Dieser Advent ist multikulturell

Zum Heidenburger Adventsfenster haben fünf Flüchtlingsfamilien einen Glühweinabend veranstaltet. 50 Einheimische sind gekommen, um mit ihnen die Vor-Weihnachtszeit zu feiern.

Heidenburg/Büdlich. Ein kalter Wind weht an diesem Abend durch Heidenburg. An vielen Häusern strahlt die Weihnachtsbeleuchtung, aber sonst ist es ruhig im Dorf. Eine kleine Gruppe in dicken Jacken geht rasch durch den Ort, beladen mit Kuchenschalen und Tabletts. Ihr Ziel ist das Feuerwehrgerätehaus, denn dort werden sie an diesem Abend das Adventsfenster öffnen.
Es sind fünf Flüchtlingsfamilien, die in Heidenburg und in Büdlich leben. Sie beteiligen sich an der Aktion. Sie haben süßes und salziges Gebäck gebacken und wollen mit den Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe den Einwohnern von Heidenburg einen vorweihnachtlichen Abend bereiten. In vielen Orten hat sich der "Lebendige Adventskalender" durchgesetzt: An jedem Abend bietet eine unterschiedliche Familie aus der Nachbarschaft vor ihrem Haus Glühwein und Gebäck an, um sich mit der Dorfgemeinschaft zu treffen.
Von Aleppo gekommen


Der Schüler Mohamed Said ist mit seiner Familie mit der großen Flüchtlingswelle des Jahres 2015 von Aleppo nach Heidenburg gekommen. "Aleppo ist eine große Stadt. Mein Vater war Taxifahrer und meine Mutter Friseurin. Jetzt lernen wir Deutsch. Ich habe vier Jahre lang Karate in Aleppo gemacht und würde gerne wieder einen Kurs besuchen", erzählt Said. Er freut sich auf den Abend mit den Heidenburgern. "Wir haben viel gebacken! Ich hoffe, dass viele kommen", sagt er.
"Fast alle Flüchtlinge hier in Heidenburg haben inzwischen subsidiären Schutz. Sie können also vorerst bleiben. Mit dem Adventsabend wollen sie sich bei den vielen Heidenburgern, die ihnen helfen, bedanken", sagt Andrea Jäger aus Heidenburg, Mitglied im Verbandsgemeinderat Thalfang.
Zwar hapere es an Fahrmöglichkeiten, weshalb viele in die Stadt wollen. Aber andererseits biete der ländliche Raum mehr Gemeinschaft und Nachbarschaft, was die Integration erleichtere.
Mohadesa Ekhlassi ist mit ihrer Familie aus Ghazni in Afghanistan gekommen. Sie besucht die Realschule plus in Thalfang: "Wir sind sehr froh, dass wir hier sein dürfen. Ich habe manchmal Heimweh, aber ich will lernen und später mal studieren. Wir wollen in Deutschland bleiben. Mein Vater ist Arzt, aber es ist schwer für ihn, eine Stelle zu finden, weil wir keine Original-Zeugnisse dabei hatten. Meine Mutter hat im Rathaus gearbeitet. Aber seit die Amerikaner wieder weg sind, ist es in Ghazni nicht gern gesehen, wenn Frauen arbeiten", erklärt sie die Situation. Aber jetzt gibt es erst einmal afghanische Teigtaschen mit Hackfleischfüllung und süße Blätterteigröllchen. Und inzwischen haben auch etwa 50 Heidenburger den Weg zum Feuerwehrgerätehaus gefunden. Mit den Flüchtlingen singen sie zusammen Weihnachtslieder und genießen die Köstlichkeiten. Zuvor hatten sie gemeinsam der Opfer des Terroranschlags in Berlin gedacht.
Margret Schmitz aus Heidenburg ist mit ihrer Tochter zum Glühweintrinken gekommen: "Es ist sehr gut, dass viele der Flüchtlinge schon so gut Deutsch können. Das ist eine gute Veranstaltung und ist gut für unser Dorf".
Und auch Ortsbürgermeister Werner Treinen ist mit der Aktion zufrieden: "Ich finde es fantastisch, wie das organisiert wurde. Es ist toll, wie die Flüchtlinge unterstützt werden. Es kommt ja auch was zurück: Im Sommer haben viele Männer im Dorf bei der Gemeindearbeit geholfen". Nach zwei Stunden löst sich die Veranstaltung wieder auf. Die Teller sind geputzt. "Die Sachen waren ja sehr lecker. Aber manches ist so süß! Mich wundert, wie die Frauen hier ihre Figur halten können", raunt eine Heidenburgerin ihrer Begleitung zu. hpl