Die Zukunft reißt Lücken

HERMESKEIL. Der demografische Wandel und seine Folgen: Bis zum Jahr 2050 wird die Verbandsgemeinde Hermeskeil ein Viertel ihrer Bewohner verlieren. Diesen Bevölkerungsschwund sagen Experten voraus. Welche Handlungsfelder ergeben sich aus dieser Entwicklung schon heute für die Kommunalpolitik? Das hat der TV Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) gefragt.

Die Bevölkerungszahl in der Bundesrepublik geht immer weiter zurück, und die Deutschen werden immer älter. Diese allgemeinen Beobachtungen werden auch die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil betreffen. Daran ist nichts zu rütteln (siehe Hintergrund). "Es ist ganz klar, dass auch wir uns mit dieser Entwicklung ernsthaft befassen und unsere politischen Entscheidungen darauf ausrichten müssen, damit die Belastungen für zukünftige Generationen in erträglichen Grenzen gehalten werden", betont daher Bürgermeister Michael Hülpes (CDU). Doch welche Herausforderungen und Konsequenzen stellen sich für die kommunalpolitischen Leistungsträger in der Zukunft konkret? Fest steht, dass beispielsweise die Zahl der Einschulungen immer weiter zurückgehen wird. Das wirft fast zwangsläufig die Frage auf, ob möglicherweise irgendwann die Schließung von Grundschulen - wie im Saarland - zur Debatte stehen wird. So weit will der Chef der VG, die Träger der Grundschulen ist, nicht gehen: "Wir wollen auch die kleinen Schulen so lange es geht aufrecht erhalten. Zumal sie in vielen Orten die letzte noch verbliebene öffentliche Einrichtung sind", sagt Hülpes. Er weist zudem darauf hin, dass der VG in diesem Punkt die politische Forderung entgegenkommt, dass die Ganztagsangebote in Schulen und Kindergärten ausgebaut werden sollen. "Da entsteht also ein neuer Bedarf, dem wir nach Möglichkeit entsprechen wollen", sagt Hülpes, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, "dass dies auch neue Kosten bedeutet". Der CDU-Politiker fordert zwar mit Nachdruck die "Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Städten und im ländlichen Raum". Er stellt aber auch klar, dass es in der Verbandsgemeinde, was die öffentliche Infrastruktur angeht, "in Zukunft kaum noch größere neue Projekte geben wird". Die Devise müsse vielmehr lauten, "dass nicht der Zuwachs, sondern die Pflege des derzeit erreichten hohen Standards im Vordergrund stehen wird". Langfristig werde es vermutlich sogar zu einem Rückbau kommen, sagt Hülpes voraus. Allerdings will er sich diesbezüglich nicht auf Spekulationen einlassen, in welchen Bereichen dies eintreffen könnte. "Das wird ein schleichender Prozess sein, der sich irgendwann von selbst einstellt", sagt Hülpes. Keinen Sinn macht es aus seiner Sicht aber, dass in Zukunft in den Dörfern noch großflächige Neubaugebiete geplant werden. Die demografische Entwicklung werde es nämlich vielmehr immer dringlicher machen, sich dem Problem des drohenden Ausblutens der Ortskerne zu stellen. Eine mögliche Lösung könne es nach Auffassung von Hülpes sein, dass die Kommunen leer stehende Häuser im Zentrum aufkaufen und abreißen lassen, um dort voll erschlossene neue Baugrundstücke anbieten zu können. "Letztlich werden die Ortsgemeinden aber wohl nicht umhinkommen, beides vorzuhalten und auch kleine Neubaugebiete auszuweisen", sagt Hülpes. Mehr ältere Menschen - das bedeutet schließlich, dass in Zukunft auch die Nachfrage nach Betreuungs- und Pflegeangeboten steigt und diese ausreichend vorhanden sein müssen, um im "Wettbewerb um Wohnbevölkerung" (Hülpes) mit anderen Kommunen bestehen zu können. In diesem Punkt sei die VG Hermeskeil aber mit zahlreichen Ärzten, dem Krankenhaus oder den Altenheimen in Reinsfeld und der Hochwaldstadt "ganz gut aufgestellt". Zudem verweist der Bürgermeister darauf, dass sich gerade die Stadt Hermeskeil mit ihrer Idee des "Rendezvous der Generationen" beim Landeswettbewerb "Werkstatt Innenstadt" bereits Gedanken gemacht hat, und mit dem bevorstehenden Bau der Seniorenresidenz am Stadtpark ein erstes Projekt konkret verwirklicht werden soll. "Dieses Konzept sollte weiter verfolgt werden", lautet deshalb das Plädoyer von Hülpes.