Die verbotene Römerleitung

FARSCHWEILER. Ein Stück von einer römischen Wasserleitung sorgt in Farschweiler im vorderen Hochwald für Unmut: Viele im Ort würden sie gerne ausgraben und präsentieren, doch das Rheinische Landesmuseum Trier verbietet das. Keine Probleme bereitet der Rest einer Römerstraße.

Um die von Bäumen überwachsenen Straßenreste im Gemeindewald zu erkennen, bedarf es zunächst eines geübten Blickes. Tischlermeister Ernst Annen aus Farschweiler hatte die überwucherte Trasse 2005 entdeckt und Rudolf Essler vom örtlichen Heimat- und Verkehrsverein benachrichtigt. Zunächst waren Annen, Essler und Revierförster Norbert Kritten noch unsicher, ob es sich wirklich um die Reste eines antiken Verkehrsweges handelte. Gewissheit gab es erst im März nach einem Ortstermin mit dem Archäologen Thomas Fontaine vom Rheinischen Landesmuseum Trier. Der Experte bestätigte die Authentizität der Überreste. Die römische Fernstraße verband einst das Moseltal bei Longuich mit dem heutigen Saarland. Im Wald bei Farschweiler lässt sich ihre Trasse noch verfolgen. Stellenweise ist nur noch etwas vom V-Profil der einstigen Entwässerungsgräben erkennbar, von denen die Fahrbahn durchgehend links- und rechts gesäumt wurde. Weiter oberhalb im Wald in Richtung "Hohe Wurzel" sind die Straßenreste ausgeprägter erhalten. Deutlich erkennbar ist dort die für römische Landstraßen typische Fahrbahnwölbung zwischen den Randgräben. Mit Erlaubnis des Landesmuseums hat dort der Heimat- und Verkehrs an einer Stelle einen Querschnitt gegraben und dabei Reste des einstigen Straßenunterbaus freigelegt. Außerdem finden sich überall grob behauene Natursteine. Dazu Revierförster Kritten: "Die müssen eigens antransportiert worden sein, denn diese Gesteinsart kommt hier im Bezirk nicht vor." Vorsitzender Essler vom Heimat- Verkehrsverein plant nun, einen etwa vier Kilometer langen Abschnitt des Wanderwegs "Saar-Hunsrück-Steig" über die Römerstraße zu führen. Gerne würde der Verein auch ein weiters römisches Relikt in Farschweiler dem Publikum zugänglich machen. In der nähe des Sportplatzes verbirgt sich unter der Erde der Rest einer römischen Wasserleitung. Ende der 20er-Jahre war das Relikt schon einmal ausgegraben, untersucht und dokumentiert worden. Es handelt sich um eine gemauerte, einen Meter hohe Wasserleitung mit zwei Einstiegsöffnungen. Der Heimat- und Verkehrsverein würde das Bauwerk gerne in Eigenleistung ausgraben und zugänglich machen. Doch dem will das Landesmuseum nicht zustimmen. In einem Schreiben an den Verein verweisen die Museumsleute von der Weimarer Allee eindeutig auf die Illegalität solchen Tuns und warnen vor eigenmächtigen Schritten. Strafanzeige bei eigenmächtiger Grabung

Karin Goethert vom Landesmuseum: "Graben bedeutet, dass Schichtweise und mit genauer Dokumentation vorgegangen wird. Dies ist eine Arbeit für ausgebildete Grabungstechniker. Unterlässt man dies, kann der Fund nicht nach Alter und Herkunft eingeordnet werden und hat keinerlei Aussagekraft." Derzeit sieht Goethert allerdings keine Möglichkeit, sich mit dem Relikt in Farschweiler zu befassen. Die Teams des Museums seien durch termingebundene Grabungen auf dem ehemaligen Paulinus-Gelände und auf dem Petrisberg ausgelastet. Und was geschieht, wenn jemand sich dennoch auf eigene Faust ans (Grabungs-)Werk macht? Goethert: "In diesem Fall erstatten wir sofort Strafanzeige wegen Raubgräberei." Rudolf Essler: "So bleibt das antike Stück unter der Erde, und niemand hat etwas davon."