Diskussion in Freudenburg um Eichenprozessionsspinner im Wald

Debatte in Freudenburg : Wer kümmert sich um die haarigen Biester im Wald?

Über Nester des Eichenprozessionsspinners bei Freudenburg wird diskutiert: Sollen sie auch im Wald entfernt werden? Wer ist zuständig? Auch wie vor den gefährlichen Raupen gewarnt werden soll, ist strittig.

Sonja Bart wundert sich. Anfang Juli hat sie dem Freudenburger Ortsbürgermeister gemeldet, dass sie elf Nester des gefährlichen Eichenprozessionsspinners an einem viel genutzten Waldweg unterhalb der Kläranlage Weiten gesehen hat. Mindestens eins der Nester befindet sich laut Bart in Bodenhöhe, leicht erreichbar für Kinder und Hunde. Zur Erinnerung: Die Raupen des Spinners haben Brennhaare, die beim Menschen juckende Hautreizungen und Reizungen der Atemwege und Augen auslösen können, in seltenen Fällen sogar Schocks und Symptome wie Fieber. Sonja Bart bat darum, auf die Nester zumindest hinzuweisen.

Doch zunächst passierte nichts. Ihr Kommentar: „Unverantwortlich! Spätestens seit Einweihung des Premiumwanderwegs König-Johann-Steig gehen dort Touristen mit Hunden und Kindern vorbei.“ Darum hat sie per Telefon, Whatsapp sowie über Facebook vor den Nestern gewarnt. Erst zwei Wochen später, also am vergangenen Montag, fand die Freudenburgerin, die den Weg alle zwei Tage mit ihrem Hund geht, erstmals drei kleine Schilder, die auf den Eichenprozessionsspinner hinwiesen. Doch kritisiert sie: „Die Schilder hängen relativ weit weg von den Nestern. Eines hängt etwa vier bis fünf Gehminuten entfernt. So ist das nicht sinnvoll. Da guckt man vielleicht noch die nächsten fünf Bäume an und dann hat man die Warnung vergessen.“ Zudem hat sie eigenen Aussagen zufolge nun ein weiteres Nest gesehen, wieder direkt am Weg in Bodennähe und recht groß. „Ich fände es gut, wenn man das wegmachen würde“, sagt Bart.

Ortschef verweist auf Forst Freuenburgs Ortsbürgermeister Berd Gödert verweist darauf, dass der Wald zwar der Ortsgemeinde gehöre, aber eigentlich der Forst zuständig sei. Dennoch habe er reagiert. Gödert: „Ich habe das recht bald an den Gemeindearbeiter weitergegeben. Wann er die Schilder aufgehängt hat, weiß ich nicht.“

Dieses Schild (links) warnt vor den Raupen im Freudenburger Wald – etwa vier bis fünf Gehminuten von der Gefahrenstelle entfernt. Rechts eines der Nester am Freudenburger Rundwanderweg. Foto: TV/Sonja Bart

Das sagt der Forstamtsleiter Auf Nachfrage beim Forstamt Saarburg, wer denn nun im Wald für die Nester des Spinners zuständig sei, antwortet dessen Leiter Helmut Lieser salomonisch: „Für den Wald ist prinzipiell der Forst zuständig. Aber der Ortsbürgermeister ist quasi Chef des Forstbetriebs und damit auch Ansprechpartner.“ Und unter welchen Bedingungen sollten Nester im Wald beseitigt werden? Lieser sagt: „Das hängt vom Einzelfall ab. Das muss der Förster vor Ort entscheiden. Werden Menschen gefährdet, müssen die Nester beseitigt werden. Dann informiert der Förster die Verwaltung, die eine Fachfirma beauftragt.“ Lieser warnt vor Panikmache, rät aber zur Klärung dieses Falls, den Freudenburger Förster als Experten hinzuziehen. Das will die Freudenburgerin auch tun, wie sie am Mittwoch auf TV-Nachfrage erklärt. Generell stellt Lieser fest, dass es im Innern der Wälder kein Problem mit dem Eichenprozessionsspinner gebe. Die Art komme nur an sonnenbeschienenen Eichen am Waldrand und an einzeln stehenden Bäumen vor. Zur Frage, ob man die Nester nicht beseitigen solle, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sagt Lieser: „Der Eichenprozessionsspinner ist nun da, den werden wir nicht mehr los.“ Doch warnt er vor verlassenen Nestern, da die Brennhaare über mehrere Jahre hinweg gefährlich blieben.

Das sagt der Bürgermeister Prinzipiell sind die Eigentümer der Flächen zuständig, wenn der Eichenprozessionsspinner irgendwo Menschen gefährdet. Wer den Eigentümer nicht erreicht, kann sich an die Verbandsgemeindeverwaltung wenden. Bürgermeister Jürgen Dixius sagt: „Wir kümmern uns und geben die Informationen bei öffentlichen Plätzen an die Ortsgemeinde weiter. Wir stellen Schilder zur Verfügung und beauftragen Fachfirmen zum Entfernen.“ Dabei hätten Standorte an Kitas, Grundschulen und häufig frequentierten Plätze Priorität. Dann erst kämen Wanderwege. Generell habe man das Problem in der VG Saarburg-Kell ganz gut im Griff.

Foto: TV/Sandra Bart

Mehr zum Thema Eichenprozessionsspinner unter www.volksfreund.de/extra

Mehr von Volksfreund