Direkt von der B 419 ins Nitteler Neubaugebiet
Nittel · Obwohl die sechste Planvariante für das Neubaugebiet Wiesengraben im Nitteler Rat vorgestellt worden ist, wurde kein Beschluss gefasst. Vor der Sitzung lagen den Ratsmitgliedern keine Pläne vor - laut Projektentwickler Claudius Frühauf, weil sie erst in letzter Minute fertig geworden sind.
Nittel. Wenn es um das Neubaugebiet Wiesengraben geht, stößt das in der Gemeinde Nittel auf große Aufmerksamkeit. Mit fast 4,5 Millionen Euro Kosten ist es das größte Projekt in dem Obermoselort. Wenn die geplanten 109 Baugrundstücke erschlossen sind, wächst die Gemeinde, und ihr Antlitz wird sich erheblich verändern.
Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend waren 20 Nitteler da, um zu verfolgen, ob und wie der Rat den Planungsprozess vorantreibt. Ein Beschluss wurde jedoch vertagt, weil weder den Ratsmitgliedern noch der Verwaltung vor der Sitzung die Pläne vorlagen. Deshalb wurden die Pläne nur vorgestellt. Beschlüsse sollen nächste Woche gefasst werden, nachdem die Fraktionen sich mit dem Plan beschäftigt haben.
"Die Pläne sind erst Minuten vor der Sitzung fertig geworden", erklärte Projektentwickler Claudius Frühauf. Das Ergebnis präsentierte er trotzdem sehr euphorisch: Nach langen Verhandlungen habe die Gemeinde wider Erwarten einen Teil des Firmengeländes des Unternehmens Landmaschinen Hoffmann gegen eine Ausgleichsfläche getauscht. "Ohne die Einigung konnten wir nicht planen", sagt Frühauf. Jetzt werde das Neubaugebiet über eine Linksabbiegerspur direkt an die B 419 angebunden. Die Anwohner der benachbarten Schulstraße, die damit gerechnet hatten, dass das Baugebiet mehr Verkehr in ihre Straße bringe (der TV berichtete), könnten sich nun glücklich schätzen. Ihre Straße sei nun entlastet und werde bald ausgebaut.
Die Ratsmehrheit signalisierte ihre Zustimmung zu dem neuen Plan. Gerade dass die ganze Gemeinde Nittel laut Frühauf durch das Neubaugebiet noch bis zum Jahresende ans schnelle Internet angeschlossen wird, spreche für das Projekt. Die SPD-, CDU- und FWG-Fraktionen gehen zudem davon aus, dass die Gemeinde mit dem Baugebiet Geld verdienen kann.
Trotzdem keimte bei den Ratsfraktionen der Grünen und bei den Unabhängigen Bürgern für Nittel (UBN) wieder Kritik auf. Anders als die Ratsmehrheit meinte zum Beispiel Doris Köbernick von den Grünen: "Das Baugebiet wird die Gemeinde Nittel in eine finanzielle Kernschmelze führen." Es sei zudem nicht sozialverträglich, weil die Grundstücke zu teuer verkauft würden.
Projektentwickler Frühauf entgegnete, dass etwa die Hälfte der Grundstücke nun in Gemeindehand sei. Er verspricht, dass die Erschließung pro Quadratmeter nicht mehr als 70 Euro koste, so dass die Grundstücke gewinnbringend verkauft werden könnten. Der Preis für das Bauland stehe aber noch nicht fest. Die Gemeinde entscheide selbst darüber, und die Sozialverträglichkeit liege in ihrer Hand.
Auch der Supermarkt und die Seniorenresidenz, die in dem Neubaugebiet angesiedelt werden sollen und von denen sich Frühauf mehr als 60 Arbeitsplätze verspricht (der TV berichtete), sind aus der Sicht des Projektentwicklers positive Gründe für die Erschließung des Baugebiets.Extra
Projektentwickler Claudius Frühauf rechnet damit, dass die Erschließung des Baugebiets im Sommer 2012 beginnen kann. Zunächst läuft das Bebauungsplanverfahren mit der Erstellung von Verkehrs-, Umwelt- und Lärmgutachten sowie mehreren Bürger- und Behördenbeteiligungen weiter. cmk