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"Diese wilden, tätowierten Hardrocker im Kopf" - TV-Interview mit Quadro Nuevo über Tango und Buenos Aires

"Diese wilden, tätowierten Hardrocker im Kopf" - TV-Interview mit Quadro Nuevo über Tango und Buenos Aires

400 Zuhörer haben am Samstagabend Quadro Nuevo in der Stadthalle gefeiert. Die Band, die zuletzt vor drei Jahren in der Stadt spielte, ist 2014 in die Welthauptstadt des Tangos, Buenos Aires, geflogen, um aktuellen Trends des Musikstils nachzuspüren. Das hat sich offensichlich gelohnt. Bei den Besuchern kam die Musik gut an.

Saarburg. Statt in den sommerlichen Himmel von Saarburg haben die fünf Musiker der Band Quadro Nuevo beim Konzert in Saarburg an die Decke der Stadthalle geblickt. Wegen des Regens war das Konzert kurzfristig vom Boemundhof ins Trockene verlegt worden. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, die war bei den 400 Besuchern vom ersten Lied an gut. Dies zeigte sich am kräftigen Applaus. Zum Konzert ende nach zweieinhalb Stunden gab es auch Standing Ovations. Unser Mitarbeiter Alexander Schumitz hat mit dem Bassisten Didi Lowka und dem Pianisten der Band, Chris Gall, gesprochen.

Die Gruppe Quadro Nuevo spielt seit rund 20 Jahren Tango. Wie ist es dazu gekommen?
Didi Lowka: Der Tango war immer eine Musikrichtung, die uns interessiert hat. Wir haben Jazz gespielt. Dann kamen Tango und Walzer dazu, aber auch volksmusikartige Elemente aus der ganzen Welt haben wir dazu gepackt. Aber der Tango hat uns von Anfang an fasziniert.

Ihr hättet an europäischen Stilrichtungen festhalten können. Volksmusik gibt es doch auch in moderneren Varianten. Es ist nicht allein der Trompeter Stefan Mross, der den Ton angibt. Eine Richtung, wie sie Die Knödel aus Tirol oder die Biermösl Blosn aus Oberbayern vorgeben, wäre auch denkbar gewesen.
Lowka: Das war für uns nie interessant. Der Tango hat uns mit seiner Melancholie, mit seinen vielen rhythmischen Varianten gefallen.

Und trotzdem hat es 20 Jahre gedauert, um dem Tango in Buenos Aires vor Ort nachzuspüren?
Lowka: Das hat wirklich so lange gebraucht. Warum, wissen wir selbst nicht. Die Idee kreiste schon seit langem in unseren Köpfen. Aber jetzt wollten wir wissen, wie der wirkliche Tango klingt. Was gilt es zu beachten, was nicht? Was kann man machen, was nicht? Welchen Visionen spüren die Musiker am Rio de la Plata aktuell nach?

Ihr habt gleich Chris Gall, der vor zwei Jahren als Pianist zu euch dazugestoßen ist, mitgenommen. Was war das für eine Erfahrung, mit diesen vier gestandenen Musikern auf diese Entdeckungsreise nach Buenos Aires zu gehen?
Chris Gall: Das war toll, wie ein gemachtes Bett. Bei so einer eingespielten Combo fällt es leicht, sich musikalisch einzubringen. Anfangs gab es ein paar unverbindliche Versuche. Wir haben gejammt und geprobt. Es hat gut funktioniert.

Die Nähe zum Tango, war die in Ihrer Musik Neuland?
Gall: Südamerikanische Musik spiele ich schon lange. Und obwohl es große Unterschiede zwischen brasilianischer und argentinischer Musik gibt, ist mir der Zugang leichtgefallen.

Und wie war das Gefühl, als die Gruppe in Buenos Aires das erste Mal authentischen Tango vor Ort gehört hat?
Lowka: Das war spannend. Es hat eine Zeit gedauert, bis wir das gefunden haben, was uns interessierte, nämlich: Wie interpretieren junge Musiker den Tango. Wir wollten nicht den musealen Tango, der in der 13 Millionen Metropole für Touristen angeboten wird, hören. Wir wollten wissen, was aktuell in der Szene passiert.

Die Band hat also nachgespürt, wie sich der Tango Nuevo seit Astor Piazolla (berühmter Tango-Komponist und Bandoneonspieler, 1921 bis 1992) weiterentwickelt hat?
Gall: Piazolla war ein Revolutionär, aber er hat auch vielen Tangoliebhabern mit seinen Kompositionen vor den Kopf gestoßen, weil er den Tango mit anderen Musikelementen - etwa dem Jazz - verbunden hat. Wir versuchen, diesen Weg fortzusetzen. Der Tango ist die Basis. Daraus soll etwas entstehen, das zu uns passt.

Wie war der erste Abend, als die Band im ehrwürdigen Club Los Laurélesin Buenos Aires aufgetreten ist?
Lowka: Die Wirtin war anfangs skeptisch, dass Deutsche in ihrem Club Tango spielen wollten. Sie sagte, wenn die Leute nicht tanzen, dann müsst ihr aufhören, dann lege ich Schallplatten auf. Das ist alles nicht passiert. Die Gäste haben alle getanzt, und es war ein super Abend.
Die Zuhörer waren offen für unsere Musik. Obwohl wir vorher oft gehört hatten, dass es strenge Regeln gebe - etwa bloß kein Akkordeon zu benutzen (Anmerkung der Redaktion: Der Bandeonist der Gruppe, Andreas Hinterseer, spielt in den Konzerten auch Akkordeon). Aber das war gar nicht so.

Welchen Einfluss hat das Zusammentreffen mit den argentinischen Musikern auf eure Musik gehabt?
Lowka: Ich habe mir beispielsweise von den Bassisten Spieltechniken abgeschaut. Auf die wäre ich sonst nicht gekommen. Ich habe alles aufgesaugt und baue es ein, wenn ich spiele. Ich habe dann diese wilden tätowierten Hardrocker im Kopf, die Tango spielen. Das sind die Farben, die ich dann in mein Spiel einbaue. Das war sehr aufschlussreich, ein Riesenpool an Richtungen, die uns geschenkt wurden. itz
Zum Vormerken: Mulo Francel, der Saxofonist der Gruppe Quadro Nuevo, gibt mit seiner Jazzcombo Mulo Francel & Friends am Dienstag, 15. November, ab 20 Uhr ein Konzert in der Synagoge in Wawern. Mehr Infos unter www.mulofrancel.de