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Die vielen Barrieren von Hermeskeil

Die vielen Barrieren von Hermeskeil

Wie barrierefrei ist die Stadt Hermeskeil, in der es ein Seniorenheim und ein Krankenhaus gibt? Der Trierische Volksfreund ging dieser Frage, mit der sich kürzlich auch Jugendliche gemeinsam mit Senioren beschäftigten, schon mehrfach nach. Doch verbessert hat sich bisher nur wenig.

Hohe Bordsteinkanten, selbst an Fußgängerwegen oder Bushaltestellen, erschweren es Menschen, in Hermeskeil zu leben. Natürlich sind nicht alle betroffen. Wer gut zu Fuß ist, bemerkt oft nicht, wie sich für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Stock Hürden auftun. Sie zu meistern, hat schon manchen zu Fall gebracht, oder die Betroffenen weichen aus: an der Bordsteinkante vorbei über die Fahrbahn. Problemstellen sind die Fußgängerwege zwischen Sparkasse und Rathaus sowie oberhalb der Arbeitsagentur, Pflaster-Stolperfallen und hohe Bussteigkanten wie am Donatusplatz und die vielen Treppenstufen.

Irene Morgen kennt das nur allzu gut: "Beim Arzt sind Stufen, beim Optiker, und in die Apotheke kommt man auch nicht rein." Sie und weitere Bewohner des Hochwald-Altenzentrums St. Klara haben für ein 72-Stunden-Projekt von Jugendlichen (siehe Extra) die Barrierefreiheit der Stadt getestet.
Marianne Friedrich ärgern die hohen Bordsteine: "Es ist sehr schwierig, mit dem Rollator da rauf zu kommen." Fast nirgends im Zentrum gebe es Absenkungen, bestätigt Paul Kohley.

Vor der Sparkasse erschwerten zudem Verkehrszeichen und Stangen vor Parkbuchten das Überqueren der Fahrbahn. Geringfügig versetzt wären sie unproblematisch. Selbst die Rampe neben der Treppe zum Rathaus ist nur bedingt hilfreich. "Die ist ja schon gut, aber sie dürfte nicht so steil sein", bedauert Franz-Josef Ludwig. Es sei viel zu schwierig, mit einem Rollator da hinauf zu kommen. Hürdenreich kann auch ein Besuch des Mehrgenerationenhauses Johanneshaus sein. Barrierefrei zugänglich sind nur der große Saal im Erdgeschoss, zu dem ein Serpentinenweg führt, und dank Treppenlift der erste Stock.

Im Amtsgericht sind ähnliche Probleme vor anderthalb Jahren behoben worden. Alle öffentlichen Räume sind vom rückwärtigen Parkplatz aus per Außen- und Innenlift zugänglich. Nach dieser Lösung für das denkmalgeschützte Gebäude wurde laut Geschäftsleiter Thorsten Kaup viele Jahre gesucht. Unproblematisch sind laut Werner Haubrich, Büroleiter der Verbandsgemeindeveraltung, jüngere Gebäude wie die Hochwaldhalle. Sie wurden barrierefrei gebaut.
Anders als das Rathaus, die "Schwachstelle" der Stadt. Es fehlten ein Aufzug und eine Behindertentoilette. Letztere wird nun zumindest bei den öffentlichen Toiletten am Bahnhofsvorplatz berücksichtigt. Nach einem Besuch des Behindertenbeauftragten des Landes seien nun aber Umbaupläne für das Rathaus beauftragt. In der ersten Sitzung nach den Sommerferien sollen sie dem Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt werden. Wie schnell sich etwas ändern wird, hängt natürlich auch von den Kosten ab.

Extra

15 Jugendliche der Katholischen Jugend haben zusammen mit älteren Menschen die Barrierefreiheit im Zentrum von Hermeskeil getestet. Problemstellen sind demnach: Rathaus und Vorplatz, Donatusplatz, Fußgängerüberwege und Treppen. Ihren Vorschlag, nahe der evangelischen Kirche und am Krankenhaus Fußgängerüberwege anzulegen, unterzeichneten vor Ort mehr als 500 Personen. Die Leute müssten oft sehr lange warten, bis Autofahrer sie hinüberließen, berichtet Johannes Clemens, einer der jungen Leute: "Kaum einer hält an." Eine von der Initiative Barriere-Check gedrehtes achtminütiges Video mit dem Titel "Hermeskeil - kein Paradies für ältere Bewohner" bringt das Fazit der Untersuchung auf den Punkt. Denn an der Seite von Menschen, die auf Rollstuhl, Rollator oder einen Stock angewiesen sind, erkannten die Tester, dass es oft notgedrungen "barrierefrei am Bordstein vorbei" geht. Der Film ist im Internet zu sehen unter: http://www.youtube.com/watch?v=5lkWlaqHJro& ;feature=share). urs