Die Zukunft des Tunnels

Bei einer nicht öffentlichen Anhörung zur Bahnstrecke an der Obermosel wurde erneut über den Nitteler Tunnel beraten (der TV berichtete). Die Planungen der Bahntochter DB Projektbau sehen vor, die Verbindung von Trier nach Perl im Bereich des Nitteler Tunnels auf ein Gleis zurückzubauen. Der TV hat nach der Anhörung bei den Beteiligten nachgefragt, wie es um die Zukunft des Tunnels bestellt ist.

Nittel. Der von der Bahn geplante Rückbau des Nitteler Tunnels auf ein Gleis ist in der Region umstritten. Bei einer nicht öffentlichen Sitzung haben Vertreter der Bahn, Politiker sowie Interessenvertreter diese Woche erneut über die Planung diskutiert.Landrat Günther Schartz erklärte nach der Veranstaltung: "Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg hatte gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Konz in einer umfangreichen Stellungnahme die besondere Bedeutung der Strecke im europäischen Kontext hervorgehoben. Mit dem geplanten Rückbau ist die Zukunftsfähigkeit der Strecke in Frage gestellt", so Schartz. "Aus unserer Sicht hätte dem laufenden Planfeststellungsverfahren erst einmal ein Raumordnungsverfahren vorangestellt werden müssen. Aber die Bahn hat leider nur die lokale Bedeutung der Strecke gesehen", sagte er auf TV-Anfrage. Das Zahlenmaterial über die Streckenfrequentierung sei aus dem Jahr 2004 und berücksichtige nicht die dynamische Entwicklung der Region, bemängelte Schartz. "Beim Verkehrsgipfel mit Bundesminister Tiefensee wurde mir eine echte Variantenprüfung zugesagt. Das hat die Bahn nicht eingehalten, mir fehlt es an allen Ecken und Enden an Transparenz."

Leistungsfähiger Nahverkehr gefordert

Karl-Heinz Frieden, Erster Beigeordneter der VG Konz erklärte: "Wir wollen, dass sich die Bürger auf einen leistungsfähigen und funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr in der VG verlassen können. Die Bahn macht es sich zu einfach, wenn sich nur auf die Vorschriften beruft."

Thomas Geyer vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord erklärte nach der Sitzung: "Wir haben mit der DB Region im Juli diesen Jahres einen neuen Leistungsvertrag für die Obermoselstrecke abgeschlossen und wissen daher, wie knapp der Fahrplan kalkuliert ist. Wir haben deshalb massive Bedenken bezüglich der Qualität der betrieblichen Abläufe und insbesondere der Pünktlichkeit des Zugverkehrs, wenn es zu Problemen kommt." Die Bahn sollte seiner Meinung nach mit aktuellen Daten eine Simulation durchführen, um zu berechnen, wie sich die Eingleisigkeit bei Störungen im Betriebsablauf auswirken würde.

Auch Matthias Schalbach von der Handwerkskammer Trier hat sich zum Rückbau geäußert: "Zukunftskonzepte zum Ausbau des ÖPNV und des Güterverkehrs auf der Obermoselstrecke wären kaum noch umsetzbar."

Die Bahn indes bekräftigt ihre Pläne. Pressesprecher Bernd Honerkamp: "Die Bahn hält nach wie vor einen eingleisigen Umbau des Tunnels für die beste Lösung."

Die Strecke sei trotz der beantragten Eingleisigkeit für den Bereich des Nitteler Tunnels nicht nur für das aktuelle Betriebskonzept, sondern auch für die Zugzahlen nach der Verkehrsprognose 2015 ausreichend dimensioniert, erklärte er. "Weitere Kapazitätssteigerungen sind durch Baumaßnahmen an der Strecke unabhängig vom Nitteler Tunnel möglich. Durch eine Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik könnten bei entsprechendem Bedarf zum Beispiels die Blockabstände verkürzt und so zusätzliche Verkehre auf der Strecke gefahren werden."