikau: „Wenn über viele Jahre nichts passiert, stellt sich eine trügerische Sicherheit ein.“

Dann zeigt der Experte Bilder von Hochwasserkatastrophen, etwa der von Dresden 2002,  und spricht von einem möglichen Jahrhunderthochwasser auch in dieser Region. Das werde auch die Mosel einmal wieder treffen, „dann helfen auch keine scheinbar sicheren Hochwasserschutzwände wie in Oberbillig und die Stadt Trier wird hinter ihrem Schutzdamm volllaufen.“

Hinzu käme die Gefahr von Stark­regen und Sturzfluten mit überforderten Kanalsystemen. Solche Ereignisse könnten überall und plötzlich auftreten. Das zeigten auch die letzten Jahre in der VG Konz. Es lasse sich nicht vorhersagen, wann, wo und wie viel. Deshalb die Kanalisation immer weiter auszudehnen, stoße an wirtschaftliche Grenzen, die kein Gebührenzahler tragen könne. Schernikau: „Auch Rückhaltebecken und Gewässerrenaturierung geraten bei Extremereignissen an ihre Grenzen – einfache Lösungen gibt es nicht.“

Eine gewisse kommunale Vorsorge sei möglich durch entsprechende Bauleitplanung, Überprüfung der Strom und Trinkwasserinfrastruktur, Gefahrenabwehr durch Feuerwehr oder THW, Abwehr von Geröll und Treibgut in Hanglagen. Der Experte rät zur privaten Vorsorge durch technische Maßnahmen an Gebäuden und durch Verhaltensregeln – etwa keine teuren Einbauten in hochwassergefährdete Kellerräume. Hochwasserschutz gelte als gemeinsame Aufgabe der Kommunen und der Bevölkerung.

Zuständig für den Schutz privaten Eigentums sei nicht die Gemeinde, sondern der Eigentümer. Schermikau: „Ich empfehle Ihnen dringend den Abschluss einer Elementarschadensversicherung. Sonst stehen Sie nachher alleine da. Ich sage Ihnen das so, wie es ist.“ Nicht alle Versicherungsgesellschaften böten solche Verträge an. Auskunft dazu erteile die Verbraucherzentrale in Mainz.

Das Hochwasserschutzkonzept wird von der VG in Zusammenarbeit mit den Ortsgemeinden erstellt. Federführend bei der fachlichen Begleitung und Ausarbeitung ist das Planungsbüro Hömme GbR (Pölich). Im Zentrum steht die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Dabei können sich die Bewohner im Jahresverlauf bei örtlichen Workshops einbringen (siehe Info). In den Veranstaltungen werden den Teilnehmern auch die Möglichkeiten und Pflichten zum Schutz ihres Privateigentums gezeigt. Das Land fördert das Projekt zu 90 Prozent, der kommunale Eigenanteil beträgt zehn Prozent.

Den Ablauf der Bürgerbeteiligung erläutern Frank Hömme und sein Mitarbeiter Volker Thesen. „Uns ist wichtig, dass Sie ihre eigenen Erfahrungen schildern. Wir sammeln alle Informationen, Ideen und Vorschläge“, sagt Thesen. Das Ergebnis werde ein detailliertes Hochwasserschutzkonzept mit der Auflistung aller Gefahrenpunkte im Ort sein, verbunden mit entsprechend abgestimmten Möglichkeiten der Gefahrenabwehr.

Foto: Friedhelm Knopp

In einer kurzen Aussprache mit sachlichen Fragen der Zuhörer zum weiteren Prozedere endet die Auftaktveranstaltung.