Die Weltmeister-Macher

ZEMMER. Ein Putsch will gut vorbereitet sein. Der König darf nicht nur wackeln, er muss stürzen. Das hat das Toyota-Formel-1-Team vor: Die Japaner möchten unbedingt den Rennsport-Thron erklimmen und Weltmeister werden. Angepeilt ist das Jahr 2008. Damit dieser Wunsch Realität wird, arbeitet Stahlbau Steka in Zemmer unter Hochdruck.

Ferrari war gestern. Renault ist heute. Und Toyota - das wird morgen sein. Zumindest, wenn es nach den Japanern geht. Im Jahr 2008 soll endlich ein Toyota-Fahrer auf den WM-Thron steigen. Dieses Ziel lässt sich das Motorsportteam, das seinen Sitz in Köln hat, einiges kosten: Mit einer Investition von rund 50 Millionen Dollar für einen neuen, einen zweiten Windkanal, will der Formel-1-Rennstall Toyota endlich zu den Spitzenteams aufschließen. Damit dieser Traum nicht platzt, setzen die Japaner auf einen der renommiertesten Windkanal-Hersteller in Europa - die Stahlbaufirma Steka in Zemmer (Kreis Trier-Saarburg). "Da Toyota unbedingt Weltmeister werden möchte, arbeiten wir derzeit unter Hochdruck. Unser Windkanal muss bis Mitte 2006 fertig sein", sagt Firmenchef Rainer Steffen. Dass die Wahl ausgerechnet auf einen Betrieb im kleinen Zemmer gefallen ist, war kein Zufall. "Wir haben bereits im Jahr 2000 für Toyota den ersten Windkanal gebaut", erzählt Steffen. Mit dem Ergebnis waren die Japaner zufrieden. Mehr als 850 Tonnen Stahl verarbeitete ein Großteil seiner 30 Mitarbeiter ein Jahr lang zu einem Windkanal. Nun muss alles schneller gehen. "Bei diesem Auftrag haben wir nur ein halbes Jahr Zeit für die gleiche Arbeit", sagt Stahlbaumeister Steffen. Das bedeutet: Die komplette Belegschaft arbeitet an diesem einen Projekt. Für andere Aufträge bleibt keine Zeit. Wenn die Stahlteile des Formel-1-Windkanals für Toyota in Zemmer fertig sind, rollen rund 50 Schwertransporter vom Firmenhof. Die Polizei eskortiert die Stahl-Karawane. Allein eine Düse für den Windkanal hat einen Durchmesser von zehn mal zehn Metern. Als die Firma Steka 1979 gegründet wurde, dachte noch niemand an Windkanäle. 1991 kam dann die Anfrage, ob die Zemmerer Firma nicht einen Windkanal für ein in Luxemburg ansässiges Entwicklungszentrum eines Automobilkonzerns bauen könnte. Das kleine Unternehmen betrat Neuland und wurde sofort mit einem Preis ausgezeichnet. Das sprach sich in der Branche herum. Seitdem hat das Unternehmen zahlreiche Windkanäle für Automobilhersteller gebaut, beispielsweise für Audi, Volkswagen und nicht zuletzt für das Formel-1-Team von Toyota. Der Formel-1-Virus scheint ansteckend zu sein. "Seit der Windkanal-Geschichte sind wir alle Motorsport begeistert", erzählt Steffen. Beim Formel-1-Rennen am Nürburgring werden er und sein Team auf der Haupttribüne sitzen. Dass sie die Toyota-Piloten Ralf Schumacher und Jarno Trulli anfeuern, versteht sich von selbst. "Wir sind stolz darauf, dass wir uns an den Weltmeister-Plänen von Toyota beteiligen können." Und da man den japanischen Rennboliden aus Köln nicht ansieht, dass sie ihre Windschnittigkeit einer Stahlbaufirma in Zemmer verdanken, haben sich die Steka-Mitarbeiter rote T-Shirts mit der Aufschrift "Wir arbeiten am Formel-1-Weltmeister" drucken lassen.

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