Diskussion um die mobile Jugendpflege in Konz

Jugendarbeit : Mehr Aufgaben – gleiches Personal

Das Jugendnetzwerk Konz kämpft für eine Stelle für die mobile Jugendpflege. Die gute Infrastruktur soll überall mit Leben erfüllt werden.

Einmal im Monat können Spaziergänger in Konz ungewöhnlichen Zeitgenossen begegnen, die auf dem Weg ins Haus der Jugend sind. Dort versammeln sich lebendig gewordene Zeichentrickfiguren aus der ganzen Region regelmäßig bei Animexx-Treffen und verwandeln das Freizeit- und Kommunikationszentrum in einen bunten Hort asiatischer Popkultur.

„Bei den bisherigen Treffen waren bis zu 150 Jugendliche dabei“, sagt Denise Ziehm. „Die organisieren dann im ganzen Haus alles, von Kochkursen bis zu Workshops für das Frisieren von Perücken.“ Ziehm ist seit einem Jahr für die Leitung des 1977 gegründeten Hauses verantwortlich und hat die inhaltliche Neuausrichtung in sanierten Räumen mitbestimmt. „Wir verstärken das jugendkulturelle Angebot, nehmen also die Jugendlichen ab 14 Jahren in den Blick.“

Wie vielfältig das Angebot in dieser für die Region einmaligen Einrichtung ist, zeigt ein Blick auf die neu gestaltete Homepage (www.hdj-konz.de) und die des Jugendnetzwerks Konz (www.junetko.de), zu dem auch das Haus der Jugend gehört. Mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils 280 000 Euro ist es im insgesamt eine Million Euro schweren Wirtschaftsplan für das Jahr 2018 der größte Posten. Jugendpflege in Stadt und Verbandsgemeinde, die Schulsozialarbeit, Quartiersmanagement im Rahmen des Projekts Soziale Stadt und das beliebte und im ganzen Kreis bekannte Spielmobil gehören ebenfalls zur umfangreichen Palette der Aufgaben und Angebote des Netzwerkes, in dessen Trägerverein neben der Stadt und der Verbandsgemeinde auch der Kreis Trier-Saarburg, die Universität Trier, das Bistum und die evangelische Kirche vertreten sind. Vorsitzender war in den vergangenen neun Jahren Joachim Weber. Seit Ende 2017 Bürgermeister, hat er vor wenigen Tagen das Amt an den einstimmig gewählten Guido Wacht weitergegeben hat, den neuen Beigeordenten der Verbandsgemeindeverwaltung. „Das Jugendnetzwerk ist für die Stadt und die VG eine tolle Sache“, ist Ex-Vorsitzender Weber überzeugt. „Diese Arbeit strahlt über die Region hinaus und hat auch Vorbildfunktion im Land.“ Zum positiven Abschied passte, dass der Jahresabschluss 2017 erstmals dank der Erhöhung von Fördermitteln einen Überschuss von 24 000 Euro aufweist. Zu den vorbildlichen Aktivitäten zählen nicht nur die vielfältigen Angebote für Jugendliche. Dass im Auftrag der Verwaltung Sozialarbeiter auch an Grundschulen aktiv sind, ist ein Alleinstellungsmerkmal, denn üblich ist das bislang nur für Realschulen plus. Und auch die Jugendpflege, also die Begleitung und Unterstützung von Jugendinitiativen in der Stadt und auf dem Land gehört zu den wichtigen Aufgaben des Netzwerks. Wie Junetko-Geschäftsführer und Jugendpfleger Dietmar Grundheber allerdings nachdrücklich betont, muss die personelle Struktur für dieses Angebot dringend angepasst werden. „Die personelle Struktur für die Jugendpflege ist vor 40 Jahren angelegt worden. Seitdem hat sie sich nicht verändert, obwohl die Anforderungen stark gestiegen sind.“Die Idee, mit einer zusätzlichen Stelle für die mobile Jugendarbeit besonders in den Orten der Verbandsgemeinde deutlich mehr für die jungen Menschen tun zu können, scheiterte seit 2015 allerdings an der Kostenfrage. Weil das Land nun mit einem neuen Programm die Schaffung einer solchen Stelle mit 18 000 Euro fördert und auch der Kreis Trier-Saarburg jährlich 7500 Euro zuschießen würde, steht der Antrag nun aber erneut zur Entscheidung in den politischen Gremien an. Dank der Co-Finanzierung müsste die Verbandsgemeinde nur noch etwa 29 000 Euro der Personalkosten tragen. Für das laufende Jahr würde das Junetko sogar den Überschuss aus 2017 dafür bereitstellen. „Wir wollen unser Beratungs- und Betreuungsangebot auch aufs Land bringen“, macht Dietmar Grundhöfer deutlich. Derzeit sei es einfach nicht möglich, in allen 18 Stadtteilen und Gemeinden aktiv zu sein. „Oft gibt es da zwar gute Räumlichkeiten, aber alleine kommen die Kinder und Jugendlichen einfach nicht mehr alleine darauf, wie sie diese kontinuierlich und attraktiv nutzen können.“ Als größte Verbandsgemeinde im Kreis verfüge Konz über den kleinsten Personalstellenanteil.

Im Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde hat er mit diesen Argumenten noch nicht alle Mandatsträger überzeugt. Nun sollen Gespräche mit den Fraktionen folgen, bevor eine Entscheidung fällt. „Ein Führungswechsel kann auch eine Chance sein, Dingen zusätzlichen Schwung zu geben.“ Das hat Bürgermeister Joachim Weber seinem Nachfolger beim Jugendnetzwerkes mit auf den Weg gegeben; vielleicht auch mit Blick auf die mobile Jugendpflege.

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